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Pontviertel: Ab 22 Uhr weniger Hochprozentiges

Von: Robert Esser
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Aachen. Da musste so mancher Nachtschwärmer erstmal schlucken - und zwar deutlich weniger Alkohol, als er wollte. Denn dank einer wohl beispiellosen Selbstverpflichtung verkauft die Supermarkt-Kette Rewe in ihren Filialen im Kapuziner Karree und im Pontviertel nach 22 Uhr jetzt keine hochprozentigen Spirituosen mehr.

Spätabends ist alles über 7 Prozent Alkoholgehalt tabu. Konzerneigene Sicherheitskräfte überwachen die Selbstbeschränkung und die - inzwischen hinter Glas verschlossenen - Spirituosen-Regale der beiden Rewe-Märkte. „Das ist ein wichtiger Mosaikstein zur Verbesserung der Situation im Partyviertel entlang der Pontstraße”, sagte Armin Bergstein vom Ordnungsamt am Freitag. „Wir begrüßen das sehr und wünschten uns, dass die Kioskbesitzer nachziehen.”

Weil junge Partyfans in der Vergangenheit vielfach mehr auf der Pontstraße als in den Clubs, Kneipen und Diskotheken entlang der Partymeile feierten - und sich dabei bis Mitternacht und darüber hinaus mit billigem Bier und günstigen Spirituosen aus benachbarten Supermärkten und Kiosken volllaufen ließen - war die Lage dort in der Vergangenheit eskaliert. Alkoholmissbrauch führte vermehrt zu Randale, Lärmbelästigungen und zur Vermüllung des Stadtteils. Nicht nur die ansässigen Gastronomen fürchteten um das Image des traditionsreichen, studentischen Partybezirks.

Vor wenigen Monaten hatten Ordnungsamt und Polizei dann auf Drängen von Anwohnern, Wirten und Politik ihre Präsenz mit uniformierten Kräften im Pontviertel erhöht. „Die positiven Folgen sind seitdem absolut spürbar, es ist auf offener Straße viel ruhiger geworden”, sagt der Sprecher der Interessengemeinschaft der Pontviertel-Wirte, Dennis Polychroniou. „Wer sich lautstark zu später Stunde oder mitten in der Nacht daneben benimmt, wird von den Ordnungskräften angesprochen und ermahnt. Das spricht sich unter den Leuten herum, die dachten, sie könnten hier ungestraft machen, was sie wollen”, erklärt der Wirt des Café Madrid. Und würdigt, dass Rewe nun zugunsten der Nachtruhe im Partyviertel freiwillig auf einige lukrative Umsätze verzichtet.

Die Rewe-Group hatte ihre Kompromissbereitschaft erstmals Mitte Juni 2011 nach einer Anfrage der Aachener Zeitung in Aussicht gestellt. „Es ist wirklich sehr erfreulich, dass Rewe die Problematik erkannt hat und reagiert. Wir sind hier im Pontviertel bei der Bewältigung früherer Auswüchse auf einem wirklich guten Weg - auch wenn immer noch nicht alles perfekt ist”, lobte Gastronomen-Sprecher Polychroniou.

Doch auch in diesen Tagen können Nachtschwärmer außerhalb der lizensierten Gastronomiebetriebe in Massen zu Dumping-Preisen Alkoholika in Dosen und Flaschen erwerben. Ungehindert. Und dies tun sie auch - kisten- wie kastenweise. „Verzehrt” wird dann oft in unmittelbarer Umgebung unter freiem Himmel. Nach Auskunft der Stadtverwaltung laufen diesbezüglich intensive Gespräche mit den Kiosk-Betreibern, die nachts im Akkord als Promille-Tankstellen fungieren. Deren Bereitschaft, auf Geschäftserlöse zu verzichten, tendiere allerdings gen Null, heißt es.

Rechtlich sind der Stadt in Sachen Straßenverkauf seit der landesweiten Liberalisierung der Ladenschlusszeiten die Hände gebunden. Eine Gesetzesinitiative, die den Ladenschluss - und damit nächtlichen Alkoholverkauf in Kiosken etc. - wieder präzisiert, hängt seit geraumer Zeit in der Warteschleife der Düsseldorfer Landesregierung. Und diese Hängepartie müssen Anwohner, Wirte und Ordnungskräfte im Aachener Pontviertel schlucken. Erstmal.
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