Plakataktion gegen Rechts: „Ärzte” und JC Decaux legen Veto ein

Von: Louisa Plasberg
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Die „Ärzte” wollen grundsätzlich nicht, dass Zitate aus Songtexten für politische Zwecke verwendet werden. Foto: dpa

Aachen. Beim Plakatwettbewerb „SchülerInnen gegen Rechts” war Kreativität gefragt. Der Slogan „Aachener sind intolerant - gegenüber Nazis”, das Bild von Springerstiefeln deren Schnürsenkel ein Herz formen, und die einfache Botschaft „Wir sind viel mehr” - das ist nur eine Auswahl der Motive, die es bis in die letze Runde des Wettbewerbs geschafft haben.

Jetzt sollten alle vier Gewinnerplakate des Wettbewerbs „SchülerInnen gegen Rechts” an 65 verschiedenen Stellen in Aachen aushängen. An Litfaßsäulen und Bushaltestellen sind aber nur zwei Plakate zu sehen. Die Rockgruppe „Die Ärzte” gaben ein Motiv wegen eines Songtext-Zitats nicht frei. Die Firma JC Decaux weigerte sich ein Plakat, auf dem Teile eines Hakenkreuzes zu sehen sind, zu veröffentlichen. Der Schülerplakatwettbewerb gegen Rechtsextremismus wurde im Frühjahr vergangenen Jahres an allen weiterführenden Schulen in Aachen ausgeschrieben. Bis zum Einsendeschluss im Herbst gingen knapp 120 Bewerberplakate bei den Organisatoren, den Aachener Jugendverbänden, ein. Im Dezember wurden im Städteregionshaus die vier Sieger ausgezeichnet. Als Anerkennung erhielten die Sieger nicht nur ein Preisgeld, sondern auch das Versprechen, dass ihr Plakat im April an den Aachener Bushaltestellen zu sehen sein wird. In gewisser Weise blieb dieses Versprechen auf der Strecke.

Das Plakat von Nastasja Groeger ist eines der beiden Plakate, das nicht ausgestellt werden kann. Die Schülerin integrierte in ihr Motiv ein Zitat der Band „Die Ärzte” aus dem Lied „Schrei nach Liebe”, und machte das Zitat auch als solches kenntlich. Das Management der „Ärzte” verweigerte aber die Freigabe. Zum einen mit der Begründung, dass sich die Rockgruppe nicht politisch positionieren möchte. Zum anderen wurde die Plakataktion in Kooperation mit den politischen Jugendorganisationen der Parteien ins Leben gerufen und vom Bundesfamilienministerium unterstützt - laut Musikverleih der „Ärzte” dürfen Zitate aus Songtexten grundsätzlich nicht für politische Zwecke verwendet werden.

Die Entscheidung der Band stößt bei den Organisatoren des Wettbewerbs auf Unverständnis. „Wir hatten von einer Band wie den Ärzten mehr Unterstützung im gemeinsamen Kampf gegen Rechtsextremismus erwartet”, erklärt Tim Schlößer vom Organisationsteam.

Auch der Gewinner Marvin Mostert wird sein Plakat in diesen Wochen nicht in der Stadt sehen. Die Firma JC Decaux besitzt gemeinsam mit der Stadt die Werbeflächen, die für die Ausstellung genutzt werden, und weigert sich Mosterts Plakat auszustellen. Grund dafür ist laut JC Decaux ein noch halb zu sehendes, überspraytes Hakenkreuz. Frauke Müller, Pressesprecherin der Firma, bestätigt: „Wir stehen voll und ganz hinter dem Projekt. Die Abbildung dieses Plakats mussten wir aber leider als zu risikoreich einstufen, da wir die Erfahrung gemacht habe, dass solche politischen Symbole oftmals Vandalismus provozieren. Die Kosten für die Reparatur müssen wir dann tragen. Außerdem steht in unserem Vertrag mit der Stadt, dass verfassungsfeindliche Symbole grundsätzlich auf unseren Flächen nicht abgebildet werden dürfen.”

Tim Schlößer ist über diese Entscheidung sauer: „Die Arbeit, die sich ein Schüler zu einem wichtigen politischen Thema gemacht hat, wird durch JC Decaux nicht gewürdigt. Das Unternehmen muss sich fragen: Stellen wir Firmenvorschriften über die Arbeit Jugendlicher gegen Rechtsextremismus?”. Die beiden veröffentlichten Plakate der Aktion sind noch zwei Wochen in der Stadt zu sehen.
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