Aachen - Pilgerweg: Besinnung im Zeichen aktueller Krisen

Pilgerweg: Besinnung im Zeichen aktueller Krisen

Von: Rauke Xenia Bornefeld
Letzte Aktualisierung:
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4. Ökumenischer Pilgerweg: Unter dem Motto „Keiner geht allein – Schritte zu mehr Menschlichkeit“ wanderten 200 Gläubige vom Aachener Norden bis in die Innenstadt. Foto: Andreas Steindl
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Aussendungsgottesdienst an der Kapelle unterhalb des Haarener Kreuzes (hinten links): Den Gläubigen waren blauer Himmel und Sonne gegönnt.

Aachen. Das Haarener Kreuz ist weithin sichtbar und begleitet alle Autobahnreisenden aus dem Talkessel hinaus oder in ihn hinein. Doch nur die direkten Anwohner von Haaren und Verlautenheide sind hier wohl regelmäßig unterwegs.

„Man sieht es ständig, doch bisher war es immer beim ‚man müsste mal‘ geblieben“, gab auch Andreas Schmeitz zu, dass er bislang nicht den Weg auf Haarens höchste Erhebung gefunden hatte. Grund genug für den Pilger-Scout des Organisatorenteams des Ökumenischen Pilgerwegs – zusammen mit Kollege Walter Nett –, das bekannte Unbekannte als Startpunkt der diesjährigen 4. Auflage festzulegen.

Nach dem Aussendungsgottesdienst an der Friedenskapelle mit guten Blick auf die ganze Stadt machten sich am Samstag die rund 200 Pilger auf den acht Kilometer langen Weg über den Stadtteil Haaren, an der Wurm entlang, durch das Stadtteilerneuerungsgebiet Rehmviertel, am Elisenbrunnen vorbei bis zur griechisch-orthodoxen Kirche Hagios Dimitrios in der Nähe des Domes. Zwar strahlten die 200 Pilger mit der Sonne um die Wette, doch der Hintergrund des Ökumenischen Pilgerwegs ist ein ernstes Anliegen. Für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung treten die Pilger aller christlichen Konfessionen ein.

Da dies in diesen Tagen unumgänglich mit dem Schicksal von Geflüchteten in Verbindung steht, hatten die Organisatoren das Motto „Keiner geht allein“ gewählt und damit die Themen Flucht, Leid durch Krieg, Hunger und Vertreibung sowie den Neuanfang in den Mittelpunkt der gedanklichen Impulse gerückt. Während Superintendent Hans-Peter Bruckhoff auf dem Haarberg die Flüchtlingspolitik der Europäischen Union kritisierte, legte Maria Klatte vom Hilfswerk Misereor an der Welschen Mühle in Haaren den Schwerpunkt auf die Fluchtursa-chen: „Konflikte um Wasser werden zunehmend wahrscheinlicher.“ Schuld daran sei auch der Klimawandel, „an dem wir durch unseren Lebenswandel einen entscheidenden Anteil tragen“.

Dass Flucht jenseits von Zahlen ein Gesicht hat, machte das Schicksal eines unbegleiteten minderjährigen Flüchtlings am Rehmplatz deutlich: „Er durfte in seiner Heimat Afghanistan nur zwei Jahre zur Koranschule gehen. Er hat seine Kindheit nicht mit Spielen, sondern mit Arbeit verbracht. In seiner Familie wurde er nicht akzeptiert. Davor ist er geflohen – allein und ohne Unterstützung – und ist nun froh, dass er hier so warmherzig aufgenommen wurde“, erzählte Anahid Younessi, die den jungen Flüchtling im evangelischen Martin-Luther-Haus betreut.

Die dritte Wegestation am Elisenbrunnen stand unter der Frage nach „Gerechtigkeit und Teilhabe für alle“. In der Schlussandacht in der griechisch-orthodoxen Kirche wurde der ökumenische Gedanke – Christen aller Konfessionen treten für ein gemeinsames Ziel ein – besonders im Fürbittengebet, gesprochen von Vertretern der neun Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Aachen, deutlich.

Dass dies immer wichtiger wird, betonte Pfarrer Rolf-Peter Cremer, Domkapitular und Pfarradministrator der Pfarrgemeinde Christus unser Bruder: „In den grundlegenden Fragen der Gesellschaft brauchen wir mehr denn je eine gemeinsame Stimme der Kirchen.“ Dass Angebote wie der Ökumenische Pilgerweg auch eine Chance für die Kirchen sind, betonte Christa Nickels, ehemalige Bundestagsabgeordnete der Grünen, Staatssekretärin und engagierte Katholikin, die auch im Organisatorenteam mitwirkt: „Kirche macht als Institution schwere Zeiten durch. Deshalb dürfen wir uns aber nicht einigeln, sondern müssen raus zu den Menschen gehen.“

Und diese Form des christlichen Glaubens machte den Pilgern trotz des ernsten Anliegens Spaß – nicht nur wegen der schmackhaften Pilgerprinte, des frischen Kaffees vom Kaffeemobil des Stadteilprojektes Nord und des Kaiserwetters.

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