Aachen - Postzusteller: Auf keinen Fall Beutereiz auslösen

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Postzusteller: Auf keinen Fall Beutereiz auslösen

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Kommt es zu einem Angriff, ist ein Fehler in der Kommunikation vorgekommen: Am Zustellpunkt an der Talbotstraße trainieren die Postbeschäftigten auch kritische Situationen. Foto: Andreas Schmitter
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Wirklich passieren kann hier nichts: Hundetrainer Michael Pfaff zeigt anhand eines Beißkissens aus grobem Stoff, wie man sich richtig verhält. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Er will nur spielen.“ Vielleicht hören Postzusteller diesen Satz öfter, wenn sie versuchen bei Haushalten mit Hunden Briefe und Pakete zuzustellen und ihnen ein laut kläffendes Fell-Etwas entgegen kommt. Sich damit auszukennen, wie Hunde ticken, kann also für einen stressfreien Arbeitstag hilfreich sein.

Die 17 Auszubildenden der Unterstufe des Zustellstützpunktes Aachen wissen nun dank einer professionellen Hundeschulung Bescheid.

Jaqueline und Mogli sind keine Freunde. Die Postzustellerin mit den roten Haaren und der sechsjährige belgische Schäferhund kennen sich nicht. Dennoch geht die junge Frau unerschrocken auf den Hund mit beeindruckendem Gebiss zu. In den Händen hat sie ein Beißkissen aus grobem Stoff, rechts und links sind zwei Griffe dran.

Hält sie es Mogli hin, fixiert der Rüde die „Beute“, nimmt sie es weg und hält dabei beständig Augenkontakt mit dem Tier, beginnt wütendes Gebell. Mogli zerrt an seiner Leine, der Sabber sprüht durch die Luft. Ist das Kissen wieder da, interessiert sich Mogli nur noch dafür.

„Kommt es zu einem Angriff, ist vorher immer ein Fehler in der Kommunikation zwischen Hund und Mensch passiert“, erklärt Hundetrainer Michael Pfaff. Im Umkehrschluss bedeutet das: Weiß der Mensch, wie er die Körpersprache des Hundes deuten muss und welche Signale von ihm selbst ausgehen, ist eine Konfrontation zwischen beiden gut zu vermeiden.

Genau darum geht es bei der Hundeschulung. „Hektische Bewegungen, weglaufen – das löst den Beutereiz aus“, erklärt Pfaff den Azubis. „Durch Augenkontakt fühlt sich das Tier bedroht.“ Was sie im Dienst vermeiden sollten, testen Jaqueline, Marco und Christof bei Mogli und dem zwölfmonatigen Bakuma. „Das Tier reagiert sofort auf das, was ich mache“, stellt Marco anschließend durchaus beeindruckt fest.

Nicht der natürliche Feind

„Der Hund ist nicht der Feind des Postzustellers“, bekräftigt Dieter Pietruck, Presssprecher der Deutschen Post AG. Denn zwar gebe es im Jahr etwa 1700 Beißangriffe und durch Hunde provozierte Unfälle im Rahmen der Postzustellung in Deutschland. „Aber es sind auch täglich 100.000 Zusteller unterwegs.“ Von „erschreckenden Momenten“, wie es Auszubildender Christof nennt, kann aber wohl jeder Post- oder Paketbote berichten.

Deshalb tut die Post AG einiges dafür, Hund und Postbote in friedliche Eintracht zu bringen. Da gibt es die eintägige, Theorie und Praxis umfassende Hundeschulung, die zukünftig alle ersten Ausbildungsjahrgänge in Aachen durchlaufen sollen. Auf Hundemerkkarten werden auffällige Tiere im Zustellbezirk beschrieben – gute Hinweise für Vertretungen.

Im Zweifel geht ein Zusteller auch lieber am Briefkasten vorbei, bevor er sich in unkalkulierbare Gefahr begibt. „Dann melden sich anschließend Qualitätsmanager bei dem Hundebesitzer, um mit ihm Maßnahmen abzustimmen, damit wieder zugestellt werden kann“, berichtet Ausbilder Michael Lövenich. Theoretisch können auch uneinsichtige Hundebesitzer von der Zustellung ausgenommen werden. „Mir ist allerdings kein Fall bekannt“, sagt Pietruck.

Jaqueline, Marco und Christof und ihre Azubi-Kollegen wissen jetzt aber auch, wie sie sich vor einem auf sie zu rennenden Hund schützen können: Einer Jacke, Kappe oder zur Not einem Päckchen oder großformatigen Brief tut ein Biss nicht weh. Arm und Wade bleiben ganz.

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