Aachen - Politik will alte Bordelle sanieren lassen

Politik will alte Bordelle sanieren lassen

Von: Robert Esser
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Vorstoß nach jahrelangem Stil
Vorstoß nach jahrelangem Stillstand: (v.r.) Dr. Lisa Lassay (Grüne), Ellen Begolli (Die Linke), Daniela Lucke (SPD), Maria Drews (CDU) und Loni Finken vom städtischen Gleichstellungsbüro wollen in der Antoniusstraße aufräumen - zum Wohl der Prostituierten. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Ob das horizontale Gewerbe jetzt den Aufstand probt? Die Frage drängt sich angesichts eines parteiübergreifenden Vorstoßes im Rotlichtbezirk auf. CDU, SPD, Grüne und Linke wollen jetzt ein „Handlungskonzept Antoniusstraße” auf den Weg bringen.

Das Konzept soll die Bordellbetreiber dazu bringen, „Mindeststandards bezüglich Hygiene, baulicher Standards, Sicherheit und Arbeitsrecht für die dort tätigen Frauen beziehungsweise die Kunden zu installieren und einzuhalten”, heißt es in einem gemeinsamen Ratsantrag. Wie sich die Politik das vorstellt, haben Vertreterinnen der vier Fraktionen am Mittwoch vor Ort erläutert.

„Wir wollen die Antoniusstraße als Bordellstraße erhalten”, beendete CDU-Ratsfrau Maria Drews Spekulationen um eine Auslagerung des horizontalen Gewerbes auf die grüne Wiese. Allerdings soll der Bordellbetrieb von der Nikolausstraße aus um etwa die Hälfte des „Sträßchens” gekürzt werden. Um weiterhin genügend Arbeitsplätze für die rund 150 Prostituierten zu bieten, will man auf einer Brachfläche den Neubau eines „Laufhauses” - also eines modernen Stundenhotels - erlauben. Ein Investor wird gesucht.

Im Fokus der Politikerinnen liegt vor allem die Verbesserung der Lebenssituation der Frauen. Sanitäre Anlagen müssten saniert, die teils schmuddeligen Etablissements überholt werden. „Deswegen sollen die Betriebe angemeldet und nach der Gaststättenverordnung konzessioniert werden”, erläuterte Ellen Begolli, die Fraktionsgeschäftsführerin der Linken. Dann könnte im Rahmen der strengen gesetzlichen Vorgaben deren Einhaltung von den Behörden - von der Bauaufsicht bis zum Ordnungsamt - kontrolliert und durchgesetzt werden. Bislang ist dies angeblich nicht möglich, weil die Bordelle „als gewerbliche Zimmervermietung firmieren” und deswegen nur lasche Vorschriften befolgt werden müssen. Allerdings hat die Idee der Konzessionierung einen Haken: „Man kann die Betreiber der Bordelle nicht zu einer Konzessionierung nach der Gaststättenverordnung zwingen; das ist freiwillig”, räumte Dr. Lisa Lassay, die sozialpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, ein. Warum die Bordellbetreiber trotzdem ein Interesse an jener Konzessionierung haben sollten, begründet Lassay so: „Wer nicht konzessioniert ist, wird ständig von den Behörden kontrolliert werden - auf Einhaltung der Fluchtwege, auf Dosenpfand und vieles mehr”, sagte sie. Auch SPD-Fraktionsgeschäftsführerin Daniela Lucke glaubt, dass man über diese „Drangsalierung” effizient Druck auf die Betreiber ausüben werde.

Loni Finken vom Gleichstellungsbüro der Stadt unterstützt den Plan der Politikerinnen. Danach sollen zudem nur noch Frauen mit nachvollziehbarem Aufenthaltsstatus beschäftigt werden, die ihr Gewerbe anmelden, nachweisbar Steuern zahlen und einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsvertrag vorweisen. Damit könne Aachen zunehmender Zwangsprostitution, steigender Kriminalität und menschenunwürdigen Bedingungen in der Antoniusstraße - im Schulterschluss mit der Polizei - erfolgreich begegnen, hieß es. Was unterm Strich vom Konzept übrig bleibt, werden die nächsten Monate zeigen.
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