Aachen - Politik will Theater-Budget nicht antasten

Politik will Theater-Budget nicht antasten

Von: Matthias Hinrichs
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Müßiggang und Luxus? Allenfalls als Bühnenillusion, wie hier bei „Falstaff”. Längst stoße das Theater in Sachen Geldmittel und Personal an die Grenzen, sagt die SPD und will den jüngsten Sparcoup der Verwaltung keinesfalls akzeptieren. CDU und Grüne widersprechen nicht. Foto: Carl Brunn

Aachen. Großes Haus, was nun? Der Gedanke dürfte manchem Chefstrategen im Theater Aachen in einigermaßen verzweifelter Anlehnung an die aktuelle Fallada-Inszenierung durch den Kopf geschossen sein.

Spätestens seit klar wurde, dass die städtische Kämmerei dem Kunsthort eine weitere Daumenschraube verpassen will - finanzieller Art, versteht sich. Aber: Rettung scheint von politischer Seite zu nahen - zumindest in diesem konkreten Fall.

Höchst überrascht vom Vorstoß der Etatwächter zeigte sich am Mittwoch die SPD. Die Verwaltung nämlich will die jüngsten Tarifsteigerungen für die rund 300 Mitarbeiter nicht im Budget des Theaters ausgleichen. Im Ganzen würde damit ein Loch von rund einer halben Million Euro in den gerade vorgelegten Wirtschaftsplan gerissen. „Damit hat sie die gemeinsame Geschäftsgrundlage schlicht verlassen”, zürnte SPD-Ratsherr Karl Schultheis.

Immerhin habe der Rat bereits 1996 fraktionsübergreifend beschlossen, dass auf höheren Ebenen festgezurrte Personalkostenzuwächse in den städtischen Eigenbetrieben durch den allgemeinen Haushalt aufgefangen werden müssten, betonten auch die Ratsleute Claus Haase und Sibylle Reuß.

Nun aber würde das Prinzip der Gleichbehandlung verletzt. Und: Die Maßnahme konterkariere alle vollmundigen Beteuerungen, den Kultur- und Bildungsstandort Aachen zu stärken. Schultheis: „Wenn wir Projekte wie den RWTH-Campus wollen, müssen wir auch für entsprechende Rahmenbedingungen sorgen.”

Unbestritten sei schließlich, „dass das Theater hervorragende Arbeit leistet und derzeit gut ausgelastet ist”, bekräftigt Sibylle Reuß. Und dies, obwohl das Haus bereits seit Jahren erhebliche Konsolidierungsbeiträge geleistet habe, für die kommende Saison eine weitere Produktion aus dem Spielplan gestrichen und auch das Marketingbudget jetzt auf die Hälfte eingeschmolzen worden sei. Kurzum: „Wir erwarten von der Ratsmehrheit, dass sie sich an die Vereinbarungen hält.”

Ebendies zeichnet sich im Vorfeld ab. Heute soll der neue Wirtschaftsplan des Theaters im zuständigen Betriebsausschuss des Rates abgesegnet werden (17 Uhr, Spiegelfoyer) - ohne weitere Einsparungen und inklusive des obligaten städtischen Zuschusses über rund 15 Millionen Euro.

„Wir werden die zusätzlichen Personalkosten draufsatteln müssen”, erklärte Hubert Bruynswyck, CDU-Ratsherr und Vorsitzender des Ausschusses. Aber: „Wir werden nicht umhinkommen, über weitere Sparmaßnahmen zu diskutieren.” Ähnlich formulierte es Hermann Josef Pilgram, Finanz- und Kulturexperte der Grünen. „In seiner jetzigen Struktur kann das Theater diese Tariferhöhung nun einmal nicht stemmen.”
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