Platz in Aachen wird kostbarer als jemals zuvor

Von: Robert Esser
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Der wahrscheinlich kostbarste Klappstuhl der Welt: Kulturbetriebsleiter Olaf Müller am aus Paris ausgeliehenen Dagobert-Thron im Krönungssaal des Rathauses. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Dass Dagoberts Thron der letzte leere Platz in Aachen ist und Hoteliers wie Gastronomen schon im Geld schwimmen, klingt verdächtig nach Ente. Reichlich Zustrom gibt‘s aber auf jeden Fall. Wenn Bundespräsident Joachim Gauck am Donnerstag, 19. Juni, die drei Karls-Ausstellungen eröffnet haben wird und am Freitagabend die Heiligtumsfahrt mit der Erhebungsfeier im Dom beginnt, erwartet die Kaiserstadt so viele Besucher wie wohl niemals zuvor.

 Es wird proppenvoll in der City. „Seit Wochen kommen viel mehr Tagestouristen nach Aachen“, freut sich etwa Restaurant-Chef Dieter Becker vom „Goldenen Einhorn“ am Markt. „Und ab dem Wochenende zählen wir jetzt schon doppelt so viele Gruppen-Buchungen wie sonst. Die Altstadt boomt“, berichtet der Wirt. Giorgos Elefantis, Direktor des City-Hotels Aquis Grana, rechnet ebenso mit vollem Haus. „Bis zum Ende der Ausstellungs-Trias im September sind sämtliche Wochenenden ausgebucht“, sagt er.

Freie Betten könne er noch werktags anbieten. „Aber auch da häufen sich nun die Anfragen.“ Problematisch sei, dass die städtischen Führungen für Besucher der Ausstellungen in Krönungssaal, im Centre Charlemagne und in der Domschatzkammer so gut wie ausgebucht sind, sagt der Hotelier.

Viel mehr Übernachtungen

Der Aachen Tourist Service (ATS) bestätigt das. „Mittlerweile sind über 2800 Führungen dicht“, erklärt ATS-Sprecherin Christina Crolla am Dienstag. Und: „Durch die vielen auswärtigen Gäste zur Ausstellungstrilogie sind die Hotels tatsächlich überdurchschnittlich gut gebucht.“ Was besonders für nächstes Wochenende gelte: „Das liegt einerseits an der Eröffnung, andererseits aber auch an einer Cartellversammlung der katholischen deutschen Studenverbindungen in Aachen mit 1000 Teilnehmern“, sagt Crolla.

Dabei zeigt die offizielle Beherbergungsstatistik für gut 50 regi-strierte Aachener Hotels mit knapp 4000 Betten den Aufwärtstrend bereits seit Beginn des Karlsjahres 2014. Die Zahl der Übernachtungsgäste stieg im Vergleich zum Vorjahr im ersten Quartal von 75 310 auf 82 372 – das entspricht schon vor Heiligtumsfahrt und Ausstellungs-Trias einem Plus von 9,4 Prozent. Bis zum 21. September sollen bis zu 200 000 Besucher – natürlich auch tausende Aachener – durch die Karls-Ausstellungen geschleust werden. Allein das Domkapitel rechnet ab Freitagabend nur während der Heiligtumsfahrts-Woche bis 29. Juni mit 100 000 Pilgern. Es wird eng.

Damit alle satt werden, gibt es ein buchstäblich erstmals zugeschnittenes Angebot: „Karls Pilgersüppchen“. Ratskeller-Chef Maurice de Boer hat die delikate Suppe zur von Öcher Fleischern veredelten Karlswurst kreiert, die mit dem Segen des Domkapitels täglich – unter anderem auf dem Katschhof – ausgeschenkt wird.

Derweil laufen die Vorbereitungen nicht nur in der Ratskeller-Küche, sondern auch zwei Etagen höher im Krönungssaal auf Hochtouren. Über 300 Exponate – darunter der Dagobert-Thron aus Paris – positionieren mehrere Teams gerade unter den wachsamen Augen von Kulturbetriebsleiter Olaf Müller. „Die Zeit ist knapp, aber wir schaffen es“, sagt er. So knapp ab Freitag, 10 Uhr, der Platz für die Besuchermassen auch werden mag: Das 1200 Jahre alte Sitzmöbel aus vergoldeter Bronze bleibt in der gläsernen Vitrine tabu. Probesitzen ausgeschlossen. Der wahrscheinlich teuerste Klappstuhl der Welt ist für Millionen Euro versichert.

Deutlich preiswerter dürften die 900 Stühle für die Ehrengäste sein, die Fronleichnam um 17 Uhr der Rede des Bundespräsidenten zur Einweihung der Ausstellungs-Trias lauschen dürfen. Zaungäste können nur um 16 Uhr bei der Ankunft von Joachim Gauck auf dem Markt vor dem Rathaus und bei seinem Fußweg über die Krämerstraße Richtung Katschhof (etwa 16.50 Uhr) einen Blick auf den Schirmherrn werfen. Apropos: vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. „Das ist der Grund, warum wir über die 900 Gäste hinaus keine weiteren Bürger zur Eröffnung auf den Katschhof lassen dürfen“, erläutert Müller. Denn wenn‘s statt Kaiserwetter schüttet, müssten alle in Windeseile in den Dom umquartiert werden, damit das Protokoll nicht ins Schwimmen kommt. Und im Münster gebe es eben nur 900 Plätze.

Plus Karlsthron natürlich. Noch so ein edles Plätzchen, das letztlich so oder so leer bleiben dürfte.

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