Aachen - Plakatierer will alle Stromkästen sauber halten

Plakatierer will alle Stromkästen sauber halten

Von: Robert Esser
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Saubere Sache? Hubert Patschor
Saubere Sache? Hubert Patschorke plädiert bei Plakaten für klare Freigaben und Grenzen. So könnten sich Profis wie er speziellen Flächen widmen - was Wildwuchs und Verwahrlosung vermeide. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Um Plakat-Wildwuchs an der Wurzel zu packen, hat Hubert Patschorke eine Idee ausgegraben. Er ist seit rund 30 Jahren im Werbemittel-Geschäft, in dem Aachener Profis 300 bis 500 Plakate pro Tag kleben - pro Person.

Hinzu fließt die Plakatflut der Amateure. Für Partys, Konzerte, Kleinkunst - aber ebenso für große Events. So sammeln sich jedes Jahr zigtausende Poster an Hauswänden, Stromkästen, Bahnunterführungen, Laternenmasten, Bunkerfassaden, Bauzäunen etc. - viele davon unerlaubt angepappt, kreuz und quer. Das müsste nicht sein, sagt Patschorke, der in der hiesigen Veranstalterszene als zuverlässiger Plakatprofi gilt.

Er freut sich über den Vorstoß von OB Marcel Philipp, der den Stadtbetrieb gerade ein neues Konzept in Sachen „Sauberkeit in Aachen” erstellen lässt (wir berichteten) - und dabei auch eine geregelte Plakatierung von Stromkästen ins Spiel bringt. Die ist nämlich bislang verboten - was Plakatierer seit Jahren ignorieren. Die Folge: Zwischen sauber plakatierten Flächen überwiegt Plakatmüll - auch auf meist verdreckten Stromkästen.

Patschorkes Plan: „Ich biete Stawag und Stadt an, Wechselrahmen für Werbeposter an etwa 80 Stromkästen zu montieren, die ich dann für kleines Geld vermarkte. Alle anderen Stromkästen - und das sind deutlich mehr - würde ich nicht nur reinigen, sondern auch plakatfrei halten”, sagt er. Was sich dadurch ändert? „Die Kästen, die teils in elendem Zustand sind, würden endlich nicht mehr das Stadtbild verschandeln.

Kleine Veranstalter hätten legale Werbeflächen zu Preisen, die sie sowieso seit Jahren für freie Plakatierung bezahlen”, argumentiert er. Und warnt: Wenn man künftig legale Werbeflächen an überregionale Vermarkter vergebe, die diese dann meistbietend - lukrativ für Stawag, Stadtkasse und Vermarktungsfirma - vermieten, sei in Sachen Sauberkeit nichts gewonnen. Weil dann statt 50 Cent bis zu drei Euro pro Plakat gefordert würden - was vielen Veranstaltern zu teuer wäre. „Dann geht der Wildwuchs der Szene an anderer Stelle weiter”, glaubt Patschorke.

Stawag-Sprecherin Eva Wußing räumt auf AZ-Anfrage ein, dass die Idee, Werbung auf Stromkästen zu platzieren, seit Jahren im Raum stehe. 2560 dieser sogenannten „Verteilerschränke” gehören der Stawag. „Wir stehen Vorschlägen positiv gegenüber und werden das mit OB Philipp besprechen”, sagt sie. Technisch sei die Umrüstung der Kästen zu (offiziellen) Werbezwecken auf jeden Fall möglich. Man müsse noch viele Aspekte - vor allem rechtliche - klären.

Doch es geht um mehr. Dass viele zugepflasterte Bahnunterführungen verwahrlosen, ist laut Patschorke nicht lokalen Plakatprofis zuzuschreiben. „Die Bahn hat ihre Unterführungen im großen Stil an Vermarkter in Köln und Düsseldorf vermietet, die diese wiederum weiterverpachten - bis auf die lokale Ebene. Darum kümmert sich aber keiner so richtig, weil denen die Erträge zu gering sind”, kritisiert der Aachener. Er hingegen sei täglich im Einsatz, um beschädigte oder überklebte Plakate in seinem Beritt zu kontrollieren.

Das Geschäft mit Poster und Kleister wird härter. „In den 80ern wurde vielleicht für sieben Veranstaltungen pro Monat plakatiert, mittlerweile sinds über 30”, rechnet Patschorke vor. Ärger gebe es dabei nicht nur mit Ordnungshütern. Wenn konkurrierende Plakatierer aneinander gerieten, „fliegen auch schon mal die Fäuste. Drohungen höre ich oft”, sagt er.

„Immer mehr Auswärtige - auch im Auftrag niederländischer Diskos - tauchen in Aachen nachts auf und überkleben alles, was sie wollen.” Wer Sauberkeit wolle, müsse ein System schaffen, das kleinen Veranstaltern Werbung erlaube - auch auf Bauzäunen. Die seien andernfalls wenig plakativ, sagt er. Und wachsen hier wie wild.
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