Pommes und Dosenbier statt Carpaccio und Vino

Von: Robert Esser
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Mehr Fastfood führt langsam z
Mehr Fastfood führt langsam zum Imageproblem: Der Branchen-Mix auf der Pontstraße steht auf der Kippe. Foto: Robert Esser

Aachen. Von der Hand in den Mund leben die Schnellrestaurants. Buchstäblich. Die Pächterwechsel entlang der Pontstraße häufen sich. Gerade erst hat das italienische Restaurant Sardignia die Türen für immer dicht gemacht.

Der letzte Inhaber eröffnet demnächst eine Dönerbude am Hansemannplatz. Und in der Pontstraße zieht ein weiterer China-Imbiss namens „Pont Asia” ein. Von 62 Geschäftslokalen zwischen Templergraben und Ponttor werden 39 gastronomisch genutzt. Dabei gibt es immer weniger Restaurants, dafür mehr Essen und Trinken auf niedrigstem Preisniveau.

„Natürlich ist die Publikumsfrequenz hier Jahr für Jahr gewachsen”, sagt Optikerin Erika Kudzelka vom „Augenzeugen”. „Allerdings gilt das auch für den Dreck und Müll vor der Türe, den wir Tag für Tag entsorgen müssen”, sagt sie. Seit 24 Jahren gibt es den Optiker im Pontviertel.

Und er will auf jeden Fall bleiben. Obwohl viele Einzelhändler warnen: „Wir müssen aufpassen, dass der Branchenmix nicht kippt”, erklärt etwa Frisörmeisterin Benian Gürsoy. Viele Probleme in der Pontstraße - Abfallflut, Lärmbelästigungen und Gewalt - seien hausgemacht. „Weil in Imbissbuden und Kiosken alles immer billiger wird, wird leider auch Publikum gelockt, auf das man verzichten kann”, sagt sie. So wie sie selbst als Handwerksmeisterin auf Qualität schwört, so wünscht sie sich das auch von den anderen Geschäftsleuten. Wünschenswert sei schon, wenn es wieder einige Einzelhändler mehr im Partyviertel gebe.

Doch danach sieht es nicht aus. Zwei Frisöre, zwei Büchereien, ein Schuhmacher, eine Änderungsschneiderei, ein Augenoptiker, ein Reisebüro, ein Kopierservice, eine Boutique, zwei Handy-Läden und eine Filiale der Sparkasse - der Rest des Angebots dreht sich zumindest zum Teil um Speis und Trank. Das gilt vor allem für die Kioske. Traditionsreich - wie die italienische Trattoria „Sole Mio”, die „Molkerei”, „Tangente” oder das griechische Lokal „Pallas” - ist natürlich keiner der neuen Ramschläden. Da geht es mehr ums schnelle Geld mit billigen Alkoholika, die das Partyvolk dann hemmungslos auf offener Straße herunterkippt.

Bis das Image des Pontviertels genauso bergab geht. So droht der Flanier- und Partymeile das Prädikat Ballermann. Dem stemmt sich die Stadt entgegen. Doch Vorgaben zum Branchen-Mix und zur Nutzung der Geschäftslokale sind nach Paragraf 9 des Baugesetzbuches nur bei Flächen ab 800 Quadratmetern möglich. Also setzt man jetzt - bevor das Land NRW die Aachener Initiative zur Beschränkung der Ladenöffnungszeiten für Kioske an Wochenenden von 6 bis 22 Uhr in diesem Sommer umsetzen könnte - auf die Ordnungsmacht.

Mit 20 Kräften will das Ordnungsamt am Wochenende bis 3.15 Uhr nachts verstärkt das Pontviertel bestreifen. „Die Auswüchse können wir nicht mehr dulden”, sagt Ordnungsamtschef Detlev Fröhlke. Die Polizei will mit 14 Beamten vor Ort sein. Denn die Selbstverpflichtung der Wirte, auf „Cocktails to go” - das betrifft in erster Linie „Sowiso”, „Vielharmonie” und „Kaktus” - zu verzichten, verstrich fruchtlos. Überall fliegen die leeren Becher rum. Und die Randale auf offener Straße hält an.

Das bedauert auch Gino Longo, der die Pontstraße mit seinem „Sole Mio” vor 30 Jahren belebte. „Heute kommen die Studenten von früher, weil die Qualität immer noch stimmt”, sagt er. Und hofft, dass sich sein System letztlich durchsetzt. Bevor neue Kioske und Imbissbuden die Pontstraßen-Pioniere und Einzelhändler in die Flucht schlagen. Denn das dürfte keinem schmecken.
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