Praxistag: Frauen packen kräftig zu, ohne lange zu reden

Von: Martina Stöhr
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Keine Berührungsängste: Am Schweißgerät bewiesen viele Frauen, dass sie ein geschicktes Händchen haben, wenn es zum Beispiel um schwere Werkstoffe geht. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Ohne Berührungsängste schneidet Svenja Luther mit dem Schneidbrenner ein Herz aus einem Metallstück. Konzentriert folgt sie der vorgezeichneten Linie, ohne sich von den sprühenden Funken beeindrucken zu lassen. „Sie macht das richtig gut“, findet Lehrschweißer Alexander Groten.

Unter seiner Obhut machen Svenja Luther und Heidi Selheim ihre ersten Erfahrungen im Metallbau. „Sie sind wissbegierig und packen ohne langes Gerede an“, sagt der Ausbilder über seine Schützlinge. Dass Frauen in Berufen tätig sind, die als typische Männerberufe gelten, ist auch heute noch eher selten. So hat Groten im Metallbau bislang nur eine einzige Frau kennengelernt. „Die aber macht ihren Job so richtig gut“, sagt er.

Bei einem Praxistag im Bildungszentrum der Handwerkskammer an der Tempelhofer Straße bekamen interessierte Frauen jetzt die Chance, Berufe in den Bereichen Metallbau, Elektronik, Malerhandwerk oder Schweißen kennenzulernen. „Frauen haben solche Berufe selten im Blick, wenn sie sich beruflich orientieren“, sagen die Organisatoren.

Gemeinsam haben die Handwerkskammer Aachen und der Fachausschuss Frau und Arbeit im Frauennetzwerk Aachen Frauen deshalb jetzt einen Einblick in Männerdomänen gewährt. Einen Tag lang ließen diese sich von Ausbildern der Handwerkskammer anleiten und stellten dabei ein Werkstück her. Aus dem Metallherz, dass Svenja Luther gerade ausschneidet, soll später ein Kerzenständer werden.

„Frauen sind umsichtiger“

Auch Franz-Josef Klute ist begeistert von seinen Besucherinnen. Er leitet zwei Frauen im Bereich Elektronik an. „Frauen sind umsichtiger“, sagt er. Und wie gefährlich Strom sein kann, hat Birgit Becker am eigenen Leib erfahren, als jemand im Keller ihres Hauses illegal Strom abzapfen wollte. Daraufhin habe sie in ihrer Wohnung Starkstrom in der Leitung gehabt, mit der Folge, dass ein Haushaltsgerät nach dem anderen durchgebrannt sei. „Seitdem interessiere ich mich für Strom“, sagt sie.

„Ich finde die Metallarbeit toll“, sagt Heidi Selheim. Mit 38 Jahren sei sie aber wohl zu alt für eine Umschulung, deshalb denkt sie daran, sich nebenberuflich weiterzubilden. Ihr ist vor allem die künstlerische Arbeit mit Metall wichtig. Andrea Hilger von der Agentur für Arbeit Aachen-Düren hört mit gespitzten Ohren zu. Als Expertin steht sie zu Verfügung, um die Frauen zu beraten.

Für Miriam Hirtz (34) ist das besonders wichtig. Sie will eine Umschulung machen, weil es als Köchin schwierig sei, die Arbeitszeiten mit ihrer Tochter in Einklang zu bekommen. Ihr gefällt das filigrane Arbeiten mit den Metallstücken und will sie sich über ihre Möglichkeiten in dieser Branche informieren.

Frauen eine Chance geben

„Auch wenn Frauen als Schweißerinnen, Elektronikerinnen, Malerinnen oder Metallbauerinnen bislang noch die Ausnahme sind, muss das ja nicht so bleiben“, ermuntern die Experten die Betriebe, Frauen eine Chance zu geben. Svenja Luther und Heidi Selheim jedenfalls haben ihren Ausbilder überzeugt. „Die beiden bewahren die Ruhe, auch wenn es knallt, wenn es zischt oder wenn es spritzt“, sagt er. Der Schneidbrenner nämlich hat so seine Tücken. Sobald das Herz ausgeschnitten ist und sich vom umgebenden Metall löst, spitzen die Funken, und mit lautem Knall fällt das überflüssige Metall zu Boden.

Laut Andrea Hilger unterliegen die Männerberufe einem Wandel, so dass sie zugänglicher für Frauen werden. Die Organisatoren des Praxistages hoffen jedenfalls, dass die Besucherinnen ihre Erfahrungen an andere Frauen weitergeben. „Damit wäre schon viel erreicht“, sagt Ann-Katrin Steibert vom Frauennetzwerk Aachen. Denn alle gemeinsam wünschen sich, dass Frauen bei der Suche nach der richtigen Ausbildung auch handwerkliche Berufe in den Blick nehmen.

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