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Pipeline: 600 Brander stürmen den Saal

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Riesiger Andrang: Rund 600 Brander strömten zum „Dialogmarkt“ in Sachen „Zeelink“-Pipeline ins Brander Pfarrhaus. Draußen wurden Unterschriften gegen eine Trassenführung durch die Brander Naturschutzgebiete gesammelt. Foto: Andreas Steindl
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Riesiger Andrang: Rund 600 Brander strömten zum „Dialogmarkt“ in Sachen „Zeelink“-Pipeline ins Brander Pfarrhaus. Draußen wurden Unterschriften gegen eine Trassenführung durch die Brander Naturschutzgebiete gesammelt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Streng genommen hätte man die Veranstaltung abblasen müssen, bevor sie überhaupt begonnen hat. Denn schon lange vor Beginn des „Dialogmarkts“ ist der kleine Brander Pfarrsaal rein brandschutztechnisch gesehen völlig überfüllt. Ein paar Minuten später sind so viele Leute da, dass es weder vor noch zurück geht.

Der Andrang ist riesig. Bis 450 hat der Veranstalter, der Essener OGE-Konzern, noch mitgezählt, aber es kommen immer mehr. Eigentlich kein Wunder, geht es an diesem Montagabend doch um eine wörtlich einschneidende Maßnahme. Denn gut möglich ist, dass die neue OGE-Pipeline „Zeelink“ in nicht ferner Zukunft die Brander Naturschutzgebiete im Indetal durchschneidet.

Der dort verlaufende Korridor jedenfalls ist der, dem die Kölner Bezirksregierung im Raumordnungsverfahren den Zuschlag erteilt hat.OGE ist mit rund 30 Leuten angerückt, denen schließlich etwa 600 Brander gegenüberstehen, um sich informieren zu lassen. Vor der Tür hat die Initiative „Keine Pipeline im Indetal“ des Brander Bürgervereins ein Zelt aufgebaut und sammelt Unterschriften. Hunderte stehen am Ende auf den Listen.

Für die OGE-Leute ist es die 14. Veranstaltung dieser Art in Städten entlang der Trasse von Eynatten bis zum Niederrhein. Routine? Nix da. Aufgrund des massiven Andrangs wird das übliche Prozedere geändert. Normalerweise wird bei den „Dialogmärkten“ an einzelnen Stationen Auskunft gegeben. Das ist auch diesmal so. Aber vorab gibt es ausnahmsweise einen kurzen Einführungsvortrag von OGE-Projektleiter Franz-Josef Kissing. Und der verkündet überraschende Neuigkeiten.

Für OGE sei jetzt die Trasse an der Autobahn 44 entlang – sie war im Raumordnungsverfahren von der Bezirksregierung noch als technisch nicht machbar eingestuft worden – die „präferierte Linienführung“. Noch vor einigen Monaten wollte OGE an diese Linienführung nicht einmal denken und hatte stattdessen eine Linie eben durch die Brander Naturschutzgebiete oder alternativ eine nördliche Route mitten durch den Aachener Wald ins Rennen geschickt.

Erst auf Druck der Stadt wurde die Autobahn-Variante noch dazugenommen. Diese hatte die Bezirksregierung noch im Jahr 2008, als RWE eine Leitung bauen wollte, als machbar eingestuft. Zwischenzeitlich habe sich da aber einiges verändert, sagt Kissing. Er könne noch nicht versprechen, dass OGE wirklich dort bauen könne. Man müsse die Gegebenheiten noch sorgfältig prüfen. „Spätestens im Sommer“ werde es Klarheit geben.

Dass es „viele, viele Probleme“ gebe, sagt er dann auch noch. Und auf Nachfrage, dass die Kosten natürlich auch einer von vielen Faktoren seien. Als Beleg, dass die A44-Lösung der Favorit sei, führt Kissing an, dass man kurz vor dem „Dialogmarkt“ noch die Grundstückseigentümer – darunter die Stadt –zum Gespräch gebeten habe. Aber nur jene an diesem Trassenverlauf. Und André Graßmann, stellvertretender Projektleiter, erklärt Bürgern an einem der Stände, die Route durch den Naturschutz sei für OGE der „worst case“.

Das hatte in einem Gespräch zwischen unserer Zeitung und OGE vergangene Woche noch etwas anders geklungen. Da hatte OGE-Sprecher Helmut Roloff bekundet, Geld spiele keine Rolle, wenn die technische Machbarkeit gegeben sei. Und er hatte eine ganze Latte von Problemen aufgezählt – vom „Brander Wall“, der quasi im Weg steht, über das mit Altlasten verseuchte Camp Hitfeld bis hin zur Unterquerung der Trierer Straße. Dennoch werde man das alles prüfen. Nach „präferierter Linienführung“ klang das – anders als Montagabend – keineswegs.

Eine Erklärung hat Kissing für die 600 Brander parat: „In diesem Artikel stimmte nur, dass wir bis 2021 fertig sein wollen.“ Auf nochmalige AZ-Nachfrage, ob die in diesem Artikel transportierten Informationen aus der Vorwoche noch Stand der Dinge seien, sagt OGE-Sprecher Roloff hingegen: „Das ist der Stand der Dinge.“

So oder so: Marianne Krott als Sprecherin der Bürgerinitiative gibt den OGE-Leuten mit, dass sie bei einer Trasse durch den Naturschutz mit, freundlich gesagt, „Hindernissen“ zu rechnen haben, die den „sportlichen Zeitplan bis 2021“ ins Wanken bringen könnten. Man werde alle „demokratischen und rechtlichen Möglichkeiten nutzen“. Die OGE-Leute werden nach diesem Auflauf im kleinen Brander Pfarrhaus keinen Zweifel an dieser Aussage hegen.

Zum Thema Wahrheit und Klarheit: Einen Stand zur bisherigen OGE-„Vorzugstrasse“ durch die Naturschutzgebiete, also dem Stein des Anstoßes, sucht man bei diesem „Dialogmarkt“ – außer in der außerplanmäßigen Kurzpräsentation zu Beginn – vergebens.

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