Polizist Oliver Schmitt bringt nicht nur die Verbrecher zum Singen

Von: Marie Eckert
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Tagsüber auf Verbrecherjagd, abends das Mikro in der Hand: Kriminalhauptkommissar Oliver Schmitt geht all seine Aufgaben mit jeder Menge Leidenschaft an. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Oliver Schmitt ist seit 25 Jahren Polizist – und noch viel länger schon ein Sänger. In frühester Kindheit fing er damit an, besuchte später die Polizeischule – inzwischen ist er Kriminalhauptkommissar – und kann seit einigen Jahren beide Passionen miteinander verknüpfen.

Im AZ-Samstagsinterview erzählt der „singende Kommissar“, wie es dazu kam, wer sein Idol ist und ob er etwas anders machen würde, wenn er heute noch einmal über seine Karriere entscheiden müsste.

Hauptberuflich bringen Sie Verbrecher zum Singen – wie kommt es, dass Sie selbst auch ein leidenschaftlicher Sänger sind?

Schmitt: Ich singe eigentlich schon immer, ich komme auch aus einer sehr kreativen Familie. Mit vier Jahren habe ich „Theo, wir fahr‘n nach Lodz“ gesungen und die Nachbarn beglückt. Im Schultheater war ich dann eher als Schauspieler unterwegs, aber später habe ich bei Auftritten mit einer Coverband erste Bühnenerfahrungen gesammelt. Ein einschneidendes Erlebnis war für mich der Eintritt in den Kirchenchor. Dort habe ich eine professionelle Stimmausbildung bekommen und war insgesamt acht Jahre dort. In der Zwischenzeit war ich auch im Ensemble des Musicals „Gaudi“ in Alsdorf. Ich habe dort gemeinsam mit meiner Schwester, die schon im Ensemble war, ein Benefizkonzert gespielt und wurde daraufhin engagiert. Das war eine tolle Sache für meine Bühnenerfahrung.

Und wie sind Sie dann zur Polizei gekommen?

Schmitt: Mein Bruder ist zwar auch bei der Polizei, aber das war nicht ausschlaggebend. Ich wollte etwas Handfestes machen und irgendwann wusste ich einfach, dass ich das machen und den Test probieren will. Ich bin dann den ganz normalen Weg gegangen, Polizeischule, Streifendienst und seit 13 Jahren bin ich nun bei der Kriminalpolizei. Die Ausbildung war wirklich sehr wichtig für mich. Während der Polizeischule war ich morgens in der Schule, abends bei Proben vom Musical-Ensemble, aber später in der Ausbildung kam Schichtdienst dazu und dann habe ich mit der Musik pausiert. Auch Singen ist eine sportliche Aufgabe und das ging zu dem Zeitpunkt dann einfach nicht mehr. Ich bin ein sehr stringenter Mensch und bin nicht damit zufrieden, etwas nur semi-professionell zu machen.

Inzwischen sind Sie aber wieder als Sänger aktiv.

Schmitt: Ja, als ich wieder geregeltere Bürozeiten hatte, habe ich wieder angefangen, in Bands zu spielen. Nach dem Wechsel zur Kripo hatte ich dann wirklich feste Zeiten und bin seitdem auch in meiner Band HSO, einer Bigband. Dort habe ich gelernt, gegen Posaunen und Trompeten anzusingen – einfach super! Mit der Band sind wir hier in der Region unterwegs und spielen auf Galas, Hochzeiten und anderen Veranstaltungen. Einmal im Jahr sind wir auch auf Tour in Südafrika – das hat sich durch Bekanntschaften ergeben und inzwischen sind wir auch schon bekannt dort. Außerdem bin ich bei der Musical Stage Group. Das ist ein Zusammenschluss von Sängern, der deutschlandweit sozusagen ein Medley aus den berühmten Musicals spielt, zum Beispiel vom Phantom der Oper oder Grease.

Haben Sie ein Idol?

Schmitt: Udo Jürgens. Ich mag auch gerne die alten Swing-Sänger, Frank Sinatra oder Tom Jones zum Beispiel oder auch Robbie Williams. Swing singe ich am liebsten, als Solo-Künstler sowie mit Band.

Seit wann können Sie Ihre beiden Berufungen – Musik und Polizei – miteinander verbinden?

Schmitt: 2010 habe ich zusammen mit meiner Band den Tag der Polizei in NRW musikalisch begleitet. Außerdem bin ich schon seit Beginn bei den Adventskonzerten der Aachener Polizei als Sänger dabei. Bei der Mullefluppet-Preisverleihung an den Polizeisprecher Paul Kemen stand ich auch auf der Bühne – seitdem habe ich auch den Spitznamen „Singender Kommissar“. Seit 2013 bin ich mit dem Landespolizeiorchester zusammen auf Großveranstaltungen unterwegs. Da hatte ich schon Auftritte vor 12 000 Menschen in der Lanxess-Arena, zum Beispiel bei Vereidigungen oder Gedenkfeiern. Es ist für mich ein großes Glück, dass ich so die Polizei vertreten darf.

Was ist für Sie das Besondere bei den Auftritten?

