Politiker stärker mit Problemen von Langzeitarbeitslosen konfrontieren

Von: Peter Schopp
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Aachen. „Arbeitslosigkeit macht krank“ oder „Ich habe alles verloren. Familie, Freunde, Geld… und mich selber“! Plakativ hängen Gefühle und Gedanken der von Langzeitarbeitslosigkeit betroffenen Menschen auf Blätter geschrieben an der Wand. Die Verantwortlichen von Pro Arbeit haben die stellvertretende Bundestagspräsidentin Ulla Schmidt eingeladen, um sie ins Gespräch mit Teilnehmern an Projekten des Verbandes zu bringen.

Dieselbe Gelegenheit wird in den nächsten Wochen Vertretern aller Parteien in der Region gegeben, um sie für das Problem Langzeitarbeitslosigkeit zu sensibilisieren und bestenfalls politische Unterstützung zu erhalten.

Peter Brendel und Kay Hohmann von Pro Arbeit wissen um die Problematik der „Projekteritis“, wie sie es nennen. Zeitlich und finanziell begrenzte Projekte, in denen die Betroffenen immer wieder vermeintlich vorbereitet werden auf ein künftiges Arbeitsverhältnis, sind der Sache in ihren Augen nicht wirklich dienlich. „Langfristigkeit und Verbindlichkeit sind unabdingbar, wenn es darum geht, Menschen wieder bereit für den ersten Arbeitsmarkt zu machen“, sieht Brendel ein Kernproblem.

Kontinuierliche Betreuung der Menschen in Anlehnung an ihr Interesse und ihre Fähigkeiten bei gleichzeitiger fachlicher und gegebenenfalls auch psychologischer Begleitung sind seiner Meinung nach die beste Grundlage dafür, ihnen eine würdigere Zukunft zu ermöglichen. Denn eines ist allen Beteiligten klar: Die Lebenssituation von Langzeitarbeitslosen ist sehr belastend und führt nicht selten zu psychischen Krankheitsbildern. Minderwertigkeitsgefühl, verlorener Lebensmut und Hoffnungslosigkeit bestimmen den Alltag, obwohl der Wille zu arbeiten da ist.

Für Schmidt bleibt nur eine Konsequenz: „Wir müssen einen sozialen Arbeitsmarkt gesetzlich etablieren, die Menschen müssen verlässlich in die Situation gebracht werden, für sich selber wieder sorgen und am ,normalen‘ Leben wieder teilhaben zu können.“ Sie sollen in einem sozialen Arbeitsmarkt schrittweise wieder an den Arbeitsalltag herangeführt und auf ein selbstständiges Leben vorbereitet werden.

„Dadurch erlangen die Betroffenen ihre Würde zurück, gleichzeitig werden durch deren Teilhabe am Arbeitsleben Kosten reduziert“, rechnet Hohmann hoch. Denn eines ist auch klar: Wer seine Selbstachtung wiedererlangt, braucht vielleicht keine Tabletten mehr, um morgens aus dem Bett zu kommen und den Tag durchzustehen. Dies beschrieb eine der Gesprächsteilnehmerinnen sehr genau. „Es ist etwas anderes, ob man eine Bestätigung über finanzielle Unterstützung bekommt oder eine Gehaltsabrechnung in Händen hält“, weiß Brendel. „Hätten wir vor ein paar Jahren den sozialen Arbeitsmarkt etabliert, könnten wir heute erste Früchte ernten.“ An der Wand hängt noch ein Blatt mit der Aufschrift: „100 Kurzmaßnahmen, 100 Neuanfänge, 0 Perspektiven“! Das soll sich ändern.

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