Planer nehmen nächsten Aachener Bunker in Angriff

Von: Oliver Schmetz
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Verkauft: Der Bunker an der Südstraße und ein großes Areal dahinter sollen zum Wohnquartier umfunktioniert werden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Schlagzeilen haben Aachens Bunker in der jüngsten Vergangenheit regelmäßig geschrieben – etwa als Musikbunker vor Gericht wie an der Rehmannstraße, weil sie einem Hotel weichen wie an der Sandkaulstraße oder weil ihr Abriss die Anwohner auf die Palme bringt wie an der Rütscher Straße.

Nun nehmen Planer das nächste Kriegsrelikt in Angriff: An der Südstraße hat die Luisenhöfe GmbH den sogenannten „Südbunker“, einen im Zweiten Weltkrieg erbauten Luftschutzbunker, nebst dazugehörigem Grundstück erworben.

„Wohnquartier mit viel Grün“

Und nicht nur das: Das Unternehmen, das zu gleichen Teilen der Landmarken AG des Aachener Investors Norbert Hermanns und der Aachener Aixact Immobilien GmbH gehört, hat neben einigen kleineren Grundstücken auch das benachbarte, rund 10.500 Quadratmeter große Kalde-Gelände gekauft. Ziel des Ganzen: Im Innenbereich des großen Blocks zwischen Südstraße, Reumontstraße, Mariabrunnstraße und Boxgraben soll ein „zentrales Wohnquartier mit viel Grün“ entstehen, heißt es dazu im aktuellen Landmarken-Magazin.

Besiegelt wurden die Kaufverträge bereits Mitte Dezember und Anfang Januar: Der Bunker, den ein Aachener im Jahr 2004 für 30.000 Euro vom Bund ersteigerte, wechselte nun für eine knappe Viertelmillion den Besitzer, das große Kalde-Grundstück für gut 4,7 Millionen Euro.

So steht es jedenfalls in einer Vorlage für den städtischen Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss, der sich am kommenden Dienstag in nichtöffentlicher Sitzung mit dem Thema befasst. Denn die Politik muss den Deal noch absegnen, indem sie beschließt, dass die Stadt an dieser Stelle auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet.

Dass dies so geschehen wird, ist zu erwarten. Schließlich gab es in besagtem Block seit den 80er Jahren immer wieder Bestrebungen, Wohnungen zu bauen. Zuletzt beschäftigte sich die Politik im Jahr 2011 mit konkreten Plänen eines Eigentümers, im Innenbereich zehn Wohnhäuser zu errichten – woraus dann doch nichts wurde. Und angesichts der aktuellen Wohnungsnot in Aachen entspricht solch ein Projekt heute allemal den städtebaulichen Zielen.

Deshalb hat der Planungsausschuss den Verzicht auf das Vorkaufsrecht bereits empfohlen, die Verwaltung jedoch auch beauftragt, einige Auflagen mit den Erwerbern vertraglich zu fixieren. So sollen 30 Prozent der Wohnungen Sozialwohnungen werden, schützenswerte Bäume erhalten und öffentliche Wege zwischen Mariabrunn- und Südstraße und möglichst auch zum Boxgraben hin angelegt werden.

Insgesamt stellt sich die Politik dort eine „aufgelockerte Bebauung durch Stadthäuser“ vor. Für das Areal soll im Übrigen ein Bebauungsplan aufgestellt werden.

Konkrete Informationen über die Pläne der Luisenhöfe GmbH gibt es noch nicht. „Wir stehen erst ganz am Anfang des Projekts“, sagt Kolja Linden, Sprecher der Landmarken AG, auf AZ-Anfrage. In der Verwaltungsvorlage heißt es lediglich, die Erwerber beabsichtigten, „einen Großteil der Altbebauung niederzulegen und die Flächen für Wohnbebauung zu nutzen“.

Ob das „Niederlegen“ auch den Bunker betrifft, der in den letzten Tagen des Krieges als Sanitätsbunker genutzt wurde und bis zum Jahr 1950 rund 150.000 Menschen als Notunterkunft diente, ist ebenfalls noch offen. Bei der Landmarken AG, die in dieser Hinsicht schlechte Erfahrungen an der Rütscher Straße gemacht hat, hat man jedenfalls auch Alternativen zum Abriss im Blick. Zurzeit prüfe man, so Linden, ob sich der Bunker ins Wohnprojekt integrieren lasse. Was ja auch eine Schlagzeile wert wäre.

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