Aachen - Pilotprojekt: HIV und Hepatitis früh erkennen

Pilotprojekt: HIV und Hepatitis früh erkennen

Von: Rolf Hohl
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Aachen. Der medizinische Fortschritt und die – wenn auch langsam – wachsende gesellschaftliche Akzeptanz ermöglichen HIV-Infizierten und an Aids erkrankten Menschen mittlerweile ein fast normales Leben. Vorausgesetzt, sie wissen um ihre Infizierung oder Erkrankung.

Gerade das ist jedoch längst keine Selbstverständlichkeit: Laut Studien des Robert-Koch-Instituts weiß etwa jeder Siebte der rund 85.000 HIV-Betroffenen in Deutschland nicht um seine Infektion. Ein Pilotprojekt des Seminarwerks und der Aids-Hilfe Aachen sollen diesem auch in der Städteregion anhaltenden Missstand nun entgegenwirken. In den Räumen des Queer-Referats der Aachener Hochschulen können sich Risikogruppen für einen kleinen Unkostenbeitrag von fünf Euro auf Hepatitis C, HIV und Syphilis testen lassen.

Schon nach einer Viertelstunde liegt dann das Testergebnis vor, was nicht nur Gewissheit über den eigenen Gesundheitszustand bedeutet, sondern im Fall einer Infektion oder Erkrankung auch Zugang zu entsprechenden Behandlungen ermöglicht. Für den späteren Therapieerfolg sei aber gerade der möglichst frühe Zeitpunkt der Diagnose entscheidend, so Daniel Beer, Facharzt für Innere Medizin. „Leider reagieren selbst Ärzte häufig nicht auf erste Symptome oder Hinweiserkrankungen. Wenn beispielsweise ein junger Mensch schon an einer Gürtelrose leidet, kann das ein Indiz sein, dem man nachgehen muss.“

Das nun gestartete Projekt „Test2Multiply“ setzt jedoch insbesondere auf die Eigenverantwortung, wobei Männer, die sexuelle Kontakte zu anderen Männern pflegen, die größte Risikogruppe darstellen, wie Beer sagt. Nach einer „Risikosituation“ seien diese mit dem Schnelltest in der Lage, schnell Gewissheit zu erlangen und damit auch weiteren Infektionen vorzubeugen. Auch die Anonymität spiele hier eine wichtige Rolle, die bei solchen niederschwelligen „Checkpoints“ eher gegeben sei.

Immer mehr Schnelltests

Rund 30.000 Schnelltests werden inzwischen jedes Jahr deutschlandweit von diesen Anlaufstellen durchgeführt. Damit dies noch zunimmt, bekommt jeder, der sich nun beim Queer-Referat testen lässt, einige Visitenkarten. „Das soll funktionieren wie ein Schneeballsystem, indem jeder seinen Sexualpartnern eine solche Karte mitgibt und sich diese dann ebenfalls testen lassen“, erklärt der Internist Heribert Knechten, der mit Beer das Projekt medizinisch begleitet.

Dieses ist nun vorerst für ein Jahr angelegt, in dem sich zeigen muss, wie die Initiative angenommen wird. Der nächste Termin für Schnelltests ist am 28. März ab 19 Uhr in den Räumen des Queer-Referats in der Aachener Trichtergasse 12. Die weiteren Testtermine werden jeweils auf der Internetseite veröffentlicht unter: www.test2multiply.de.

 

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