Aachen - Politischer Aschermittwoch bei CDU und SPD

Politischer Aschermittwoch bei CDU und SPD

Von: Matthias Hinrichs und Albrecht Peltzer
Letzte Aktualisierung:
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Mit Matjes gestärkt in die Zukunft: Gastgeber Herbert Hilgers von der CDU Brand mit Ratsherr Wolfgang Königs, OB-Kandidat Marcel Philipp, Ratsfrau Iris Lürken, Fraktionschef Harald Baal, Parteichef Armin Laschet und Helmut Etschenberg, dem Kandidaten für das Spitzenamt in der Städteregion (v.l.). Foto: Bauer

Aachen. Traditionen wollen gepflegt werden. Das ist im Karneval so, das ist am Aschermittwoch nicht anders. Mit Fisch und Polit-Talk, die CDU zu Gast im Brander Restaurant Königs, die SPD im Jakobshof.

Und doch ist diesmal eine andere Stimmung zu spüren, aufgekratzter, brisanter, spannungsgeladener. Der politische Aschermittwoch von Christdemokraten und Genossen steht ganz im Zeichen des Superwahljahres 2009 und neuer politischer Strukturen. Wir-Gefühl ist angesagt, die Städteregion lässt grüßen.

Dass das bisweilen noch mit Startschwierigkeiten verbunden ist, verwundert wenig. Beispiel? An der Theke des Jakobshofs stehen zwei altgediente Genossen. „Wer ist denn der Lange da vorn?”, fragt der eine.

„Keine Ahnung, aus dem Kreis wahrscheinlich”, lautet die mit Schulterzucken garnierte Antwort. Und auch bei der Frage nach dem Alter des Kreiskandidaten für den Bundestag Martin Peters darf noch an Präzision gearbeitet werden.

„Mitte 30, schätze ich.” - „Nein, garantiert jünger, so viel ich weiß...” Anlaufschwierigkeiten. Der Jakobshof jedenfalls ist bis zum letzten Platz gefüllt, als Ulla Schmidt die Genossen aus Stadt und Kreis begrüßt.

Die schafft schon einmal Fakten und begrüßt den „neuen Oberbürgermeister von Aachen”, Karl Schultheis, und den „Städteregionspräsidenten” Uwe Zink.

Das Wir-Gefühl: Peters, Zink und Schultheis spielen rhetorisch gekonnt auf dieser Klaviatur. Es ist ein klares Bekenntnis zur Zusammenarbeit.

Wohl wissend, dass diese Städteregion noch viel Anschub braucht - nicht nur, was das innerparteiliche Kennenlernen angeht. Peters freut sich schon auf die „Fahrgemeinschaft mit Ulla nach Berlin”, sieht die SPD - die 2004 bei der Europawahl in Aachen auf 21 Prozent absackte - auch beim Urnengang am 7. Juni vorne: „Wir zeigen die bessere Perspektive für Europa auf.”

Vielleicht ist manchmal auch etwas Nachhilfe nötig. Uwe Zink spürt, dass das Thema Städteregion in Aachen mitunter stiefmütterlich behandelt wird.

Dass dieser Zusammenschluss aber auch das Oberzentrum prägen wird, darauf macht der Spitzenkandidat der SPD in Stadt und Kreis mit Nachdruck aufmerksam und appelliert an eine „Fokussierung auf die gemeinsamen Themen”.

Natürlich ist der neue Termin für die Kommunalwahl ebenfalls Thema. Von „neuerlicher Trickserei der Landesregierung” spricht Karl Schultheis. Von „Geldverschwendung” ist die Rede. „Mit den Zusatzkosten von 250.000 Euro hätten wir viel Gutes tun können.” Schultheis sieht SPD und Grüne klar vorne.

„Hervorragende Voraussetzungen” für die Entwicklung der Stadt habe man geschaffen. Die „notwendigen Aufgaben erledigen und neue Perspektiven für die Zukunft schaffen” sei Anforderung an die Politik.

„Politiker sollen auch das tun, was sie versprechen”, sagt der OB-Kandidat. Die SPD-Themen für diesen Wahlkampf sind gesetzt: Bildung für alle, lebenslanges Lernen, Chancengleichheit sind drei Schwerpunkte.

