„Planungsfehler“: Scharfe Kritik an Erbauern der A4

Von: Marlon Gego
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Auf dem neuen A4-Abschnitt zwischen Merzenich und Elsdorf kam es zuletzt immer wieder zu Unfällen. Foto: Feuerwehr Merzenich

Aachen. Nach mehreren schweren Unfällen auf dem neuen A4-Abschnitt zwischen Merzenich und Elsdorf hat der Aachener Verkehrswissenschaftler Bernhard Steinauer die Streckenführung scharf kritisiert. Auf Anfrage unserer Zeitung sprach Steinauer von „einem Planungsfehler“, der schon offensichtlich gewesen sei, bevor der erste Unfall passierte.

„Jeder Student, der mir einen solchen Planungsentwurf in einer Prüfung präsentiert hätte, wäre bei mir durchgefallen“, sagte Steinauer. Bis 2011 war er Inhaber des RWTH-Lehrstuhls für Straßenwesen.

Der im September 2014 in Betrieb genommenen Abschnitt zwischen den neuen Abfahrten Merzenich und Elsdorf verläuft auf etwa 7,2 Kilometern vollkommen gerade. Das macht diesen Teil der A4 deutschlandweit wahrscheinlich einzigartig, weil Autobahnen normalerweise anders gebaut werden. „Üblicherweise planen wir ein einheitliches Streckenprofil, längere Radien werden mit Geraden und kürzeren Radien kombiniert“, sagte Steinauer. Ein leicht kurviges Profil sorge dafür, dass die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer hoch bleibe.

„Je unterforderter die Autofahrer sind, desto mehr sinkt die Aufmerksamkeit“, sagte Steinauer. Nach Bekanntwerden der Planungen hatte er im NRW-Verkehrsministerium erfolglos versucht zu intervenieren.

Dass die Strecke als lange Gerade geplant wurde, hat viele Gründe. Einer ist, dass südlich der A4 die Bahnlinie Aachen-Köln verläuft. Und nördlich der A4 werden Hambachbahn und die Abbruchkante des Tagebaus Hambach liegen. „Wir sind mit der Trasse so nahe wie zulässig an die zukünftige Abbruchkante herangegangen“, sagte Matthias Bächler, der beim Landesbetrieb Straßenbau an Planung und Bau des neuen A4-Abschnitts beteiligt war.

Um die Strecke mäandern zu lassen, habe es laut Bächler nur zwei Möglichkeiten gegeben: Die eine wäre gewesen, den Kerpener Stadtteil Buir im Süden weiträumig zu umfahren, dann wäre das Projekt aber erheblich komplizierter, langwieriger und wegen der notwendigen zweimaligen Querung der Bahnstrecke erheblich teurer geworden.

Die zweite Möglichkeit wäre gewesen, dem Streckenabschnitt nach Norden mehr Raum zu geben. Doch das hätte das Einverständnis von Tagebaubetreiber RWE vorausgesetzt, auf einen Teil der genehmigten Abbaufläche zu verzichten. Am Ende blieb den Planern nur die Möglichkeit, die Strecke auf 7,2 Kilometer schnurgerade zu bauen. 

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