Pontviertel: Wirte organisieren sich im Kampf gegen Saufgelage

Von: Robert Esser
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Offensive gegen Auswüchse im
Offensive gegen Auswüchse im Partyviertel entlang der Pontstraße: Die Wirte (v.l.) Dennis Polychroniou (Café Madrid), Dirk Deutz (Dehoga-Vorsitzender in Aachen) und Kai Keßler (Sowiso) wehren sich gegen den Flaschentourismus auf offener Straße. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Wenn ich sehe, wie sich da eine halbe Generation wegschießt...” - Kai Keßler, der Wirt der Pontviertel-Kneipen Sowiso und Ocean, schüttelt den Kopf. Seit Jahren belasten Sauforgien auf offener Straße und die damit verbundenen Probleme - Lärm, Aggression und Müll - das Image der Pontstraße.

„Das Trinkverhalten der jungen Leute hat sich in den vergangenen Jahren total verändert”, klagt er. Vor allem der Verkauf von billigen, hochprozentigen Alkoholika aus Kiosken und einem Rewe-Supermarkt, der dort bis 24 Uhr geöffnet hat, sorgen für Unruhe auf der Straße - nachdem die Wirte ihre Außengastronomie pünktlich schließen.

Offensives Vorgehen

Gegen den Imageverlust wollen die Gastronomen jetzt offensiv unter Federführung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga)vorgehen. Aachens Dehoga-Chef Dirk Deutz hatte rund 60 Gastronomiebetriebe des Pontviertels zum Gespräch gebeten. Jeder zweite Wirt nahm teil.

„Wir wollen den Flaschentourismus aus der Pontstraße verbannen. Die Probleme entstehen nicht in den gastronomischen Betrieben, sondern vor deren Haustür”, betont Deutz. „Und darauf haben die Wirte keinen Einfluss”, sagt er. Mit Kai Keßler, Norbert Schiewald (Kaktus) und Dennis Polychroniou (Café Madrid und Tangente) wählte man drei Sprecher, die sämtliche Bars, Kneipen, Clubs und Restaurants nach außen vertreten sollen. So wurde der Kontakt mit dem Ordnungsamt bereits intensiviert. „Die stärkere Präsenz von Polizei und Ordnungskräften hat schon seit einigen Wochen spürbar positive Auswirkungen”, erklärt Polychroniou. Die Lage auf der Straße sei weniger aggressiv, wenn Uniformierte sich vor Ort zeigen.

„Wir wollen, dass scharf kontrolliert wird, damit sich die Leute nicht mehr zum Saufen auf der Straße verabreden”, sagt Deutz. Dann würde auch die Bereitschaft der drei Gastronomiebetriebe, die mit „Cocktails to go” zum preiswerten Alkoholverzehr auf offener Straße beitragen, zu einem Verzicht dieser Außer-Haus-Verkäufe steigen.

Ohne Kiosk-Besitzer

Das Dehoga-Angebot zum Gespräch über Maßnahmen zur Aufwertung der Pontstraße haben die Kiosk-Besitzer übrigens ausgeschlagen. Ihre Öffnungszeiten könnten somit erst durch ein von Aachen befürwortetes Ladenschlussgesetz begrenzt werden, dass die Düsseldorfer Landesregierung in Erwägung zieht.

Erfreulich kompromissbereit zeigt sich unterdessen die Rewe-Group, deren Filiale im Pontviertel an lauen Sommerabenden massenhaft Wodka und Co. absetzt. Auf Anfrage der Aachener Zeitung erklärt am Mittwoch ein Sprecher in Köln, dass man schon länger auf ein Gesprächsangebot der Stadt warte. „Selbstverständlich möchten wir zu einer Lösung des Problems und zu einer Beruhigung der Straße beitragen. Vorstellbar wäre, nach 22 Uhr auf den Verkauf hochprozentiger alkoholischer Getränke zu verzichten”, heißt es aus der Rewe-Zentrale.
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