Prächtiges Festmahl unter erschwerten Umständen

Von: Robert Esser
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Magische Momente: Die virtuose
Magische Momente: Die virtuose 26-jährige Violinistin Byol Kang und der ebenso junge Pianist Boris Kusnezow bezauberten die Dinnergäste.

Aachen. 3200 Besteckteile, 2800 Teller, 1800 Gläser - dazu 24 Köche, 45 Servicekräfte, ein hochkarätiger Festredner, drei begnadete Musiker und ein phänomenales Vier-Gang-Menü im prächtigsten Saal der Stadt. Solche Superlative liefert nur das Krönungsmahl des Rathausvereins.

263 Gäste sicherten sich am Sonntagabend einen der jeweils 195 Euro teuren Plätze zur neunten Auflage. Insgesamt 800.000 Euro hat der Rathausverein auf diese Weise bereits sammeln können, um das historische Gemäuer bis in die Neuzeit ins rechte Licht zu setzen.

„Vor 491 Jahren tafelte hier der gekrönte Karl V. mit den Großen seines Reiches”, erinnerte Georg Helg die Festgesellschaft des Jahres 2011. Oberbürgermeister Marcel Philipp sprach von einem „wunderbaren gesellschaftlichen Ereignis in wahrhaft historischem Ambiente”. Dazu trugen auch die Rathausgarde, die Öcher Duemjroefe, sowie die Stadtreiter entscheidend bei, die in historischer Montur mit Pferden, Fackeln und funkelnden Hellebarden Spalier standen - ein großartiger Rahmen. Quellenhof-Direktor Walter Hubel, Küchenchef Jeroen Rumpen und ein fast 70-köpfiges Team kochten und kredenzten indes unter schwierigsten Umständen - das Rathaus selbst besitzt keine gastronomische Küche - kolossale Köstlichkeiten.

Dazu hatte Rumpen - unter anderem - eigens drei jeweils 300 Kilogramm schwere Kombidämpfer ins Rathaus wuchten lassen. Gebratenes St-Pierre-Filet mit lauwarmer Champagnervinaigrette und Petersilien-Limonen-Risotto, filigrane Spaghettini mit gebratenen Waldpilzen in Trüffelrahmsauce, ein butterzartes Filetsteak vom französischen Limousin-Rind an Sherry-Sauce sowie ein Dessertteller mit pochierter Williams-Birne auf Blätterteig, Mascarpone-Vanillecreme, Himbeereis und Pistaziengebäck verzückten die Gaumen.

Ebenso virtuosen Ohrenschmaus genossen die Gäste dank der Deutschen Stiftung Musikleben. Die erst 13 Jahre alte Pianistin Johanna Bufler verlieh Felix Mendelssohn Bartholdys „Fantasie fis moll für Klavier solo op. 28” Flügel. Technisch atemberaubend, und dennoch ungeheuer einfühlsam ernteten auch Violinistin Byol Kang (26) und ihr gleichaltriger Pianist Boris Kusnezow mit Werken von Brahms und Saint-Saens tosenden Applaus.

In seinem knapp 30-minütigen Festvortrag beleuchtete der ehemalige israelische Botschafter in Berlin, Avi Primor, den Helg als „brillanten Kopf und kosmopolitischen Juden” ankündigte, die Lage im Nahen Osten. „Frieden im Nahen Osten ist möglich!”, betonte Primor. Die große Mehrheit der Bevölkerung wünsche sich Frieden, und Palästinenser würden wie die arabische Welt Abstand von dem jahrzehntelangen Vorhaben nehmen, den Staat Israel „hinwegzufegen”. Hemmschuh für die Zwei-Staaten-Lösung und nachhaltigen Frieden sei die nach wie vor ungenügende Sicherheitslage. „Wer mit Raketen beschossen wird, fragt nicht mehr nach komplexen politischen Prozessen. Der will, dass das aufhört.”

Nur unter Führung der USA und/oder der Europäischen Union sei der Erfolg des Friedensprozesses zu ermöglichen. Dazu müsse allerdings eine internationale Friedenstruppe vor Ort die Sicherheit der Bevölkerung gewährleisten. Die Frage sei nun nicht mehr ob, sondern wann diese Schritte endgültig zu Frieden führen. Primor zeigte sich entschlossen zuversichtlich, das Publikum spendete lange Applaus.

Über den durften sich auch die zwei Hauptsponsoren freuen, die das neunte Krönungsfestmahl ermöglichten: Pro Idee und Babor, deren Verwaltungsratsvorsitzende Jutta Kleine-Tebbe von ihren Mitarbeitern zudem mit dem Silbernen Teller geehrt wurde. Aber auch der Firma Showlight, die den Krönungssaal in faszinierende Lichtstimmungen tauchte, galt besonderer Dank. So konnten tausende Bestecke, Gläser, Teller, das grandiose Dinner, die Künstler und auch der Festredner glänzen - als jüngster imposanter Superlativ in der rund 600-jährigen Krönungsgeschichte der Kaiserstadt.
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