Eilendorf - „Picknick“ gegen rechte Demo in Eilendorf

„Picknick“ gegen rechte Demo in Eilendorf

Von: Matthias Hinrichs
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Am Samstag mit Sicherheit nicht „verwaist“: Zwei städtische Häuser an der Hansmannstraße werden in Kürze als Unterkünfte für Flüchtlinge hergerichtet. Das Eilendorfer „Bündnis für Integration“ will ein klares Signal gegen rechts motivierte Proteste setzen. Foto: Michael Jaspers

Eilendorf. Noch stehen die städtischen Objekte in der Hansmann-straße leer – nicht nur unmittelbar vor der Haustür dürften am Wochenende allerdings mindestens etliche hundert Menschen unterwegs sein. Die Stadt will in Eilendorf bekanntlich Wohnungen für Flüchtlinge einrichten. Prompt hat die rechtspopulistische Partei „Pro NRW“ für Samstag eine Kundgebung vor Ort angemeldet.

20 bis 25 Aktive wollen ab 14 Uhr im Rahmen einer landesweiten sogenannten „Volksinitiative gegen Asylmissbrauch“ in der Hansmannstraße demonstrieren. Unterdessen hat sich einmal mehr eine weit gespannte Union aus Kirchen, Parteien, Vereinen und Bürgern zusammengeschlossen, um rechten Umtrieben im Stadtteil Paroli zu bieten, Toleranz und Solidarität eine gemeinsame Plattform zu geben: Das frisch gegründete „Eilendorfer Bündnis für Integration“ will am Samstagmittag ab 13.30 Uhr mit einem Picknick auf dem Spielplatz an der Ecke Severinstraße/Betzelter Straße ein deutliches Ausrufezeichen setzen. Auch die Polizei wird folglich mit einem Großaufgebot im Einsatz sein, berichtet Präsidiumssprecher Paul Kemen. Denn nicht weniger als fünf Kundgebungen – darunter eine Demo der kürzlich gegründeten neonazistischen Splitterpartei „Die Rechte“ – sind am 16. März geplant.

Großer Schulterschluss

„Von dem Fest am Spielplatz soll ein Signal ausgehen, dass Flüchtlinge willkommen sind“, unterstrich Bürgermeisterin Hilde Scheidt (Grüne). Von anfänglichen politischen Querelen im Zusammenhang mit der Unterbringung von Asylberwerbern im Stadtteil (wir berichteten) sei längst keine Rede mehr: „Sämtliche Parteien aus der Bezirksvertretung stehen hinter dieser Aktion. Und wir werden mit einem Unterstützerbrief um weitere Solidarität werben.“

Ins Leben gerufen wurde das Bündnis unter anderem von Beate Jahn, Leiterin der Victor-Frankl-Schule, die in Eilendorf wohnt, dem Arbeitskreis St. Severin mit Pfarrer Gregor Huben sowie dessen evangelischem Amtsbruder Hans Christian Johnsen. Oberbürgermeister Marcel Philipp hat die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen, so Scheidt. „Wir verstehen das Picknick allerdings nicht in erster Linie als Gegenkundgebung. Wir wollen einfach zeigen, dass alle Menschen in Eilendorf den freundschaftlichen Umgang pflegen und gern gemeinsam feiern“, sagte Pfarrer Huben.

Gleichwohl werden die Ordnungshüter mit Sicherheit weit mehr als ein Auge auf die Situation rund um die Hansmannstraße werfen – und möglicherweise nicht nur dort. Die „Sozialistische deutsche Arbeiterjugend“ (SDAJ) hat eine Gegendemo mit 100 Teilnehmern angemeldet, berichtet Polizeisprecher Kemen. Zudem plane eine Privatperson eine weitere Kundgebung mit nochmals 100 „antifaschistischen“ Teilnehmern. Schließlich habe die neonazistischen „Rechte“ eine Demonstration beantragt. In der Region Aachen wird die Partei, die als neues Sammelbecken einschlägiger „Kameradschaften“ gilt, von André Plum, einem ehemals maßgeblichen Wortführer der inzwischen verbotenen rechtsradikalen „Kameradschaft Aachener Land“, geführt.

Ob der Aufmarsch genehmigt wird, konnte Kemen allerdings noch nicht sagen. Bislang lägen noch keine näheren Angaben etwa im Hinblick auf Ort und Zeit vor. Nach AZ-Informationen wollen die Neonazis am Elisenbrunnen mobilmachen. „Offenbar gibt es keinen direkten Zusammenhang mit der ,Pro NRW‘-Veranstaltung“, erklärte LAP-Sprecher Dominik Clemens. Vielmehr richte sich der Aufmarsch gegen einen aktuellen Prozess gegen Gesinnungsgenossen aus dem Umfeld des ultrarechten „Aktionsbüros Mittelrhein“ in Koblenz.

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