Pleitgen-Kritik: „Selbstgefällige Großmanns-Attitüde"

Von: alp/stm
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Fritz Pleitgen bei seiner Rede im Aachener Rathaus: Minutenlanger Applaus und intensive Gespräche beim Bier folgten. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Ex-WDR-Intendant Fritz Pleitgen hat bei der Verleihung des Marketingpreises im Krönungssaal des Rathauses für viel Diskussionsstoff gesorgt. Seine Kritik am Karlspreis – „Die Reden: zu lang, ohne Esprit. Einfach furchtbar“ – und an der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst – „Man sucht verzweifelt nach einem Promi, möglichst aus der Politik“ – war deutlich. Wie sind Pleitgens provozierende Thesen aufgenommen worden? Die AZ hat nachgefragt.

„Wir sind sehr selbstkritisch, was den Karlspreis angeht“ , sagt Aachens Ex-OB Jürgen Linden in seiner Funktion als Sprecher des Karlspreisdirektoriums. „Wir wissen, dass wir in starker Konkurrenz zu anderen Preisverleihungen stehen. Aber wir sind auch selbstbewusst genug zu sagen, dass der Karlspreis nach wie vor die wichtigste politische Auszeichnung in Europa ist.

In den vergangenen Jahren hat es eine erhebliche Ausweitung gegeben beispielsweise mit der Medaille Charlemagne, einem Rahmenprogramm mit über 40 hochkarätigen Veranstaltungen sowie dem Jugendkarlspreis, der ein Pfund ist, mit dem wir in Zukunft wuchern werden und der selbst bereits eine einmalige Größe in Europa ist. Der Karlspreis habe ein besseres Marketing verdient. „Wir haben eine Marketingfirma beauftragt. Es hat bereits Klausurtagungen gegeben, bei denen Vorschläge für Verbesserungen erarbeitet wurden. Dies wird jetzt konkretisiert und soll beim nächsten Karlspreis greifen.

AKV-Präsident Dr. Werner Pfeil betont, dass der AKV in Sachen Ordensverleihung klare Vorgaben vom WDR erhalte, „um den Quotenplatz zu halten. Wir versuchen, einen Ausgleich zwischen Öcher Flair, bundesweit bekannten Comedians und Politikern zu schaffen. Das ist so gewünscht und Bestandteil des Vertrages. Seit drei Jahren bemühen wir uns, verstärkt Öcher einzubauen, was uns ja auch gelungen ist. Unter dem Strich ist es jedoch schwierig“.

Man würde gerne verstärkt Aachener Künstler auftreten lassen – auch aus den Bereichen Comedy und Satire. „Aber die müssen auch wollen. Vielfach bekommen wir zu hören, dass sie lieber nicht auf die Karnevalsbühne wollen.“ Mit dem Karnevalscollege habe der AKV versucht, neue Talente zu finden. „Bei Karnevalisten ist die Nähe zu Köln einfach zu stark. Dort können sie eben sieben, acht Auftritte an einem Abend absolvieren, weswegen dann auch die Reden kölnlastig sind. Aber wir wollen natürlich Öcher Reden. Wir versuchen gegenzusteuern, aber das ist nach wie vor eine Baustelle, die wir hier in Aachen haben. Durch die Grenzlage ist das Umfeld, in dem wir suchen können, eingeschränkt. Auch das ist eine schwierige Situation.“

Mit Pleitgen selber ins Gericht geht der Aachener Kabarettist Wendelin Haverkamp: Man höre sofort, dass Pleitgen wisse, auf welcher Veranstaltung er ist: „Die erigierte Lautsprecherei, der permanente Optimismus, dieses Werbedeutsch, diese selbstgefällige Großmanns-Attitüde: „Ich als Profi“ - es ist hohl und leer. Ideen sind die „wirkungsvollsten Möglichmacher“, „Konzept und Slogan müssen stimmen“, um „international auf sich aufmerksam zu machen“, und das, es hatte gerade noch gefehlt, „in einer Zeit (...) des globalen Wettbewerbs“; eine Worthülse, mit der jeder Vorort-Ortsvorsteher seit 20 Jahren seine Neujahrsansprache beginnt.“

Wo ist eigentlich die humoristische Kompetenz des Herrn Pleitgen?, fragt Haverkamp. Seine Vorschläge zur Karlspreis-Durchführung seien verräterisch. „Die laufen auf platte Eventisierung hinaus, und das ist schlüssig, wenn man die Annäherung des WDR in Richtung Privatfernsehen in den letzten Jahren sieht.“

Manfred Hammers, Aachener Architekt und Kabarettist, meint: „Ich finde die Aussagen herzerfrischend und mutmachend. Aber! Ich glaube, dass auch der WDR bei einer allzu frischen und frechen neuen Karlspreis und Ordensverleihung „Fracksausen“ bekäme. Alle, die bei der Verleihung des Marketingpreises minutenlang Beifall geklatscht hätten, „sollten sich anschließend an die eigene Nase packen und sich fragen, was sie selber für diese Stadt Belebendes tun können“.

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