Premiere von „Pech & Schwefel“: Kalauernde Liebeserklärung an Aachen

Von: Albrecht Peltzer
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Das Team von Pech & Schwefel (v.l.): Peter Reuters (Puppenspieler), Sabine Haverkamp (Puppenspielerin), Otto Trebels (Puppenspieler), Resi Schumacher (Sprecherin), Wendelin Haverkamp (Sprecher, Texte, Regisseur), Albert Henrotte (Sprecher), Elfriede Schultz (Puppenspielerin), Franz Brandt (Musiker), Freddy Matulla (Geräusche aller Art), Albert Baurmann (Puppenspieler), Dieter Kaspari (Musiker). Auf unserem Foto fehlt Sprecher Hubert Crott. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Nein, Marcel Philipp ist das Lachen nicht vergangen. Obwohl es Otto Trebels, Spielleiter des Öcher Schängche, bei seiner Begrüßung schelmisch prophezeit hat. Am Ende klatscht natürlich auch der Oberbürgermeister begeistert Beifall.

Die Premiere der achten Auflage von Pech & Schwefel, dem Stockpuppenkabarett im Schängche, ist gerade über die Bühne gegangen. Und die Menschen gehen vergnügt nach Hause. Weil dieses Kabarett bestens unterhält, aber nicht böse ist – liebevoll und augenzwinkernd, aber nicht verletzend.

Das Team um Autor Wendelin Haverkamp kalauert sich erneut durch die jüngere Öcher Stadtgeschichte, man bedient sich der offensichtlich offensichtlichen Themen wie Alemannia, Baustellen, Verkehr, CHIO, Verwaltung, Promis. Die Mischung aus Stockpuppenspiel und Öcher Kolorit, aus handgemachter Musik und flotten Sprüchen – in Hochdeutsch mit Knubbelen, damit auch die nicht Platt-Affinen zu ihrem Recht kommen – trifft den Unterhaltungsnerv der Menschen.

Da würde selbst Aachens CDU-Größe Armin Laschet vergnüglich schmunzeln. Obwohl er gerade durch den sprichwörtlichen Kakao gezogen wird. Immerhin ist Laschet quasi stockpuppenkabarettmäßig geadelt – weil es jetzt eine eigene Laschet-Puppe (El Aschet)gibt. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind da nicht zufällig. Der Christdemokrat und Hobby-Hochschullehrer trifft sich im Puppenspiel an der Ecke Anto- niusstraße („Rue Antoine“) mit einem Agenten, der ihm bei der Suche nach den verlorenen Klausuren behilflich sein soll. Laschets ominöse Prüfungs-Panne liefert auch Wendelin Haverkamp Spott und Häme auf dem Silbertablett.

Und auch aus dem ALRV-Fundus schöpft der Drehbuchautor genüsslich. Das Miniturnier im Mai mit Gourmetmeile hat es ihm offensichtlich angetan. Rainer Calmund, Schwergewicht in Sachen gutes Essen und Trinken, stattet dem CHIO einen Besuch ab – und wähnt sich im falschen Film, nämlich bei der Alemannia. „Schio“ hält er entweder für den Namen der Vereinskneipe oder für eine griechische Spezialität, Lambertz-Chef Hermann Bühlbecker mutiert im Zwiegespräch mit dem ehemaligen Fußballmanager zu „Dr. Kühlketter“ – Hauptsache, es gibt etwas zu essen. Ein herrlich misslungener Dialog um Promis, Printen, Fußball und Reiten.

Oder nehmen wir die liebenswerten Maria und Gosef. Ja Gosef, mit „G“. So nennt ihn seine Gattin, mit der er „seit 251 Jahren“ verheiratet ist. Man sinniert unter anderem darüber, wie man sich das gemeinsame Grab einrichtet. Wobei die Frage, ob die Ehe auch unterirdisch weiter besteht, durchaus berechtigt ist. „Es heißt: bis dass der Tod Euch scheidet“, betont „Gosef“. Was danach komme, sei Verhandlungssache, betont Gosef zur Gaudi der Premieren-Gemeinde

Die Teufelsschule und die heiligen Knochen, die Fahrt im ICE nach Köln, über „Hurry Village“ (Eilendorf) und „Longer Aua“ (Langerwehe), die „Vortbildung“ im Stadtbetrieb (mit „V“!) oder aktuelle Maßnahmen zum Luftreinhalteplan – „Pech & Schwefel“ bringt es teuflisch genau auf den Punkt: Die Sache ist hoffnungslos, aber nicht ernst! Sprecher und Puppenspieler servieren das wie aus einem Guss, musikalisch umrahmt von Gitarre und Tasteninstrumenten – mal bluesig, mal melancholisch, von den Beatles bis zu Bob Dylan. Eine Liebeserklärung an Aachen – keine Frage!

Der Oberbürgermeister straft Otto Trebels Lügen. Wer zuletzt lacht, hat länger davon. Das Pre-mierenpublikum ist begeistert. Und viele Öcher werden es ihm in den nächsten Wochen nachtun. Denn neben den (zum Teil ausverkauften) Folgevorstellungen kündigte Haverkamp Zusatztermine an. Wer nicht hingeht, hat Pech – ohne Schwefel.

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