Politischer Aschermittwoch: CDU klagt über NRW und lobt Gauck

Von: Robert Esser
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Politischer Aschermittwoch der
Politischer Aschermittwoch der Aachener CDU in Brand (v.l.): Iris Lürken, Herbert Hilgers, Rudolf Henke, Meike Schlick, Harald Baal und Parteivorsitzender Armin Foto: Kurt Bauer

Aachen. Was für ein Bild! Bunte Plastikfische baumeln von der Saaldecke im Restaurant Königs. Darunter tauchen CDU Aachen und Brand tief in die großen Fragen der Landes- und Weltpolitik ein.

Traditionell übt man sich beim „Politischen Aschermittwoch” im Blick über den Tellerrand. Und während rund 90 Parteifreunde ihr Besteck in Hering „Hausfrauenart” oder Seezunge „Müllerin” klimpern lassen, singt CDU-Kreisparteichef Armin Laschet das hohe Lied auf die Kanzlerin: „Gabriel, Steinmeier und Steinbrück haben nicht das Format von Angela Merkel”, sagt er. „Deswegen ist es klug, dass die SPD keinen Wahlkampf gegen die Kanzlerin führen will.”

Merkel führe Deutschland sicher und souverän durch die Krise, und auch die Umfragewerte der Union seien schon auf 38 Prozent gewachsen - weit vor den Sozialdemokraten. Man bewältige die Wirtschaftskrise vorbildlich: „Wir haben die geringste Arbeitslosenquote seit der Wiedervereinigung. Es geht uns viel besser als anderen.”

„Schuldenkönigin Kraft”

Laschet spricht von Haushaltssanierung, prangert die gigantische Überschuldung in den USA an - und stellt NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ein katastrophales Zeugnis aus: „Sie hat sich den Titel Schuldenkönigin redlich verdient!” Applaus. Nordrhein-Westfalen versündige sich an kommenden Generationen. Dabei vernachlässige die Landesregierung sträflich entscheidende Herausforderungen. Die Hochschulen seien auf den Ansturm des doppelten Abi-Jahrgangs bei Aussetzung der Wehrpflicht überhaupt nicht vorbereitet. Stattdessen reguliere man den Ladenschluss, verschärfe das Nichtraucherschutzgesetz.

„Abgetrennte Raucherbereiche in Gaststätten stören keinen Menschen. Die Wirte haben viel dafür investiert”, wirbt der CDU-Politiker um Toleranz. „Wir brauchen keine rot-grüne Umerziehung. Der Bürger will nicht bevormundet werden”, kritisiert der CDU-Chef das NRW-Kabinett. Dann wirbt er um frühkindliche Bildung. „38 Prozent der Kinder haben hier eine Zuwanderungsgeschichte”, rechnet Laschet vor. Und fügt hinzu: „Wir können es uns nicht leisten, dass zehn Prozent ohne Schulabschluss direkt in Hartz IV landen.”

Für den designierten Bundespräsidenten Joachim Gauck findet Laschet nur lobende Worte. Weil dieser das Streben nach Freiheit wieder ins Bewusstsein hole. „In Syrien sterben dafür Menschen, und hier gehen die Leute nicht mal zur Wahl!”, empört er sich.

Kraft, Merkel, Finanzkrise, Syrien: Von Aachen und der Städteregion ist beim „Politischen Aschermittwoch” höchstens am Rande die Rede. Die Arbeit von OB Marcel Philipp (CDU) wird von den Rednern völlig ignoriert. Nur der CDU-Ratsfraktion gilt ausdrücklich Lob. Das übernimmt der Vorsitzende des Brander Stadtbezirksverbandes, Herbert Hilgers. Aber dann widmet auch er sich der Bedeutung Europas, dem überschwänglichen Lob für Merkel, dem Kampf gegen Rechtsradikalismus.

Hilgers erwähnt noch, dass die Brander CDU 15 Prozent Mitgliederzuwachs verzeichne, dass Marktplatz-Umbau und Sporthalle nun endlich in Angriff genommen werden. Zur geplanten Stadtbahn indes bleibt der Brander diplomatisch. Er freue ich auf die kommenden Info-Veranstaltungen, sagt er.

Seitenhiebe auf politische Gegner? Klare Worte zu Alemannia, Kaiserplatz-Galerie, Campus etc.? Fehlanzeige. Da fischt die CDU Aschermittwoch im Trüben.
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