Plastikhülle bannt die Steinschlaggefahr

Von: Thorsten Karbach
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Gut und vor allem sicher verpackt: Das Haus der Evangelischen Kirche hinter dem Parkhaus Jesuitenstraße (rechts) versteckt sich hinter einem Baugerüst. Die Fassade muss saniert werden. Foto: Thorsten Karbach

Aachen. Angefangen hatte alles mit einem kleinen Stein. Christoph Gauglitz, Architekt der Kirchengemeinde Aachen, ging wie jeden Tag zur Arbeit und sah den Stein vor dem Eingang des Hauses der Evangelischen Kirche liegen. Der Stein war ihm verdächtig. Es war Blaustein, so wie er die Fassade und damit das Bild des alten Gebäudes in der Frère-Roger-Straße prägt.

Christoph Gauglitz legte den Kopf in den Nacken, spähte die Fassade ab und beschloss, dem Stein nachzugehen - oder eben mit einer Hebebühne nachzufahren.

Mit Steinmetz und Denkmalschützern wurde die Fassade untersucht und für schön, aber eben auch ganz schön sanierungsbedürftig befunden. Nun ist das unter Denkmalschutz stehende Gebäude mit einem Gerüst verpackt, und die Fassade des Hauses der Evangelischen Kirche wird für 220.000 Euro und mit viel Sorgfalt saniert.

„Wenn wir weiter gewartet hätten, dann wären noch einige Steine zu Boden gegangen”, sagt Architekt Gauglitz. Diese Gefahr war da. Es musste so schnell wie möglich gehandelt werden.

Es ist dabei nicht nur der Zahn der Zeit, der an dem Haus von 1907 nagt. Zwei Kriege hat es überstanden, Schäden aus dem 2. Weltkrieg - auch ein Brand - wurden nach 1945 mit Mörtel behoben. Und auch der bröckelt nun. Die alten Blausteine werden erneuert, ergänzt und repariert. Ebenso die roten Ziegelsteine. Fugen werden saniert, der Dachsims muss repariert werden.

Der neubarocke Backsteinbau mit den Blausteingewänden und dem Mansarddach wird dabei in seinen gewohnten Zustand versetzt. „Wir versuchen, das ursprüngliche Bild zu erhalten”, sagt Markus Plum vom Bereich Bau und Liegenschaften der Kirchengemeinde Aachen.

Es sind zum Teil feine Haarrisse, die die Blausteine durchziehen. Christoph Gauglitz steht auf dem Baugerüst und deutet auf einen solchen Riss. Stein ersetzen oder reparieren? Diese Frage stellt sich den Bauleuten an allen Ecken. „Grundsätzlich ersetzen wir lieber einen Stein mehr als einen zu wenig”, sagt der Architekt. Steinschlag soll auf diese Weise ausgeschlossen werden. Sicher ist sicher.

Die kaputten Steine sind mit einem einem roten Kreuz markiert. Und es sind immer noch Dutzende Steine, die ersetzt werden müssen. Am Dienstag beginnen zudem die Arbeiten am Dachsims. Dafür wird ein Teil des Gerüstes abgebaut, und ein Kran fährt vor. Der bleibt bis Donnerstag oder Freitag, die Frère-Roger-Straße wird während dieser Zeit gesperrt bleiben. Bis Oktober sollen dann die Arbeiten abgeschlossen sein, und das gesamte Baugerüst wird verschwinden.

Der Charakter der Fassade

Es sind belgische Steine, die auf dem Baugerüst aufgereiht in der Sonne liegen, als würden sie eine Pause machen. Der ursprüngliche Aachener Blaustein war nicht mehr erhältlich, aber ansonsten wird sehr viel Obacht auf den Charakter der Fassade gelegt. Sogar das feine Muster in den Blausteinen wurde gezogen - allerdings mit Maschinen und nicht wie vor mehr als hundert Jahren mit einem breiten Meißel.

Architekt Gauglitz streicht mit der Hand über einen der neuen Steine. „Der sieht gut aus”, sagt er - besser vor allem, als der Stein, der einst vor seinen Füßen lag.
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