Platz für Flüchtlinge im Neuen Kurhaus?

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
10087866.jpg
„Schön, dass Sie da sind“: Der passende Willkommensgruß steht schon über dem Eingang des ehemaligen Bahr-Baumarkts. Auch dieses Gebäude prüft die Stadt zwecks Flüchtlingsunterbringung. Foto: Stephan Mohne
10086847.jpg
Die etwas andere Flüchtlingsunterkunft? Die Stadt überlegt, ob notgedrungen auch das Neue Kurhaus als Übergangsquartier in Frage kommt. Foto: Harald Krömer

Aachen. Bei der Suche nach Wohnraum für Flüchtlinge kennt die Stadt offenkundig keine Tabus mehr. Notgedrungen. Denn einer Vorlage für den Stadtrat am Mittwoch ist zu entnehmen, dass bis Ende des Jahre nochmals mit einer Explosion der Flüchtlingszahlen in Aachen zu rechnen ist.

Bis zu 900 neue Flüchtlinge seien zu erwarten, womit die Zahl dann auf fast 1900 klettern würde. Ein Dach über dem Kopf habe man bis dahin aber nur für etwa 1350 Menschen. Und da sind schon neue Unterkünfte wie etwa das ehemalige Versorgungsamt an der Turpinstraße eingerechnet. Derweil seien die Kapazitäten des Wohnungsmarktes für eine dezentrale Unterbringung quasi ausgeschöpft. Weswegen nun Optionen ins Auge gefasst werden, die bisher nicht im Fokus der Suche standen. Dazu gehört das ab Anfang Juni leerstehende Neue Kurhaus an der Monheimsallee ebenso wie der verwaiste ehemalige Max-Bahr-Baumarkt zwischen Breslauer Straße und Elsassstraße.

Dazu gehören der Vorlage nach auch freie Schulgebäude und überhaupt alle Gebäude, die auf Sicht frei werden. Nicht namentlich erwähnt sind dabei die bisherige Hauptschule Eilendorf und das ab September leere Bezirksamt Haaren an der Alt-Haarener-Straße. Über erstere hat die Verwaltung aber dem Vernehmen nach zumindest schon einmal nachgedacht, zweiteres hatte die Haarener Bezirksvertretung als Möglichkeit genannt.

Die Idee mit dem Neuen Kurhaus klingt zunächst abstrus. Aber: Es gibt in dem Gebäude zum Beispiel ehemalige Gästewohnungen im Obergeschoss. So ganz abwegig ist die Idee also nicht. Zumal das Spielcasino schon in wenigen Tagen Richtung Tivoli umzieht und das Kurhaus dann bis zu seiner Sanierung „nutzlos“ wäre. In Sachen Bahr-Baumarkt bestätigt Projektentwickler Norbert Hermanns, dessen Landmarken AG das Gelände mittlerweile gehört, eine entsprechende Anfrage der Stadt und sagt: „Wir würden uns dem nicht entgegenstellen.“ Andererseits kann er sich kaum vorstellen, dass das Gebäude für derartige Zwecke geeignet wäre. Aber das müsse die Stadt beurteilen.

Eine Wohnanlage in Haaren an der Hergelsbendenstraße/Ecke Hergelsmühlenweg ist hingegen offenbar vom Tisch, wie die Verwaltung den Fraktionen am Montag überraschend mitteilte. Dort hätte ein Investor über 40 „mobile Wohneinheiten“ gebaut, in die etwa 60 Flüchtlinge kurzfristig hätten einziehen können. Allerdings gab es in der Politik heftige Debatten darüber – insbesondere Grüne und FDP machten mobil dagegen. Denn der Mietpreis für die Stadt hätte bei rund 19,50 Euro pro Quadratmeter bei zehn Jahren Mietvertrag gelegen.

Den Vorwurf der Geschäftemacherei hat der Investor jedoch ebenso vehement von sich gewiesen. Vielmehr müsse er für die Investition von über einer Million Euro einen außergewöhnlich hohen Kreditzins zahlen. Hinzu kämen eine hohe Abschreibung und teure Versicherungen. Die Haarener Bezirksvertretung hatte das Vorhaben jedoch parteiübergreifend abgelehnt – nicht wegen der Flüchtlinge, sondern wegen des Standorts, der als völlig ungeeignet eingestuft wurde. Die Haa-rener Politiker zeigten Alternativen auf. So könnten sie sich eher vorstellen, eine solche Anlage auf städtischem Grund am Park hinter der Feuerwache zu bauen. Zudem wurde auf die Räume im bisherigen Bezirksamt verwiesen.

Nun hat die Verwaltung selbst überraschend die Bremse getreten – obwohl eigentlich der Rat am Mittwoch beschließen und es bereits um Ostern herum eine Dringlichkeitsentscheidung vorab geben sollte. Stattdessen ist man offenbar doch noch einmal auf dem Wohnungsmarkt fündig geworden – mit insgesamt rund 800 Quadratmetern Wohnraum, die für ein Jahr und zu einem deutlich geringeren Preis von weit unter zehn Euro angemietet werden sollen. Zudem wird nun überlegt, selbst „mobile Wohneinheiten“ zu mieten oder sogar zu kaufen, die man dann je nach Bedarf auf – möglichst städtische – Grundstücke platzieren könnte.

Zum Beispiel wäre da jenes halbe Dutzend städtische Flächen, bei denen schon seit einiger Zeit geprüft wird, ob dort Wohnanlagen gebaut werden können. Dazu gehören Grundstücke am Preusweg, am Hasselholzer Weg, an der Schagenstraße, am Fuße des Kronenbergs oder auch am Drosselweg sowie an der Hünefeldstraße. Wie es in Sachen Kurhaus, Bahr und Co. weitergeht, das ist auch in diesen Fällen Sache weiterer Analysen und Berechnungen. Dazu wollte die Stadt am Montag noch keine Stellungnahme abgeben.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert