Poetisches Stück mit Brisanz: Theaterschule zeigt „Kasimir und Karoline“

Von: Eva Onkels
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Wird von den Mitgliedern der Theaterschule inszeniert: „Kasimir und Karoline“ von Ödön Horvath. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit und Beziehungsprobleme, dazu eine aufgeheizte politische Stimmung, die in einer großen Katastrophe enden könnte. Moderner könnte ein Theaterstück kaum sein – dabei ist „Kasimir und Karoline“ von Ödön Horvath rund 85 Jahre alt. 1932 war die Uraufführung des Stückes, das Roman Kohnle als „poetisches Volksstück“ bezeichnet.

Kohnle ist Regisseur der neuen Produktion „Kasimir und Karoline“ der Theaterschule Aachen für Schauspiel, Regie und Musical.

Das Stück erzählt die Geschichte von Kasimir und Karoline und nimmt dabei viele Dinge gleichzeitig ins Auge: den Einzelnen, die Einsamkeit, die Verwundbarkeit, die Gesellschaft, in der die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird und in der auf komplizierte Fragen einfache Antworten gesucht und gegeben werden. Karoline möchte zum Oktoberfest, Kasimir jedoch nicht, denn er hat gerade seine Anstellung verloren; nach feiern ist ihm nicht zu Mute.

Dennoch geht das Paar und verliert sich auf dem Fest. Karoline lernt den Landgerichtsdirektor Speer (Anne Joeris) und den Kommerzienrat Konrad Rauch (Lydia Bur) kennen. Doch die beiden Herren haben lediglich ein erotisches Interesse an ihr und kommunizieren dies, wenn sie unter sich sind, auch deutlich. Der junge Schürzinger (Thilo Metzger) dagegen ist ehrlich an ihr interessiert, aber zu eingeschüchtert von seinem Arbeitgeber Rauch.

Währenddessen lernt Kasimir Merkl Franz (Christopher Gollan) und dessen Freundin Erna (ebenfalls Lydia Bur) kennen. Der Kleinkriminelle und Anhänger der NSDAP versucht, Kasimir auf die schiefe Bahn zu ziehen. Immer wieder begegnen sich Karoline und Kasimir während des Stückes und versuchen, ihre Beziehung zu retten. „In gewisser Weise kämpfen sie umeinander. Aber sie schaffen es nicht. Sie entkommen den Mustern nicht“, erläutert Kohnle die Figuren.

In der Inszenierung spielen fünf verschiedene Schauspielerinnen die Figur der Karoline (Hannah Sophie Küpper, Diana Djamadi, Mary-Ann Berger, Anne Joeris Christine Beck) und das mit Grund: „Karoline ist eine ganz moderne Frau, die jede heutige Frau sein könnte.“ Durch die fünf Darstellerinnen wird dieses Verständnis der Rolle deutlich. „Das Stück hat eine unglaublich poetische Sprache“, führt Kohnle weiter aus. Das Spannende daran ist, dass Horvath trotzdem „auf‘s Maul“ der Leute geschaut hat, sich einer eindeutigen und leichten Sprache bedient.

Wie bei allen Stücken der Schauspielschule rekrutieren sich die Darsteller aus den Schülern der Schule. Für das kommende Semester gibt es noch einige freie Plätze. Direkt ins Gespräch kommen kann man am Mittwoch und Donnerstag, 31. Mai und 1. Juni, bei der Ausbildungsmesse ZAB (Berufs- und Studienmesse) im Eurogress.

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