Aachen - Preisfrage: Museen bald gratis oder teurer?

Preisfrage: Museen bald gratis oder teurer?

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
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Die Eröffnung des Centre Charlemagne im Juni 2014 lieferte den Statistikern ein schönes Bild. Bei vielen anderen Museen der Stadt sehen die Bilanzen ganz anders aus.

Aachen. Beim Blick auf die Besucherzahlen in den Museen könnte manchem Rechenkünstler in der Verwaltung flott schwindelig werden – frei nach dem Motto der Kulturhüter: Auch bei der Betrachtung (der Bilanzen) kommt es stets auf die Sichtweise an.

Fest steht: Die Resonanz auf die Angebote in den kommunalen Kunsthorten ist in den vergangenen Jahren tendenziell weiter leicht gesunken. Nur die Eröffnung des Centre Charlemagne im Juni 2014 und die ebenfalls kostenträchtige Neuaufstellung des Zeitungsmuseums 2011 sowie die Öffnung des Rathauses als Station der Route Charlemagne im Jahr 2008 lieferten auch den Statistikern zuletzt ein vergleichsweise schönes Bild.

Gleichwohl schlägt die Verwaltung nun vor, die Eintrittsentgelte erheblich zu erhöhen. Demnach müsste der Kunstfan als Vollzahler künftig für den Besuch von Wechselausstellungen 10 Euro, für Dauerpräsentationen 8 Euro berappen.

Ende 2015 wurden in den fünf städtischen Häusern (ohne Sonderveranstaltungen und pädagogische Angebote) unterm Strich 88848 Gäste registriert, wenn man das Rathaus einmal außen vor lässt. Allein 40405 Besucher verbuchte dabei das neue Museum am Katschhof, wie aus einer Vorlage für den Kulturausschuss des Rates hervorgeht (Dienstag, 6. September, 17 Uhr, Verwaltungsgebäude Mozartstraße).

Anno 2005 zählten die vormals vier Museen 53.050 Besucher. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 48.443. Klar ist ferner, dass die Stadt sich die Häuser allerhand kosten lässt. Im Ganzen standen am 31. Dezember 2015 Eintrittserlöse in Höhe von knapp 231.000 Euro auf der Haben-Seite. Nach Abzug der Aufwendungen fürs Kassenpersonal (knapp 335.000 Euro) wurde das Stadtsäckel damit unterm Strich um knapp 104.000 Euro leichter.

Derzeit werden in allen Museen grundsätzlich 5 Euro Eintritt fällig. Als Diskussionsgrundlage hat der Kulturbetrieb nun diverse Varianten zur „Neugestaltung“ der Tarife auf Basis der jüngsten Jahresergebnisse geprüft. Dazu gehört auch die Möglichkeit, grundsätzlich freien Eintritt zu gewähren. Die Optionen werden im Folgenden zusammenfassend dargestellt.

Variante 1: Freier Eintritt in allen Häusern.

Vorteile: Damit würden theoretisch knapp 104.000 Euro eingespart. Eine deutliche Steigerung der Besucherzahlen wäre zu erwarten.

Nachteile: Kunstfreunde wären, da auf Kassenpersonal verzichtet würde, weitgehend auf sich allein gestellt. Es gäbe keine Einnahmen aus den Museumsshops, sofern dort ebenfalls kein Personal vorgehalten würde. Und: In der Praxis wäre, wie auch in Variante 2, zu berücksichtigen, dass an den Kassen nach Möglichkeit städtische Angestellte eingesetzt werden. Eine effektive Reduzierung der Kosten erfolgt also nur, solange externe Dienstleister bezahlt werden müssen.

Variante 2: Hier gibt es zwei Vorschläge.

Erstens: Freier Eintritt für Dauerausstellungen, Erhöhung des Entgelts bei Wechselausstellungen auf 8 Euro. Vorteil: Damit könnte per anno sogar ein theoretischer Überschuss von knapp 52.000 Euro erzielt werden.

Zweitens: wie oben, aber ein Tag pro Woche freier Eintritt.

Vorteil: Dies würde ein theoretisches Plus von knapp 27.000 Euro in die Kassen spülen – abzüglich weiterer Kosten für externe Kräfte.

Variante 3: Hier gäbe es ebenfalls zwei Optionen.

Erstens: 5 Euro Eintritt für Dauerausstellungen, 8 Euro bei Wechselausstellungen. Vorteil: Rechnerisch würden die jährlichen Kosten unterm Strich auf rund 42.500 sinken. Nachteil: Noch mehr potenzielle Gäste könnten ausbleiben.

Zweitens: wie oben, aber ein komplett kostenloser Tag pro Woche. Hier müsste die Stadt theoretisch 91.000 Euro draufzahlen.

Variante 4: Auch diese wird vom Kulturbetrieb mit zwei Optionen empfohlen.

Erstens: 10 Euro Eintritt bei Wechsel-, 8 Euro für Dauerausstellungen. Vorteil: Es ergäbe sich im Vergleich zum Abschluss 2015 ein rechnerischer Überschuss von knapp 75.800 Euro.

Zweitens: wie oben, aber ein kostenloser Tag. Vorteil: Immerhin würde ein rechnerisches Plus von 7500 Euro erzielt. Nachteil: Weiter rückläufige Besucherzahlen wären zu erwarten.

Fazit: siehe oben. Die Gesamtlage ist reichlich kompliziert, zumal weitere Varianten natürlich denkbar wären. Die Politiker sind jetzt freilich gehalten, eine Lösung zu finden, die die städtischen Kassen möglichst entlastet, ohne weitere Museumsfans (und womöglich Wähler) zu verprellen.

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