Polizistenjagd: „Neue Dimension erreicht“

Von: Oliver Schmetz
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Kriminalitätsbrennpunkt Elsassplatz: Vorigen Donnerstag wurde hier ein Polizist gejagt und mit dem Tode bedroht. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Ein Streifenpolizist wird von einer zehn- bis 15-köpfigen Bande über den Elsassplatz und durch die Schleswigstraße gejagt und mit dem Tode bedroht, die Verstärkung – etwa 15 Beamte – räumt kurz darauf vor einer aufgebrachten 50- bis 60-köpfigen Menge das Feld – die Vorfälle im Ostviertel vom vergangenen Donnerstagabend haben in der ganzen Stadt für Aufsehen gesorgt und Empörung ausgelöst.

 Etliche Anrufe und Zuschriften erreichten die Lokalredaktion, auch im Internet wurde der AZ-Bericht vom Samstag intensiv diskutiert und kommentiert. Und viele Leser schütteln den Kopf darüber, dass die Polizei bei der Suche nach einem per Haftbefehl gesuchten Straftäter in der oben beschriebenen Situation zurückgewichen ist. Von einem „Offenbarungseid“ und einem „Totalversagen der Polizei“ sprechen da manche.

Mit einem umfangreichen Fragenkatalog der AZ konfrontiert, räumt die Polizei zwar ein, dass „das, was am Donnerstag geschehen ist, eine neue Dimension erreicht hat“. Aber den Vorwurf des Versagens oder der Untätigkeit weist Polizeisprecher Paul Kemen „entschieden“ zurück: „Der betroffene Beamte und die nachher eingesetzten Kollegen haben sich trotz der brenzligen Situation nicht von ihren Emotionen leiten lassen, sondern sehr umsichtig gehandelt.“ Es sei nicht eindeutig erkennbar gewesen, wie viele Unbeteiligte sich unter die Gruppe gemischt hätten, aus der sich einige aggressiv gegenüber den Beamten gezeigt hätten. Deshalb und wegen „des Aufkommens unbeteiligter Passanten in der belebten Elsassstraße“ habe man von weiteren Maßnahmen Abstand genommen. „Polizeiliche Maßnahmen darf man nicht ohne Rücksicht auf Verluste durchführen“, sagt Polizeisprecher Kemen: „Das ist umsichtige Polizeiarbeit.“

Gleichwohl spricht die Polizei im Zusammenhang mit dem Fall von einer „Gruppen-, ja Gangbildung“; die Gruppe, der die Polizisten gegenüberstanden, habe „überwiegend aus Jugendlichen, nahezu ausnahmslos mit Migrationshintergrund“, bestanden. Gegen diese „Gangbildung“ wolle man nun „alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, aber nicht jeden unter Generalverdacht stellen“.

Obwohl die Polizei mit Blick auf die Polizistenjagd vom vergangenen Donnerstag „von einer noch nicht dagewesenen Dimension“ spricht, stellt sie ihr Konzept der Kriminalitätsbekämpfung im „Brennpunkt Ostviertel“ nicht infrage. „Das Konzept ist nicht gescheitert, aber so wie es aussieht, muss es wieder stark intensiviert werden“, sagt Kemen. Zwar sei man „eigentlich stets dort präsent“, überprüfe und kontrolliere, nehme Drogendealer fest, schnappe Gesuchte, weswegen die Menschen dort auch „nicht schutzlos“ seien. Aber ein solcher Vorfall „veranlasst uns zu neuem Handeln“, kündigt der Polizeisprecher an. Man werde alles daran setzen, keine rechtsfreien Räume entstehen zu lassen.

Deshalb werde man nun die Präsenz vor Ort verstärken, wozu aber nicht zwangsläufig eine Polizeiwache am Elsassplatz – wie von manchen Bürgern gefordert – nötig sei. Und dass im Internet bereits mancher von Bürgerwehren im Ostviertel schwadroniert, kommentiert Kemen mit der Warnung davor, Selbstjustiz zu üben oder sich selbst in Gefahr zu bringen. Vielmehr sollten die Bürger mit der Polizei Kontakt aufnehmen, wenn sie Verdächtiges beobachten.

Kontakt mit der Stadt hat die Polizei nach der jüngsten Eskalation noch nicht aufgenommen. „Was am Donnerstag geschehen ist, ist ausschließlich ein Polizeithema“, sagt Kemen. Und Polizeipräsident Klaus Oelze, der derzeit in Urlaub weilt, lasse sich über die Entwicklung auf dem Laufenden halten.

Bei der Stadt, wo OB Marcel Philipp ebenfalls im Urlaub ist, verweist man auf das „Gewaltmonopol“ der Polizei, die man nur unterstützen könne, wie Dezernent Dr. Lothar Barth erklärt. Den Vorfall wolle man mit der Polizei analysieren und Konsequenzen ziehen, denn „so etwas darf nicht noch einmal passieren“.

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