„Pornokönig“-Erpressung: Mann aus Aachen mit Haft bedroht

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
Symbol Telefon Betrug Hotline Handy Foto: Fredrik von Erichsen/dpa
Ein unbescholtener Aachener wurde von Kriminellen unter Druck gesetzt - jetzt ermittelt die Polizei. Symbolfoto: Fredrik von Erichsen/dpa

Aachen. Der Schock sitzt tief: Als der 77-jährige Hans S. vor wenigen Tagen zu Hause ans Telefon geht, droht offenbar Ungemach – was sich als dreister Erpressungs- beziehungsweise Betrugsversuch entpuppt.

Erst in einem Telefonat, dann in einem Schreiben, angeblich von der türkischen Staatsanwaltschaft, wird dem völlig unbescholtenen Aachener Bürger Dramatisches vorgeworfen: „Bildung terroristischer Vereinigungen laut § 129a StGB“, „massives Betreiben von Geldwäsche“ und „Verbreitung pornografischer Darstellungen unter anderem von minderjährigen Kindern laut § 184StGB“.

Dazu folgender drohender Satz: „Bezugnehmend auf das Aktenzeichen 34556rz/2011-2016 und dazugehörigem Vorgang teilen wir Ihnen hiermit mit, dass das Verfahren gegen Herrn Hans S. am obersten Gerichtshof in Istanbul am 31.05.2017 um 9.30 Uhr eröffnet wird. Der Antrag für einen Haftbefehl wurde im Zuge des neu geänderten Auslieferungsabkommens vom 28.02.2009 von der obersten Staatsanwaltschaft genehmigt und am 30.03.2017 bei der deutschen Regierung eingereicht.“

Hans S. wird vorgeworfen, stellvertretender Geschäftsführer einer Firma zu sein, die mit kinderpornografischem Material gehandelt habe. Und weiter: Der türkische Geheimdienst habe Kontakte zu weiteren Komplizen bewiesen, so die Anschuldigung. Darüber sei angeblich auch das Bundeskriminalamt in Wiesbaden informiert. Einen sofortigen Haftantritt beziehungsweise seine Auslieferung in die Türkei könne „Pornokönig“ Hans S. nur verhindern, indem er augenblicklich eine Kaution in Höhe von 22.000 Euro überweise. Darunter ein amtlich aussehender Stempel plus Unterschrift. „Ich war erst verunsichert, habe dann aber sofort Kontakt zu den Behörden gesucht“, sagt Hans S. im Gespräch mit unserer Zeitung. Wohlgemerkt: nicht zu einer türkischen Behörde, sondern zur deutschen Polizei. Hans S. erstattete Anzeige.

Kein Einzelfall

„Leider ist das kein Einzelfall“, bestätigt Aachens Polizeisprecher Paul Kemen auf AZ-Anfrage. „Immer wieder versuchen Kriminelle – oft aus dem osteuropäischen Raum – mit täuschend echt aussehenden Schreiben an das Geld unbedarfter Mitbürger zu kommen. Natürlich handelt es sich um Betrug, Anzeige ist erstattet, wir ermitteln“, erklärt Kemen. Spezialisten der Polizei versuchen nun, an Absendeadresse und Identität des Urhebers – via Internet und postalisch – zu kommen.

„Erfahrungsgemäß ist das allerdings extrem schwierig, weil die Urheber – die übrigens oft willkürlich aus dem Telefonbuch Deutsche mit augenscheinlich eher älteren Vornamen wie etwa Hans, Wilhelm etc. anrufen und anschreiben – ihre Herkunft einigermaßen clever verschleiern.“ Der Ratschlag des Aachener Polizeisprechers lautet: „Nehmen Sie sofort Kontakt zur Polizei auf, wenn Sie wegen einer Email oder eines Briefs einen Betrugsverdacht hegen. Wir kümmern uns darum. Überweisen Sie auf gar keinen Fall Geld!“

Hans S. hat also alles richtig gemacht – und hofft nun darauf, dass der oder die Übeltäter in seinem Fall doch noch dingfest gemacht werden können – was für die Kriminellen dann wohl durchaus ein Schock sein könnte.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert