Aachen - Politiker, Planer und der „Puff“

Politiker, Planer und der „Puff“

Von: oliver Schmetz
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Seit Jahrzehnten in der Diskussion: Aachens Rotlichtmeile in der Antoniusstraße. Politik und Planer wollen den Sperrbezirk dort nun ausdehnen und die Prostitution in einem Laufhaus konzentrieren. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Politik, die Planer und der „Puff“ – in Aachen hat diese Konstellation längst das Zeug zur unendlichen Geschichte. Seit Jahrzehnten schon wird immer wieder darüber diskutiert, ob und wie man die Prostitution in Aachens Rotlichtmeile Antoniusstraße einengen oder vielleicht sogar auslagern kann, um ein heruntergekommenes Innenstadtquartier aus der Schmuddelecke zu holen.

Allen Versuchen gemein war eines: weitgehende Erfolglosigkeit. Die Bordellbetriebe im „Sträßchen“ namens Antoniusstraße gibt es nach wie vor – weil es nie gelang, eine drastische Veränderung politisch durchzusetzen, behördlich genehmigen zu lassen und juristisch abzusichern.

Den Konsens aufgekündigt?

Insofern schien Konsens darüber zu herrschen, dass man im „Altstadtquartier Büchel“ auch einen Platz in Form eines Laufhauses fürs Rotlichtmilieu finden muss, wenn man das Viertel im Zuge eines städtebaulichen Wettbewerbs kräftig aufmöbeln will. Das glaubte jedenfalls offensichtlich eine große Mehrheit im Aachener Stadtrat – bis die FDP in dieser Woche wie berichtet eine Auslagerung des Rotlichtbereichs in einen Außenbezirk der Stadt forderte.

Vehement und beileibe nicht zum ersten Mal kritisierten die Freidemokraten, dass man nun in erstklassiger Innenstadtlage „einen Puff hinstellen will“ und dass die Stadt mit Bordellbetreibern über städtebauliche Fragen im Herzen Aachens verhandele. So werde es, meinen die Liberalen, ganz bestimmt nichts mit der Aufwertung des Quartiers.

Für dieses vermeintliche Abweichen von der Konsenslinie setzte es nun im städtischen Planungsausschuss ein paar verbale Ohrfeigen für den FDP-Fraktionschef Wilhelm Helg, wobei dieser noch einmal kräftig nachlegte und den Befürwortern eines Bordellstandorts in der Antoniusstraße „Sozialromantik“ unterstellte. Dass die soziale Sicherheit für die Prostituierten dort höher sei, sei ein „Märchen“, so Helg.

„Unseriöse Politik“

Während der Ausschussvorsitzende Harald Baal (CDU) Helg darauf hinwies, dass die Entscheidung für das Laufhaus vor der Ausschreibung des städtebaulichen Wettbewerbs getroffen worden sei – und im Übrigen mit den Stimmen der FDP –, attestierte Norbert Plum (SPD) den Liberalen eine „unseriöse Politk“. Es sei „keine verantwortungsvolle Politik, bei solch einem schwierigen Thema kurz vor Toresschluss Sand ins Getriebe zu schmeißen“. Außerdem sei auch der mit zahlreichen Expertinnen besetzte runde Tisch zum Thema Prostitution in Aachen der Meinung, dass der Standort in der Antoniusstraße der beste sei, so Plum: „Nur eine einzige Fraktion verschließt davor die Augen, und das ist die FDP.“

Klar dürfte allerdings auch jedem Politiker in Aachen sein, dass es mit dem fast einstimmigen Beschluss, die Realisierung eines Laufhauses zu den wichtigen städtebaulichen Zielen im Altstadtquartier Büchel zu zählen (nur Helg stimmte dagegen), alleine nicht getan ist. Denn zur Idee einer Konzentration des Rotlichtmilieus in einem Laufhaus gehört auch, den Sperrbezirk weiter auszudehnen und so die Bordellbetriebe aus den übrigen Bereichen der Antoniusstraße zu verdrängen.

Darüber verhandelt die Verwaltung derzeit mit Bordellbetreibern und Grundstücksbesitzern, dazu steht man auch in Kontakt mit der Bezirksregierung. Nicht von ungefähr drängte Alexander Gilson (CDU) darauf, das Vorhaben auch juristisch wasserdicht zu machen. Und Plum appellierte an die Planer, „rechtzeitig mit der Bezirksregierung zu klären, ob das, was wir vorhaben, auch genehmigt wird“.

Vermutlich wissen beide noch, wie der letzte Versuch ausging. 2009 hatte der damalige OB Jürgen Linden eine Halbierung der Rotlichtmeile angekündigt. 2011 erklärte die Bezirksregierung dazu auf AZ-Anfrage, dass man dies dann genehmige, wenn vorher am Büchel umgebaut werde: „Erst wenn die städtebauliche Aufwertung – etwa durch neue Geschäfte oder Wohnungen für Familien – realisiert ist, kann der Sperrbezirk ausgeweitet werden, weil dies dann dem Jugendschutz dient und die öffentliche Sicherheit und Ordnung fördert.“

Diese Aufwertung will man rund um den Büchel nun wieder erreichen. Allerdings betont die Verwaltung, dass das Laufhaus „zwingend als erster Bauabschnitt“ errichtet werden müsse, um die Grundlage für eine städtebauliche Neuordnung zu schaffen. Wie das zusammenpasst, werden die kommenden Monate zeigen. Klar scheint nur: In der Geschichte „Die Politik, die Planer und der Puff“ ist das letzte Kapitel noch lange nicht geschrieben.

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