Pony-Orakel: Italiener erleben ihr blaues Wunder, Deutschland siegt

Von: Robert Esser
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Die Shetland-Ponys wurden zum wiederholten Mal auf dem CHIO-Gelände ins Rennen um einen Eimer Möhren geschickt. Foto: Michael Jaspers
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Hütet allerlei Fanartikel zur Fußball-EM: Kathrin Lay („Wicky“) erklärt, dass Schminkstifte und Krachmacher wie Megafone der Renner sind. Foto: Michael Jaspers
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Carmelo Licitra glaubt an einen italienischen Sieg. Foto: Michael Jaspers
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Das Team vom Eiscafé Elisenbrunnen hofft auf coole Tore. Foto: Michael Jaspers
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Das EM-Quartier in der Pontstraße rechnet mit einer heißen Party. Foto: Michael Jaspers
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Manche stellen sogar EM-Kerzen auf. Foto: Michael Jaspers
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Fußball ignorieren derweil nur die wenigsten Kneipiers. Foto: Michael Jaspers

Aachen. In Sachen Doppelpass ist der Italiener Profi. „Die alten Hasen machen das Rennen“, sagt Carmelo Licitra. Und meint seine Landsleute aus dem Süden. Der Mann vom Aachener Stadtbetrieb kurvt schon seit Tagen im Azzurri-Trikot im orangen Dienstfahrzeug durchs Städtchen.

Seit 38 Jahren lebt er in der Kaiserstadt, ist mit einer Aachenerin verheiratet, aber: „Beim Fußball bin ich meinem sizilianischen Ursprung verbunden. 3:1 schlägt die italienische Elf die deutsche Nationalmannschaft“, sagt er. Das sei heute sicher. Scusi, Entschuldigung.

Dass da mit dem Italiener die Pferde durchgehen, zeigt der Blick auf das Orakel des Aachen-Laurensberger Rennvereins und unserer Zeitung. Die Shetland-Ponys Pepi (im Deutschland-Dress) und Coca (diesmal im Italien-Dress) wurden zum wiederholten Mal von Laura Mucha, Nicole Kolb und Saskia Stahl-Farrell auf dem CHIO-Gelände ins Rennen um einen Eimer Möhren geschickt.

Und dieses Orakel hat bislang weder in der Vorrunde noch im Achtelfinale auf den falschen Sieger gesetzt. Auch diesmal lässt Pepi seinen Konkurrenten ganz schön alt aussehen – und gewinnt deutlich. So darf sich Aachen also auf schwarz-rot-goldene Feierlichkeiten am heutigen Samstag einstellen. Wer im Rudel den Sieg der deutschen Equipe gucken möchte, ist zum Beispiel vor der Großbildleinwand im Kapuziner Karree, im EM-Fernsehgarten auf dem Bendplatz oder im EM-Quartier entlang der Pont-straße bestens aufgehoben.

„Wir freuen uns auf viele Gäste, natürlich auch Italiener, die gemeinsam mit uns die wunderbare Stimmung und das Spiel genießen“, sagt der Sprecher der Pontviertel-Wirte, Dennis Polychroniou (Café Madrid). Nach dem deutschen Sieg dürfte die Partynacht bis in den frühen Morgen dauern.

Nicht wenige der tausenden Fußballfans dürften königlich amüsiert und mit reichlich Nationalfarben verziert in Karosserie-Polonaisen durch die Kaiserstadt kriechen. Auch dafür gibt‘s Profis: „Die schwarz-rot-goldenen Marker für Wangen und Co. sind der absolute Verkaufsschlager“, erklärt etwa Kathrin Lay („Wicky“).

Die Schminke ist genauso billig wie ein Nationalfarben-Tattoo – das sich übrigens im Notfall auch schnell wieder abkratzen lässt. Die Aachener Fanshops sind jedenfalls zum Viertelfinale noch rappelvoll. Da gibt es Becher, Trikots, Megafone und natürlich Nationalflaggen in allen erdenklichen Größen. „Und es gibt jede Menge Sachen, die richtig Krach machen. Braucht man auf jeden Fall, wenn man heiß auf die EM ist“, sagt Lay.

Eiskalte Leidenschaft

Abkühlung verspricht da vielleicht ein Besuch im italienisches Eiscafé am Elisenbrunnen. Das coole Familienunternehmen von Domenico Pelle (der aber nicht verwandt ist mit dem italienischen Stürmer-Star Graciano Pelle) und Sebastiano Romeo hat eigens zum EM-Viertelfinale Deutschland-Italien einen Eisbecher kreiert – gemeinsam mit den Mitarbeitern Maria-grazia Pelagi, Gioseppe Pelle und Dawiele Cavallaro.

Der Becher ist riesengroß, mit vielen Früchten („Vitamine für die Spieler“), rund wie ein Fußball und natürlich mit reichlich Fanfahnen geschmückt. „Wir schauen das Spiel zusammen mit Gästen im Eiscafé und bei gutem Wetter vor dem Elisenbrunnen“, sagt Pelle. Wer gewinnt, ist für ihn nicht so wichtig. „Hauptsache, es fallen viele Tore; und es bleibt fair und spannend“, sagt er.

So dürften bei trockenem Wetter und zumindest frühlingshaften Temperaturen am Samstagabend ungezählte Fernseher in Aachens City vor Cafés, Restaurants und Kneipen laufen – außer auf der Rennbahn. Gastronom Stephan Kinting hat seine „Grotesque Absinth-Bar“ per unübersehbarem Aushang zur fußballfreien Zone erklärt. Dabei zählte die grüne Wermutsspirituose über Jahrhunderte zu den Nationalgetränken im Austragungsort der Fußball-EM Frankreich. Was soll‘s.

Wer noch eine Engels-Kerze vor dem deutsch-italienischen Spektakel in Bordeaux entzünden will, wird übrigens im Schatten des Aachener Doms fündig. Dort gibt es neben Altar- auch EM-Kerzen. Hier dürfte dann auch dem Öcher Italiener Carmelo Licitra ein Licht aufgehen. „Wenn Italien verliert, bin ich ab sofort für Deutschland“, sagt er. „Ich habe nämlich die doppelte Staatsbürgerschaft.“ Dann rollt die Kugel ohne blaues Wunder weiter. Doppelpass eben.

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