Polizei-Hundertschaft für den Öcher Bend

Von: Robert Esser
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Bescheidene Präsentation: 200 Bürger kamen zum Info-Abend der Bezirksregierung. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Weder Lagepläne noch Fotos der Zeltstadt, verbindliche Zeitpläne oder Infobroschüren gab es gestern Abend im Audimax für knapp 200 interessierte Bürger bei der gut zweistündigen Info-Veranstaltung der Bezirksregierung Köln zur neuen Notunterkunft für bis zu 1000 Flüchtlinge am Aachener Westbahnhof.

Stattdessen zeichneten die zuständige Hauptdezernentin der Bezirksregierung, Felia Hörr, und die Betreuer des Deutschen Roten Kreuzes ein geradezu rosiges Bild – man habe anderswo mit kleineren und ähnlichen Notunterkünften nur positive Erfahrungen gemacht. Alles diene zur Entlastung der Stadt, zum Beispiel der überstrapazierten Turnhallen, unterstrich Hörr mehrfach.

„Die Arbeit macht unheimlich viel Spaß, die Menschen sind sehr dankbar“, erklärte DRK-Mitarbeiterin Gisela Bosle. Nach Karneval, am 15. Februar, sollen die ersten Flüchtlinge in die 13 Leichtbauhallen auf dem 20.000 Quadratmeter großen Gelände direkt neben dem Bendplatz einziehen – vier Zelte sind 70 Meter lang.

35 DRK-Kräfte versorgen die Flüchtlinge im Schichtdienst – mit Mahlzeiten, medizinischer Hilfe, Freizeitangeboten, und sie organisieren täglich von 9 bis 12 sowie 14 bis 16 Uhr Kinderbetreuung. Ein Wachdienst bewacht das eingezäunte Areal rund um die Uhr, die Polizei will verstärkt Streife fahren – vor allem zum Schutz der Flüchtlinge.

Die Flüchtlinge, die sich bis zu ihrer Weiterverteilung auf die Kommunen bis zu acht Wochen in der Notunterkunft aufhalten sollen, stammten erfahrungsgemäß zu zwei Dritteln aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Vor allem bei Syrern sei der Anteil der Familien mit Kindern hoch, ansonsten erwarte man einen höheren Anteil von Männern, räumte Hörr ein.

Wie lange die Notunterkunft das künftige Campus-Gelände belegen werde? „Mindestens ein Jahr“, sagte die Vertreterin der Bezirksregierung – je nach politischer Lage aber auch deutlich länger.

Viele Fragen der Bürger drehten sich – nicht überraschend – um das Thema Sicherheit. Dies auch hinsichtlich des Kulturschocks, der bei Flüchtlingen angesichts des benachbarten Bendbetriebes zu befürchten sei. Hier bekräftigte Wilhelm Sauer, Leiter der Kriminalinspektion 1, dass man die Sorgen ernst nehme.

„Beim Öcher Bend wird die Hundertschaft drübermarschieren“, kündigte er an. Und beschwichtigte sogleich: „Man will Schutz, aber keine Festung. Keiner will durch eine Polizeikette aufs Karussell gehen.“ Genauso eindringlich warnte der Aachener Polizist vor pauschalen Vorverurteilungen: „Wir kriegen hier weder Gefährder noch Straftäter – wir kriegen Menschen.“

Das gab Applaus – obwohl offenbar viele Veranstaltungsbesucher Sauers Einschätzung, es gebe keineswegs überdurchschnittlich viele Polizeieinsätze oder Straftaten rund um Flüchtlingsunterkünfte, nicht teilten. Mehrere Studenten schilderten, sie hätten im Umfeld andere Beobachtungen gemacht.

Die Aachener Stadtdirektorin Annekathrin Grehling verwies darauf, dass die Ordnungsbehörden – gerade im Hinblick auf die neue Situation am Westbahnhof – eng zusammenarbeiteten.

Einige Bürger fragten, wie man sich in der Notunterkunft ehrenamtlich enagieren könne. Das DRK erklärte, man suche vor allem Personal für Deutschkurse – und ermunterte zur Kontaktaufnahme. Sachspenden wie Kleidung möge man aber bitte keinesfalls an der Notunterkunft, sondern in DRK-Sammelstellen abgeben – etwa in der Robensstraße 20.

Viele Besucher zogen ein positives Resümee des reichlich improvisiert wirkenden Info-Abends. Gleichwohl dürften nicht wenige die Sorgen des SPD-Vorsitzenden im Bezirk Ponttor, Andor Schmitz, teilen. Er warnte vor „Ghettobildung“. Und diese sei auf dem Gelände am Westbahnhof „sehr wohl zu befürchten“, erklärte er. Wichtig sei der Dialog mit den Bürgern.

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