„Pimp my Pocket-Bike“: Vorurteile abbauen und Mädchen für Technik begeistern

Von: Katharina Menne
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Glückliche Gesichter in Kasteel Vaalsbroek: Schülerinnen präsentierten, wie fit sie bei der Montage der Mini-Motorräder sind. Da staunten Lutz Eckstein, Gisela Engeln-Müllges und Jens Zier (v.r.) nicht schlecht. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Vaals. Applaus im Kasteel Vaalsbroek. Bei der Abschlussveranstaltung des Rotary-Projekts „Pimp my Pocket-Bike“ geben die zwölf teilnehmenden Mädchen bei ihren Präsentationen noch einmal alles. Detailliert erklären die 13- und 14-jährigen Schülerinnen ihrem Publikum wie sie in Dreiergruppen die „Pocket-Bike“ genannten Mini-Motorräder auseinander genommen, optimiert, lackiert und wieder zusammengebaut haben.

Am Dienstag werden die schick designten Zweiräder von einer Jury prämiert und anschließend versteigert. Der Erlös soll wieder für ähnliche Projekte eingesetzt werden.

Das Projekt ist eine Kooperation des Rotary Clubs Aachen-Charlemagne mit dem Institut für Kraftfahrzeuge Aachen (ika) der RWTH und bereits das dritte seiner Art. Ziel der ungefähr alle zwei Jahre stattfindenden Projekte mit wechselnden Themen ist es, mehr Mädchen für technische Berufe zu begeistern. „Man muss Mädchen schon früh gezielt an Technik und an technische Berufe heranführen, damit sie herausfinden können, ob es ihnen Spaß macht. Es gibt einfach viel zu viele gesellschaftliche Vorurteile“, sagt Ruth Crumbach-Trommler, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Rotary Clubs.

Unterstützung durch Studenten

Und das Konzept scheint aufgegangen. „Es hat sehr viel Spaß gemacht, die Mini-Motorräder auseinander zu bauen, zu besprühen und wieder zusammenzubauen. Das hätte ich vorher nicht gedacht, dass mich das so packen würde. Besonders die Testfahrt war richtig cool – wenn auch etwas wacklig“, fasst Lilian Dresse vom St.-Ursula-Gymnasium ihre Erlebnisse zusammen. Zusammen mit ihren Mitstreiterinnen Greta Rosner und Pia Faber gehört sie zum Team „Supergirls“. Die zweite teilnehmende Gruppe der Aachener Mädchenschule hat ihr Fahrzeug „Erlkönig“ getauft, das Bike der Viktoriaschule heißt „Devil“ und die Maschine des Couven-Gymnasiums ist namenlos geblieben.

„Es ist fantastisch, was die vier Teams geleistet haben. Alle vier Maschinen funktionieren und sehen richtig schick aus“, lobt Prof. Lutz Eckstein vom ika die Schülerinnen. Auch ihm ist es ein besonderes Anliegen, Vorurteile abzubauen, um die Zahl der weiblichen Studierenden in den ingenieurwissenschaftlichen Fächern zu steigern. Als gute Gegenbeispiele für das in der Gesellschaft verankerte Klischee, nur Männer würden Maschinenbau studieren, bekamen die Mädchen in der Praxisphase Unterstützung von vier Maschinenbau-Studentinnen. Und die sind sichtlich stolz auf ihre Schützlinge.

Stolz auf die Mädchen ist auch die Berufsdienst-Vorsitzende des Rotary Clubs und ehemalige stellvertretende Rektorin der FH Aachen, Prof. Gisela Engeln-Müllges. „Es ist schon faszinierend zu sehen, wie jedes Team eine eigene Strategie entwickelt hat, zu jeder Schraube wieder das passende Loch zu finden, sodass die Motorräder auch wieder funktionieren. Man merkt auch, dass das Gefühl, etwas geschafft zu haben, zu einem ganz anderen Selbstverständnis bei den Mädchen geführt hat.“ Zusammen mit Prof. Lutz Eckstein und Prof. Alexander Markschies ist sie Teil der Jury, die das Gesamtergebnis bewertet.

Denn es geht nicht nur darum, dass die Pocket-Bikes schick aussehen und funktionieren, sondern auch um die Ausführungsqualität sowie die Dokumentation und Präsentation der Ergebnisse. Der abschließenden Beurteilung der Jury ist anzumerken, dass die Entscheidung nicht leicht fiel: Sie kommen zu dem Schluss, dass jede Gruppe in genau einem Kriterium besonders herausragend war.

Die Supergirls bekommen den Preis für die beste Gestaltung und Ausführung, das Team „Erlkönig“ hat seine Ergebnisse am besten präsentiert, die Schülerinnen der Viktoriaschule gewinnen die Kategorie höchste Kreativität und die Mädchen des Couven-Gymnasiums erhalten den Preis für die beste Technik und Funktion. „Eigentlich waren alle super“, begründet Markschies.

3250 Euro bei Versteigerung

Mehr als über die Urkunden freuen sich die Mädchen über die Werkzeugkästen, die die Jury ihnen überreicht. „Ich wollte schon immer mal meinen eigenen haben. Dann muss ich nicht für jeden Schraubenzieher meinen Papa fragen“, lacht Pia Faber. Der Rotary-Club freut sich dagegen über die 3250 Euro, die bei der Versteigerung erzielt werden konnten. Das nächste Projekt ist damit gesichert.

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