Aachen - Politik will am Büchel wieder „mehr Dampf reinbringen“

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Politik will am Büchel wieder „mehr Dampf reinbringen“

Von: Oliver Schmetz
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Ewiger Abrisskandidat? Die große Mehrheit der Politik fordert nun, dass die Stadt den Wettbewerb zur Überplanung des Parkhauses Büchel selbst in die Hand nimmt – und auch bezahlt. Foto: Michael Jaspers
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Sie wollen, dass sich am Büchel etwas bewegt: Marc Beus (Linke, von links), Norbert Plum (SPD), Sebastian Breuer (Grüne), Marc Teuku (Piraten) und Alexander Gilson (CDU) beauftragen die Verwaltung, den Wettbewerb für das Parkhaus anzupacken. Foto: Harald Krömer

Aachen. Ein altes Parkhaus, das sich seit vielen Jahren standhaft allen Abrissankündigungen widersetzt, ein großer städtebaulicher Entwurf, der bereits vor zweieinhalb Jahren vorgestellt wurde, ein politischer Beschluss für einen Architektenwettbewerb, der auch schon wieder ein Jahr alt ist – und von all den schönen Plänen sieht man vor Ort nichts.

Wo einmal ein lebendiges Altstadtquartier Büchel entstehen soll, bröckeln immer noch stinkende Parkpaletten vor sich hin, sprießen im Umfeld der Rotlichtmeile Antoniusstraße Leerstände und Schmuddelecken. Wenn es in der Aachener Innenstadt eine prominente Stätte des Stillstands gibt, dann diese. Und das geht nicht nur vielen Bürgern gegen den Strich, sondern auch den Politikern – zumal diese, wie Norbert Plum beklagt, in diesem Trauerspiel in der öffentlichen Wahrnehmung oft die Rolle der „Deppen“ bekleiden.

100.000 bis 150.000 Euro Kosten

Und da schließlich keiner Lust habe, sich alle halbe Jahre von den Medien durchs Dorf treiben zu lassen, will der planungspolitische Sprecher der SPD mit seinen Kollegen von CDU, Grünen, Linkspartei und Piraten nun „ein bisschen mehr Dampf in die Entwicklung am Büchel reinbringen“. Die fünf Ratsfraktionen – die FDP ist nicht mit von der Partie, weil sie als einzige Fraktion für sie Auslagerung der Bordelle votiert – beauftragen die Verwaltung nun per gemeinsamem Ratsantrag, die Sache mit dem Hochbauwettbewerb für das Parkhausgelände selbst in die Hand zu nehmen.

Die Stadt soll diesen Architektenwettbewerb, der laut politischem Beschluss vom Mai 2017 bei der Umsetzung der Büchelpläne einen ersten Schritt darstellen soll, vorbereiten, ausloben und umsetzen. Und damit auch bezahlen, wie Plum und seine Ratskollegen Alexander Gilson (CDU), Sebastian Breuer (Grüne), Marc Beus (Linke) und Marc Teuku (Piraten) auf Nachfrage einräumen. Für den städtischen Haushalt würde dies, so schätzen die Politiker, auf eine zusätzliche Belastung von 100.000 bis 150.000 Euro hinauslaufen.

Ursprünglich war das anders geplant. Denn eigentlich sollte der Wettbewerb von der Verwaltung in enger Abstimmung mit den beiden Hauptinvestoren Norbert Hermanns und Gerd Sauren, denen das Parkhausgrundstück gehört, vorbereitet werden – und von Letzteren bezahlt werden. Doch im Zuge der öffentlichen Auseinandersetzung um die Frage einer Auslagerung der Bordelle zwischen Oberbürgermeister, Polizeipräsident, Investoren und Politik hat auch die Zusammenarbeit gelitten. Man könnte auch sagen: Über Monate herrschte offenbar Funkstille, weswegen man am Büchel wieder einmal nicht so recht vorankam.

„Die Gesamtarbeit am Projekt ist etwas zum Erliegen gekommen“, formuliert Plum es noch recht freundlich, die Investoren seien wohl „verstimmt“, sagt Teuku. Zumal auch eine Lösung des großen Problems der künftigen Erschließung der Bordelle in der Antoniusstraße – die Investoren wünschen eine möglichst starke Abschottung vom Wohnviertel, die Polizei aus Sicherheitsgründen eine möglichst hohe Durchlässigkeit – noch nicht in Sicht zu sein scheint. „Wir werden die Belange des Polizeipräsidenten nicht wegdrücken“, sagt Plum dazu nur. Konkretes sei aber auch wegen offener Grundstücksfragen noch nicht spruchreif.

Gleichwohl wollen die fünf Fraktionen mit ihrer Initiative nun ein Zeichen setzen, dass sich am Büchel doch etwas bewegt – und mit diesem Signal will man nicht nur die Bürger, sondern auch die Investoren erreichen. Dass die Stadt nun den Wettbewerb in die Hand nehmen soll, um Baurecht zu schaffen, sei auch ein Appell an die Eigentümer der Grundstücke, dort auch zu bauen, sagt Beus: „Und wer nicht bauen will, soll verkaufen.“ Christdemokrat Gilson betont derweil, dass die vielen Akteure, die in das komplizierte Planverfahren zum Großprojekt Büchel eingebunden sind, „sich an einigen Stellen wieder näherkommen“ müssten, und setzt dabei auf den Vorstoß der fünf Fraktionen. Die Kosten sieht er jedenfalls nicht als Problem: „Wenn das alle wieder an einen Tisch bringt, ist das gut angelegtes Geld.“

Es ist weiter Geduld gefragt

Denn ohne die Investoren – so viel ist allen klar – macht das Ganze keinen Sinn. Doch auch wenn nun tatsächlich ins Großprojekt wieder „Dampf reinkommt“, ist rund um den Büchel weiterhin Geduld gefragt. Denn auch so ein Wettbewerb braucht Zeit. „Man muss so ehrlich sein“, sagt Gilson, „dass das jetzt nicht heißt, dass in 18 Monaten das Parkhaus abgerissen werden soll.“

 

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