Plätzchen, Truthahn und ganz viel Wärme

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
plätzchenbu
Weihnachtsstimmung verbreiten: McDonald-Haus-Leiterin Claudia Berning. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wenn die Eltern die Haustür öffnen und es nach Plätzchen und damit nach Weihnachten duftet, dann haben auch sie ein bisschen Advent. Dann können auch sie sich an einen Adventskranz setzen und in das Leuchten der Kerzen blicken, neben dem Weihnachtsbaum stehen und die Krippe betrachten.

Für sie sind es gewiss keine schönen Weihnachten in dem Sinne, in dem schöne Weihnachten verstanden werden. Denn ihre Kinder liegen mit einer schweren Krankheit im Klinikum, und sie selber sitzen im Ronald-McDonald-Haus an der Vaalser Straße. Dort können zwölf Familien ihren Kindern nah sein, auch wenn sie nicht bei ihnen sind.

Von Sorgen geprägt

Es ist wohl die schwerste Zeit des Jahres in der Einrichtung der McDonald´s-Kinderhilfe-Stiftung. Weil Weihnachten eben das Fest der Familie ist und diese Familien von großen Sorgen um die Gesundheit des Kindes geprägt sind. „Es ist schon ein anderes Weihnachtsfest bei uns, denn alle wären lieber zuhause”, sagt Claudia Berning. Sie ist die Leiterin des Hauses und sagt dennoch, dass es hier auch am Heiligen Abend, am ersten und am zweiten Weihnachtstag schön sei. „Anders schön”, sagt sie. Dafür sorgen neben ihren beiden hauptamtlichen Mitarbeitern vor allem die 26 ehrenamtlichen Helfer.

Seit Wochen versuchen sie, den Familien ein wenig Weihnachten zu bescheren. Sie haben den Adventskranz gebunden, den Tannenbaum geschmückt, Kerzen aufgestellt, mit roten Sternen dekoriert und die Krippe aufgebaut. Und Inge Saunders und Agnes Krentscher backen Plätzchen. Schwarz-weiße Brocken liegen auf dem Backblech des bunten Hauses an der Vaalser Straße.

Saunders und Krentscher engagieren sich ehrenamtlich im Ronald-McDonald-Haus. Saunders ist 61 Jahre alt, das Berufsleben liegt hinter ihr, sie ist Oma geworden, und Kinder liegen ihr am Herzen. Nicht nur die aus der eigenen Familie. Deswegen ist sie hier. Krentscher ist 27, eine Bürokauffrau, die immer Kinder um sich hatte und beruflich doch einen anderen Weg eingeschlagen hat. In ihrer Familie hatte es immer wieder schwere Krankheiten gegeben. Sie weiß, wie wichtig es ist, nicht nur medizinische Hilfe, sondern auch helfende Hände, menschliche Wärme und offene Ohren zu finden. „Es ist schon ein Trost, wenn man einfach nur zuhört”, sagt sie und knetet den Teig.

Zwölf Familien, eine Herberge

Zwölf Familien haben im Ronald-McDonald-Haus Platz. 16 dieser Häuser gibt es in Deutschland. 20 Euro zahlt jede Familie pro Nacht, in der Regel erstatten die Krankenkassen diese Kosten. 180.000 Euro kostet der jährliche Betrieb des Hauses, zwei Drittel der Kosten werden durch Spenden aus der Region finanziert. Bis zum Nikolaustag wurden für das Aachener Haus 64.000 Euro gespendet. Und ungezählte ehrenamtliche Stunden. „Sie machen hier viele Besonderheiten möglich”, sagt Leiterin Berning. Jeden Dienstag gibt es einen Brunch, donnerstags ein Verwöhnabendessen. Und nun eben auch ein Weihnachtsessen - Truthahn soll es geben.

Inge Saunders und Agnes Krentscher wissen, dass sie kein Weihnachtsfest in der Familie ersetzen können. Aber darum geht es auch gar nicht. „Es ist schön zu sehen, wenn die Eltern an diesen Tagen ein wenig durchatmen und Kraft schöpfen können”, sagen sie. Denn diese Kraft brauchen die Eltern, wenn die Kinder auch Weihnachten auf der Intensivstation liegen. Denn wenn es irgendwie möglich ist, werden die Kinder drei Tage entlassen. Wer auch an Weihnachten nicht nach Hause kann, dem geht es sehr schlecht.

Saunders und Krentscher legen die Plätzchen auf das Backblech. Seit zwei Jahren engagieren sie sich im Ronald-McDonald-Haus. Im nächsten Jahr feiert die Einrichtung 20. Geburtstag. Sie erzählen, dass sie manchmal schlucken müssen, wenn sie vom Schicksal der Kinder erfahren. Etwa wenn ein junger Mann vor ihnen steht und einfach in Tränen ausbricht. „Man gibt sehr viel, aber man bekommt auch viel zurück”, sagt Saunders und meint Dankbarkeit, Herzlichkeit und Freundschaft. In dem großen Gästebuch, das Berning gerade aufschlägt, ist dazu ein Eintrag, den sie alle kennen: „Frohe Weihnachten konnten wir in Ihrem Hause âtrotzdemÔ feiern! Durch so viele kleine Gesten machen Sie das Licht von Weihnachten erfahrbar! Herzlichen Dank und viel Kraft und Segen für Ihre wertvolle Arbeit”, steht da.

Schenken spielt keine Rolle

Weihnachten ist auch im Ronald-McDonald-Haus das Fest der Liebe und das von der Ankunft Jesu. Vielleicht ist es dies hier viel mehr als anderswo. „Das Wünschen ist hier ein anderes, wenn man ein krankes Kind hat, das Schenken spielt hier kaum mehr eine Rolle”, sagt Krentscher und erzählt von dem Jungen, der sich zum Weihnachtsfest nichts sehnlicher wünschte, als dass sein krankes Brüderchen wieder nach Hause kommt. Krentscher ist selber schwanger, erwartet bald schon ihr Kind.

„Für die Menschen hier ist es das größte Geschenk, wenn ihr Kind wieder nach Hause kann”, sagt sie. Dann schieben die beiden Ehrenamtlichen das Backblech in den vorgeheizten Ofen. „Es gibt Eltern, die kommen und sagen: Normalerweise backen wir jetzt auch mit unseren Kindern”, erzählt Saunders. Und dann sagen sie, wie sehr sie sich freuen, dass es hier nach Weihnachtsplätzchen duftet. Dass auch sie hier ein bisschen Weihnachten finden können.

250 Familien haben in Aachen Hilfe gefunden


Das Ronald-McDonald-Haus an der Vaalser Straße ist eine Einrichtung der McDonald´s-Kinderhilfe-Stiftung. 16 solcher Häuser gibt es mit 259 Eltern-Apartments, drei weitere Häuser sind in Planung. Zwölf Familien finden in Aachen Platz, sie bleiben manchmal nur ein paar Tage, manchmal aber auch Wochen oder Monate, in denen ihr schwerkrankes Kind im Universitätsklinikum in Behandlung ist. Weitere Informationen gibt es unter 889780.

l250 Familien wohnten in diesem Jahr im Aachener Haus. Acht Tage beträgt die durchschnittliche Verweildauer einer Familie. Die Übernachtung kostet 20 Euro, wird aber in der Regel von den Krankenkassen finanziert. Möglich ist dieses Angebot aber nur durch Spenden. Ein Spendenkonto gibt es bei der Sparkasse Aachen (BLZ 390 500 00) mit der Nummer 348888.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert