Piraten: Marc Salgert will Bürgern viel mehr Türen öffnen

Von: Matthias Hinrichs
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Internet als Chance: Marc Salgert, OB-Kandidat der Piraten, fordert mehr Basisdemokratie und Transparenz in der Politik. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Für überraschende, nachgerade verwirrend aufrichtige Antworten sind sie ja bekannt. Beim Mitschreiben kann einem trotzdem mitunter der sprichwörtliche Kitt aus der Brille fallen. Was haben die Piraten erreicht, seit sie vor fünf Jahren den ersten Ratssessel geentert haben?

„Nichts“, sagt Marc Salgert mit festem Blick, „null!“ Hoppla! Der Mann ist keineswegs Satiriker, sondern studierter Ökonom und erfolgreicher IT-Manager – und als OB-Kandidat quasi Bannerträger der jungen politischen Freibeuter-Bewegung. Wie steht‘s um persönliche Ambitionen? Auf der Bewerberliste für den Rat findet sich sein Name nicht. Ist er also nicht mehr als ein durchaus sympathisches Aushängeschild? „Kann sein“, antwortet der 38-Jährige. Und lacht.

Aber Vorsicht. Denn wie gesagt: Salgert tritt nicht an, um sich über den lokalen Polit-Betrieb lustig zu machen. Im Gegenteil. „Ja, wir haben erkennen müssen, dass wirklich relevante Entscheidungen vielfach eben nicht im Rat gefällt werden. Politik gehört aber in den Rat – nicht in den Ratskeller. Klüngel ist allzu präsent. Es ist uns leider nicht gelungen, in die echten Machtzirkel vorzudringen.“

Bedauert er das? Ja und nein. „Wir plädieren mit Nachdruck für mehr Basisdemokratie.“ Derlei hört man längst auch von den Etablierten, oder? „Nur wir haben die konsequenten Konzepte. Mit unserem Programm ,Open Antrag‘ ermöglichen wir den Menschen, ihre Anliegen zu formulieren. Wir bringen sie dann in die Gremien ein.“ Dass die nichtöffentlichen (Knack-)Punkte auf den Tagesordnungen der Ausschüsse inflationäre Ausmaße angenommen hätten, beklagt er mit spürbarer Wut. „Wir wollen, dass die Bürger zum Beispiel auch bei den Etatberatungen wirklich mitreden können.“ Das Projekt „Bürgerhaushalt“ sei da nicht mehr als ein Feigenblatt. Deshalb fordert er, dass Ratssitzungen live ins Internet gestellt werden. Und dass bei wichtigen Weichenstellungen – zum Beispiel Gewerbeansiedlung, Engagement für die Alemannia, große Bauprojekte – mehr Geld in konsequente Planung und Offenlegung investiert wird. „So könnte man verhindern, dass die Kosten später explodieren. Nur weil wir das entschieden befürchtet haben, haben wir etwa die Campus-Bahn abgelehnt.“

Das sitzt. Schwieriger wird‘s zuweilen mit der politischen Verortung in eigener Sache. „Wir verstehen uns letztlich als Linksliberale. Im Grunde lehnen wir diese Schablonen aber ab, weil sie nur Reflexe abrufen.“ An inhaltlichen Aussagen fehlt es indes nicht. „Wir wollen eine Umverteilung bei der Kultur. Dass das Theater Millionen erhält – wovon nur eine Minderheit profitiert –, kann nicht angehen, weil das auf Kosten der großen Mehrheit geht. Ich persönlich bin ein großer Kulturfan – lasst uns also darüber diskutieren!“

Mit wem würde er gehen, um Mehrheiten zu organisieren? „Koalitionen halten wir für völlig überbewertet.“ Gute Arbeit bescheinigt er dem amtierenden OB – von wegen überraschende Antworten. „In Sachen Clubs und Kneipen hat er gute Vorschläge gemacht. Anders als sein SPD-Herausforderer: Eine weitere Ghettoisierung der Kultur- und Partyszene etwa an der Jülicher Straße wäre absurd.“

An Selbstbewusstsein mangelt es also nicht. „Wir wollen Fraktionsstatus erreichen“, sagt Salgert. „Für meine OB-Kandidatur“, fügt er schmunzelnd an, „wage ich keine Prognose.“ Wir schon. Gratulationen kann Marc Salgert am 25. Mai auf jeden Fall entgegennehmen – aus allen Lagern. Und feiern darf er auch. So oder so. Am Wahlsonntag wird er 39.

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