Premiere: Mit Sack und Pack unterwegs

Von: Lamar-Aron Klaßen
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Sie haben drei Wochen lang junge Flüchtlinge dabei unterstützt, ihre Geschichten auf die Bühne zu bringen: das Organisationsteam um Ana (ganz links) und Vera Sous (3. v. l.). Foto: Andreas Steindl

Aachen. Farhad Hosseini ist erst zwölf Jahre alt und hat am morgigen Mittwoch seinen ersten großen Auftritt. Der junge Afghane fällt mit seiner aufgeweckten Art sofort auf, bekommt viel Lob für sein schauspielerisches Talent und kündigt einen „schönen Abend“ im Aachener Ludwig-Forum an. Drei Wochen lang haben Farhad und rund 30 Beteiligte ein Drehbuch erarbeitet, Musik komponiert und eine Vielzahl von Szenen immer wieder geprobt.

Das Ergebnis der harten Arbeit nennt sich „Sack und Pack“ – ein Theaterstück, das die Geschichten junger Flüchtlinge erzählt und als Plattform des interkulturellen Dialogs dienen soll.

Im Rahmen des vierten Integrationsprojekt von Künstlerin Vera Sous „Ahoi 4 you: Die Bühne der Kulturen“ haben Jugendliche aus Syrien, Albanien, Guinea und vielen weiteren Ländern erstmals die Möglichkeit bekommen, ihre eigenen Erlebnisse in Form eines Theaterstücks künstlerisch darzustellen.

„Das Stück hat viel zu bieten und ist durchaus anspruchsvoll. Einige Szenen sind voller Humor, andere wiederum nichts für leichte Gemüter“, verspricht Sous eine abwechslungsreiche Vorstellung. Bei der Erarbeitung des Drehbuchs und der Regieleitung überließ die Künstlerin das Kommando jedoch ihrer Tochter. Kunsthistorikerin Ana Sous stand ihrer Mutter zur Seite und erarbeitete mit den Jugendlichen zusammen erstmals ein Theater-Drehbuch. „Mit den Ausgangsfragen ,Was stellt ihr euch vor?‘ und ,Wie sieht die Situation in eurem Land oder die Situation für euch in Deutschland denn aus?‘ starteten wir die Gestaltung des Stücks“, gibt Ana Sous Einblicke in den Arbeitsprozess.

Von den üblichen Fehden zwischen eigenwilligen Freigeistern, die Schauspieler entweder sind oder werden, wenn es um ihr künstlerisches Schaffen geht, war im Theatersaal des Ludwig-Forums bei der Projektvorstellung keine Spur. „Wir haben uns eher zu einer großen Familie entwickelt“, fügt das Sous-Gespann an.

Vorführungen finden am Mittwoch um 19 Uhr sowie am 1. und 2. September im Ludwig-Forum statt, 150 Gäste pro Vorstellung würden Platz finden. Organisatorin Vera Sous wünscht sich volles Haus: „Die Premiere wird hoffentlich ein Zuschauermagnet. Für die anderen beiden Tagen wäre es toll, wenn der Wert des Stücks sich herumspricht und möglichst viele Menschen Lust bekommen.“ Unterstützung erfahren die Sous-Frauen von allen Seiten. Die Stadt Aachen, der Verein „KuKuk“, das kommunale Integrationszentrum und natürlich das Ludwig-Forum ermöglichen dem Projekt optimale Rahmenbedingungen.

Neben Vereinen und Stadt sind es aber vor allem auch die vielen Freiwilligen, die „Ahoi 4 you“ und das dazugehörige Theaterstück möglich machen. Unter der musikalischen Leitung von Komponist Sasan Azodi sind zum Beispiel Lieder entstanden, die sich sechs verschiedener Sprachen bedienen und damit genau das repräsentieren, wofür das Projekt steht, nämlich interkulturellen Dialog.

Der junge Farhad, bei der Generalprobe noch mit Kappe unterwegs, freut sich schon darauf, diese Lieder am Mittwoch zu singen, vor Publikum aufzutreten und weiteres Lob für sein Schauspieltalent und das seiner Mitstreiter zu bekommen.

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