Aachen als soziale Stadt ein weiterer, die Stadtentwicklung - Stichwort Campus - und die künftige Verkehrspolitik - Stichwort kostenloser Busverkehr in der City - werden für Diskussionsstoff sorgen. „Wir haben die Antworten”, sagt Schultheis. Und nach dem Reden kommt Fisch mit Bratkartoffeln. Tradition.

Erfolgsmodell in Neuauflage

Bevor das Angeln nach Wählerstimmen in die ganz heiße Phase geht, ist auch die CDU bei Matjes und Co. um Antworten keinesfalls verlegen.

Mit Parteichef Armin Laschet liefert der Brander Vorsitzende Herbert Hilgers die ersten beim Rundumschlag zwischen Perspektiven für den Stadtteil und globalen Umwälzungen: „Wohlstand muss immer das Ergebnis harter Arbeit sein.”

Dies habe das jüngste Finanzdesaster mit Macht vor Augen geführt: „Die soziale Marktwirtschaft - ein Erfolgsmodell der CDU - ist aktueller denn je!”

Mehr als ein Appetitanreger für die Partei- und Fischfreunde: OB-Kandidat Marcel Philipp jedenfalls nimmt Hilgers´ Attacken gegen verantwortungslose Milliardenjongleure als Steilvorlage. „Wir fordern: keine Bankgeschäfte außerhalb der Bilanzen, keine Geschäfte ohne Eigenkapital, keine Leerverkäufe an der Börse. Wir wenden uns gegen diese Zockerei.”

Aber: „Wir haben mit dem Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft alle Chancen, einen echten Neuaufschwung zu schaffen.” Hiobsbotschaften wie das Aus für 350 Arbeitsplätze bei Gates zeigten, dass die Förderung mittelständischer Firmen, die von jeher in der Region verankert seien, intensiver vorangetrieben werden müsse. „Wenn wir Stellen sichern und schaffen wollen, gibt es aber nur einen Weg: Aachen muss wachsen.

Beim Campus stellen wir alle Signale auf Grün - aber wir dürfen die Interessen der Bürger im Umfeld nicht aus den Augen verlieren.” Schon heute sei bei nüchterner Prüfung klar, dass ein großer, visionärer Wurf für den Verkehr her müsse.

„Es gibt Lösungen für eine Hochbahn, die das TH-Zentrum mit Westbahnhof und Klinikum verbindet.” Eine Vernetzung im Zuge der Schaffung einer leichteren schienengebundenen Bahn Richtung Würselen biete sich mit Perspektive auf die Städteregion regelrecht an. Die SPD müsse von ihren Plänen für eine Euregio-Bahn über die Jülicher Straße endlich Abschied nehmen: „Diese Technik ist nicht mehr zeitgemäß - da rappeln die Gläser im Schrank.”

Kurzum: Zukunftsweisende Konzepte habe eben nur die CDU im Gepäck Ñ wie nicht zuletzt die höchst erfolgreichen Weichenstellungen von Parteichef und NRW-Minister Armin Laschet in Sachen Bildung und Betreuung bewiesen hätten. Eine „glänzende Bilanz” könne die Landesregierung vorweisen. Dazu gehöre der Beschluss, die Städteregion als Modell fürs Zusammenwachsen innerhalb Europas auf den Weg zu bringen, unterstrich Philipps potenzielles politisches Pendant Helmut Etschenberg, Kandidat für den ersten Städteregionsrat. „Wir stehen für Wahrheiten - anders als manche Märchenerzähler anderer Parteien. Deshalb müssen wir die Zeit jetzt nutzen, um hinaus zu gehen zu den Bürgern und sie davon zu überzeugen, dass die kleine Revolution von unten sich für sie lohnen wird.”

Etschenberg: „Ich bin sicher: Wir stehen vor einer neuen Ära mit Herausforderungen für die Spitzenvertreter der Politik in der Region. Deshalb brauchen wir einen Mann wie Marcel Philipp im Aachener Rathaus. Persönlichkeit und wirtschaftliche Kompetenz sind jetzt mehr gefragt denn je.”
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