Aachen/Freiburg - Pontstraße: Mehr Polizei gegen Alkoholexzesse

Pontstraße: Mehr Polizei gegen Alkoholexzesse

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
Alkohol / Bier
Nach dem Mannheimer Urteil sind auch in Aachen die Chancen auf eine alkoholfreie Pontstraße gesunken. Foto: ddp

Aachen/Freiburg. Aus ganz unterschiedlichen Gründen dürfte derzeit nicht nur in Freiburg Katerstimmung herrschen. Der 27-jährige Jura-Student John Philipp Turn hat am Dienstag das anderthalbjährige Alkoholverbot auf den Straßen und Plätzen seiner Heimatstadt vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim gekippt - und danach sicher einige Jubelgetränke.

Anstößig findet das vor allem Freiburgs grüner Oberbürgermeister, der das Bermudadreieck trockengelegt hatte: „Wir müssen das Urteil zur Kenntnis nehmen und werden entsprechend handeln”, sagte ein zerknirschter Dieter Salomon.

Trotzdem sei die Entscheidung, das örtliche Polizeigesetz zu ändern, richtig gewesen, schob er trotzig hinterher. Aber: Ab sofort darf in Freiburg wieder rund um die Uhr unter freiem Himmel nach Herzenslust gesoffen werden. Und die Stadt stellt sich die bange Frage, ob die Gewaltkriminalität, die zuletzt um 16 Prozent gesunken war, nun wieder nach oben schnellt.

Ganz oben in der Kriminalitätsstatistik Düsseldorfs rangiert die „längste Theke der Welt” in der dortigen Altstadt. Die wollte Polizeipräsident Herbert Schenkelberg wegen der dortigen Dauerrandale nach Freiburger Vorbild alkoholtechnisch zumindest auf offener Straße entschärfen. Jetzt setzt man wieder auf erhöhte Präsenz der Polizeihundertschaften: „Auch nach dieser Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg werden wir an unserem erfolgreichen Konzept "Sichere Altstadt" festhalten”, erklärte er.

Wie man das angesichts von immer mehr Gewalttaten unter Alkoholeinfluss und der über florierende Kioske und Imbissbuden rund um die Uhr verfügbaren Alkoholika anstellen soll, wird nun auch der deutsche Städtetag erneut beraten. „Ich werde das Thema dort einbringen”, sagte Aachens Kämmerin Annekathrin Grehlin. Sie hält „eine Politik der kleinen Schritte” für denkbar. Durchaus denkbar wäre ein Flaschenverbot im Pontviertel, ließ sie wissen.

Ebenso enttäuscht vom Mannheimer Urteil zeigte sich der Chef des Aachener Ordnungsamtes, Detlev Fröhlke: „Der Richterspruch entspricht nicht der Lebenswirklichkeit. Die Gefährdung durch Alkoholmissbrauch wächst”, erklärte er. Und verwies auf die hohen Einsatzzahlen im Pontviertel, aber auch anderen „Problemecken” der Stadt, die erst mit der Liberalisierung der Ladenschlussgesetze so enorm gestiegen seien.

Fröhlke stimmt dem Aachener Vorsitzenden des Hotel- und Gaststättenverbandes, Dirk Deutz, zu, der ebenfalls ein Flaschenverbot auf offener Straße fürs Pontviertel fordert: „Innerhalb der allermeisten Gastronomieobjekte läuft alles reibungslos, die Probleme beginnen vor der Tür.”

Früher seien Alkoholsausen durch die Innenstadt absolut verpönt gewesen, erinnerte Fröhlke. Da lohne durchaus ein Blick über die nahe Grenze: „In Belgien und den Niederlanden sieht man diesen ausufernden Alkoholkonsum auf Straßen und Plätzen außerhalb der gastronomisch konzessionierten Flächen nicht.”

Nach der Sommerpause will der Verwaltungsvorstand um Aachens Oberbürgermeister Jürgen Linden über das geforderte Flaschenverbot für das Pontviertel debattieren - trotz des VGH-Urteils.
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