Aachen - Platzverweis von der Polizei fürs Ordnungsamt

Platzverweis von der Polizei fürs Ordnungsamt

Von: Oliver Schmetz
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Aachen. Platzverweise sind normalerweise sein Job: Rabiate Alkoholiker, aggressive Bettler oder Musikanten ohne Genehmigung verbannt er so von städtischen Straßen.

An diesem 3. April 2008 sieht der 40-jährige städtische Vollzugsbeamte am Kaiserplatz jedoch selber die Rote Karte: Ein Polizist zückt sie, weil die Männer des Ordnungsamts bei einer gemeinsamen Razzia eine Drogensüchtige mit „völlig unangemessener Brutalität” behandelt haben sollen und der Frau weiter nachsetzten.

„Ich musste Distanz schaffen”

„Ich habe ihm einen Platzverweis erteilt”, erklärte der Polizeibeamte am Donnerstag vor Gericht. Und da der „nur sehr zögerlich wahrgenommen” worden sei, habe er „Ingewahrsamnahme” angedroht.

Im Klartext: Der Polizist drohte dem Ordnungspartner mit Festnahme. „Ich musste Distanz zwischen ihm und der Frau schaffen”, rechtfertigte er dies.

Der 40-jährige Vollzugsbeamte sitzt mit einem 44-jährigen Kollegen wegen der Geschehnisse am Kaiserplatz derzeit auf der Anklagebank. Gefährliche Körperverletzung im Amt lautet der Vorwurf.

Der 44-Jährige muss sich mit einem 28-jährigen Kollegen auch wegen eines weiteren Vorfalls am Fischmarkt verantworten.

Dort sollen sie einen Akkordeonspieler misshandelt haben, der ohne Genehmigung musizierte. Empörte Bürger, die das Ganze von der Terrasse der Albrecht-Dürer-Stuben verfolgten, zeigten die Ordnungskräfte an.

Diese sind sich allerdings keiner Schuld bewusst. Schon am ersten Prozesstag hatten sie brutales Vorgehen bestritten und etwaige Zwangsmaßnahmen als gerechtfertigt bezeichnet.

Und mit Blick auf die Razzia am Kaiserplatz erklärte einer ihrer Anwälte, Dr. Cliff Gatzweiler, das Verhalten der städtischen Ordnungskräfte sei „rechtmäßg” gewesen, weil sie beleidigt worden seien. „Da lag eine Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung vor.” Es sei um „Gefahrenabwehr” gegangen.

Was allerdings nicht nur Oberstaatsanwalt Alexander Geimer, der dies mit Kopfschütteln zur Kenntnis nahm, anders sah, sondern auch viele der rund 30 Polizeibeamten vor Ort.

„Meine Mitarbeiter waren wegen des Übergriffs sehr aufgebracht”, erklärte der damalige Einsatzleiter der Polizei. Zwar sei er den Kräften des Ordnungsamts generell nicht weisungsbefugt, räumte der mittlerweile pensionierte Hauptkommissar ein. „Doch wenn etwas aus dem Ruder läuft, würde ich sofort eingreifen” - wie es die Kollegen ja auch getan hätten.

Opfer zwangsweise vorführen

Das vermeintliche Opfer am Kaiserplatz erschien erneut nicht. Die schwer drogensüchtige Frau soll zum nächsten Termin zwangsweise als Zeugin vorgeführt werden.

Das andere Opfer ist kaum greifbar. Der Straßenmusikant, der in den letzten Jahren in Aachen vom Ordnungsamt etliche Platzverweise kassiert hat, meidet den hiesigen Platz nun offenbar weiträumig.

Er soll sich in Großbritannien aufhalten. In die Suche nach ihm ist mittlerweile sogar Interpol eingeschaltet.
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