Schmitt: Die Leute auf den Konzerten kennen mich oft gar nicht, ich muss dann erst mal zeigen, dass da etwas von mir kommt, dass ich das wirklich kann. Außerdem hat sich mein gesamtes polizeiliches Leben durch den Gesang verändert – da kommen Kollegen aus dem ganzen Land und mögen meinen Gesang. Es ist einfach ein tolles Gefühl, wenn ich singe und Leute kommen, um das zu hören. Und ich sag ja immer: Wenn man seine Eltern begeistern kann, kann es nicht so falsch sein. (lacht)

Und was ist besser – Singen oder Ermitteln?

Schmitt: Das kann ich so absolut nicht sagen. Ich bin mindestens genauso gern bei der Polizei wie ich singe. Man kann das nicht vergleichen – beides erfüllt mich und es ist für mich ein großes Glück, dass das so verschmilzt. Ich lebe darin, was ich tue, völlig auf und hoffe, ich kann das bis an mein Lebensende weitermachen.

Haben Sie nie daran gedacht, hauptberuflicher Sänger zu werden?

Schmitt: Doch, aber ich wollte dann lieber Polizist werden. Wie gesagt – ich finde es toll, auf der einen Seite Kommissar zu sein und auf der anderen Seite singen zu können. Ich habe mich auch nie gefragt, was gewesen wäre wenn… Ich bin absolut zufrieden so und hätte rückblickend nichts anders gemacht, für mich ist alles gut so, wie es ist. Nach den Auftritten bin ich mitunter beschwingt und wenn ich dann am nächsten Tag wieder im Büro sitze, ganz normal, dann erdet mich das total. Ich hoffe, das kann ich noch viele Jahre machen. Außerdem bin ich in der glücklichen Lage, frei darüber entscheiden zu können, auf welchen Veranstaltungen ich singe – das Singen ist schließlich nicht mein Beruf.

Wie meistern Sie den Spagat zwischen Entertainer und Ermittler?

Schmitt: Das kommt mit der Erfahrung. Die Bühne ist eine andere Welt, man ist ein ganz anderer Mensch. Immerhin hatte ich in der Lanxess-Arena schon mal dieselbe Garderobe wie Madonna! (lacht) Umschalten kann ich aber schon – im Büro bin ich kein Sänger, sondern Polizist.

Was ist Ihr Ziel?

Schmitt: Ich möchte die Polizei vertreten, zeigen, was ich gelernt habe, Gefühle hervorrufen durch meinen Gesang und gucken, wo ich momentan stehe und wie ich meinen Gesang noch verbessern kann.

Das klingt etwas selbstkritisch…

Schmitt: Ja, ich bin kein Freund von nachträglichen Lobeshymnen, das ist mir unangenehm. Ich sehe mich selbst meistens kritisch. Nach den Auftritten ziehe ich mich deswegen auch schnell zurück. Es geht mir nicht um Bekanntheit, ich spiele genauso gern vor zehn wie vor 10 000 Leuten. Wobei ich bei nur 10 Leuten vielleicht sogar nervöser wäre. (lacht)

Sie sind Kriminalhauptkommissar – ist das so spannend, wie man sich das anhand von Tatort und Co. vorstellen würde?

Schmitt: Es gibt natürlich einen Alltag, was so das Grundlegende betrifft. Ich kümmere mich um Eigentumsdelikte – von der Strafanzeige bis zur Abgabe an die Staatsanwaltschaft. Neben den alltäglichen Sachen machen wir hier die klassische Ermittlerarbeit, die man so kennt und mit allem, was dazugehört, also auch Hausdurchsuchungen und Vernehmungen.

Insgesamt aber weniger kreativ als das Singen, oder?

Schmitt: Jede Kreativität fängt mit Wissen an, bei der Polizei sind das eben die Gesetze und Grundlagen. Die verschiedenen Strategien, wie man an Fälle herangeht oder auch wie man verhört – das ist schon kreativ. Unser Ziel ist es, Straftaten aufzudecken und wir gucken, was gibt es für Möglichkeiten, was könnte man noch fragen, macht es Sinn, die Nachbarn zu befragen? Dafür braucht es Kreativität.

Sie haben es am Anfang angesprochen: Sie sind schon von Anfang an beim Adventskonzert der Aachener Polizei dabei, dieses Jahr zum sechsten Mal. Was erwartet die Gäste?

Schmitt: Gerade weil ich schon immer dabei bin, ist das Adventskonzert eine Herzensangelegenheit für mich. In erster Linie sollen Menschen, die Hilfe brauchen, die Möglichkeit bekommen, etwas Unterhaltung von uns zu bekommen. Wir wollen zeigen, dass die Polizei für jeden in der Gesellschaft da ist. Es wird natürlich Musik geben und es lohnt sich wirklich, dort hinzugehen. Das Konzert ist besinnlich, draußen ist der Weihnachtsmarkt, drinnen der wunderschöne Krönungssaal, und es herrscht eine seltene Ruhe. Der Erlös ist für den guten Zweck – eine wirklich tolle Sache.

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