Aachen - Polizeieinsatz am Bahnhof: Rätsel um verschwundene Akten

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Polizeieinsatz am Bahnhof: Rätsel um verschwundene Akten

Von: Wolfgang Schumacher
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„Mich fesseln sie und im Ostviertel laufen sie weg“: Die Angeklagte Schmitz-Kück zum Verhalten der Polizei Foto: Ralf Roeger

Aachen. Mit Tränen in den Augen akzeptierte Doris Schmitz-Kück am Mittwoch vor Amtsrichterin Andrea Rösch, dass das Verfahren gegen sie vorerst wohl kein Ende findet. Dies, weil wesentliche Teile einer Akte auf wundersame Weise verschwunden sind, wie die Richterin erstaunt bei der Vernehmung eines internen Ermittlers feststellte.

Die Vorgeschichte: Die Betreiberin des Hotels am Bahnhof war infolge eines von ihr offensichtlich überhaupt nicht verschuldeten Vorfalls vor dem Obdachlosenheim in der Bahnhofstraße im Juli 2012 „überfallartig“, wie ein Zeuge berichtete, in Handschellen gelegt und gewaltsam im Streifenwagen abtransportiert worden. Am Elisenbrunnen ließ man sie mit schmerzenden Handgelenken und blauen Flecken wieder frei. Seit August muss sich die Hoteliersfrau nun aber wegen „falscher Beschuldigung“ von Polizeibeamtinnen verantworten – oder einen Strafbefehl über 4800 Euro zahlen.

Gestern beschrieb ein Zeuge, der Rentner Anton L. (76), wie surreal besagte Festnahme vonstatten gegangen sei. Er habe als Passant Lärm gehört, sagte er. Kein Wunder, aus dem Obdachlosenhaus warf ein Betrunkener Gegenstände aus dem Fenster, unten schauten Menschen zu. Er habe sich neben die Beschuldigte gestellt. Sein Bericht: „Die Leute schimpften. Der da oben am Fenster trank Bier und machte einfach weiter. Zwei junge Polizistinnen saßen im Wagen und sahen dabei zu – tatenlos.“ Anstatt dem Mann das Handwerk zu legen, seien sie plötzlich auf die Hotelbesitzerin zugestürzt.

Zuvor, hatte Schmitz-Kück nach eigenem Bekunden die Beamtinnen aufgefordert, etwas „für ihr Steuergeld“ zu tun. Wegen des Übergriffs erhob sie Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Polizistinnen.

Doch die Behörde reagierte prompt ihrerseits mit einer Anzeige. Mit Erstaunen nahm das Gericht dabei nun zur Kenntnis, dass der Polizeizeuge, der interne Ermittler Alfred W. (50), zugab, dass in den dem Gericht vorliegenden Prozessakten mindestens drei Seiten der ursprünglichen Anzeige gegen die Hoteliersfrau fehlen. Wo sind die denn jetzt, fragte sich Richterin Rösch. Hat sie etwa jemand absichtlich verschwinden lassen, fragten sich dagegen die Zuschauer. Das Verfahren geht am 27. November ab 14.15 Uhr im Justizzentrum weiter.

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