Aachen - Pokerturnierserie gastiert im Aachener Casino

Pokerturnierserie gastiert im Aachener Casino

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
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Kopfhörer, Sonnenbrille, legere Klamotten: Hunderte Spieler pokern im Lenné-Pavillon des Spielcasinos um 370.000 Euro. Foto: Michael Jaspers
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Umzug zum Tivoli, Modernisierung des Automatenspielparks, Neuaufbau der Spielbank im Kurhaus: Auf Direktor Thomas Salinger (48) warten 2015 große Herausforderungen.

Aachen. Es klackert wie beim Wühlen in zig Legokisten. Als wär‘s ein Kinderspiel, hier 370.000 Euro abzuräumen. So hoch ist das Gesamtpreisgeld der bestdotierten Pokerturnierserie Deutschlands, die am Sonntag erstmals im Lenné-Pavillon des Aachener Spielcasinos ihren Sieger kürt.

Der thront dann auf einem Berg von Jetons, die über 40 Stunden lang auf 30 Pokertischen durch ungezählte Finger gechipt wurden. Allein er – Frauen sieht man unter den knapp 400 Teilnehmern kaum – kassiert genau 105.000 Euro.

Casino-Direktor Thomas Salinger darf die Ausrichtung der Westspiel-Finalrunde als großartigen Erfolg werten. Denn für den ältesten Casino-Standort von Westspiel steht hier in der Kaiserstadt noch viel mehr auf dem Spiel. Übernächstes Jahr könnte die Spielbank an der Monheimsallee 40. Geburtstag feiern. Doch schon vorher geht hier nichts mehr – „Rien ne va plus“. Weil das betagte Kurhaus, in dem der in punkto Besucherschwund und Einspielertrag seit Jahren vom Pech verfolgte Glückstempel beheimatet ist, nun dringend saniert werden soll, müssen alle Poker- und Roulettetische ausziehen.

Fest steht aber laut Salinger: Der mit Stadt und Alemannia vereinbarte Umzug auf 1800 Quadratmeter des Businessbereiches im neuen Tivoli verzögert sich. Dabei will die Stadt dort im Januar mit entsprechenden Umbauarbeiten – etwa im Foyer – starten. „Es müssen noch einige Punkte vertraglich fixiert werden. Es geht um die genauen Modalitäten zu Auszug und natürlich Wiedereinzug an der Monheimsallee“, erklärt Salinger. Er will nach der auf zwei Jahre und rund 20 Millionen Euro kalkulierten Umbauphase Roulette, Poker und Automatenspiel wieder unter dem Kurhausdach vereinen – auf kleinerer Fläche. Wohlgemerkt: Die Sanierung finanziert die öffentliche Hand.

Schon zum Interimsstandort Tivoli sollen die Glücksspielautomaten des Casinos aus dem Zweitsitz Kapuziner Karree herangekarrt werden. Und nicht nur das: „Wir werden unseren Maschinenpark auf den modernsten Stand bringen“, kündigt der Direktor an. Die Parallelen zum Fußball liegen auf der Hand. Aachen soll aufsteigen, oben mitspielen. „Wir zählen derzeit noch 90.000 Besucher pro Jahr. Im Tivoli sollen es mehr werden“, verbreitet Salinger Zuversicht. Irgendwann im ersten Halbjahr 2015 muss der Casino-Umzug mit derzeit 130 Mitarbeitern den Betreiber Westspiel wieder in die Gewinnzone führen.

Gerade für das Comeback an der Monheimsallee gilt: „Der Standort ist einzigartig, keine Frage. Aber wir benötigen auch gehobene Gas-tronomie und attraktive Nachbarn – wie etwa ein Varieté-Theater – unter diesem Dach“, stellt Salinger fest. Nur mit mehr Publikumsverkehr durch weitere Anziehungskräfte im Kurhaus sei der Standort für Westspiel lukrativ, heißt es. Allerdings sind konkrete Partner bei der „Bespielung“ des neues Kurhauses nicht in Sicht. Die Stadt hüllt sich – noch – in Schweigen.

Apropos: Fast wortlos laufen auch die Spiele rund um den Jackpot der 9. Westspiel-Pokertour (WSPT). Auf dem klackernden Geräuschteppich scheiden Stunde um Stunde, Runde um Runde immer mehr aus. Für 1000 Euro durfte jeder beim „Texas Hold‘em ohne Limit“ einsteigen. Smoking oder Anzug tragen hier nur „Dealer“, die Kartengeber. Und die meisten Spieler verbergen mehr als ihre Karten. Augen versteckt man hinter Sonnenbrillen, Ohren unter Kopfhörern. Musik statt Chip-Geklacker. Statt Krawatten hängen sich einige Handtücher um den Hals. Alkohol ist tabu, Schweiß fließt trotzdem. Sweatshirts – gerne mit über Kopf gezogenen Kapuzen – dominieren die Mode an den Pokertischen.

Wer räumt ab, wer blufft? „Hier wird hochkonzentriert tagelang gepokert, dazu braucht man viel Ausdauer und Geduld“, sagt Salinger. Alles kein Kinderspiel. Er weiß, wovon er spricht.

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