Pianist Saleem Abboud Ashkar begeistert mit Beethoven

Von: Thomas Beaujean
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Beethoven im Krönungssaal: Eine außergewöhnliches Benefizkonzert erlebten Zuhörer mit dem Pianisten Saleem Abboud Ashkar. Foto: A. Steindl

Aachen. Wenn der Lions Club Aachen Aquisgranum als Veranstalter eines Konzertes auftritt, dann ist klar, dass es sich um ein Benefiz-Konzert handelt, dessen Erlös einem karitativen Zweck zugute kommt. So war es auch beim Klavierabend mit Saleem Abboud Ashkar, einem in Nazareth geborenen christlichen Palästinenser mit israelischem Pass, der heute in seiner Wahlheimat Berlin lebt und inzwischen eine große internationale Karriere gemacht hat, die ihn mit großen Orchestern und Dirigenten zusammenführte.

Es war der zweite Versuch, den jungen Pianisten nach Aachen zu holen, nachdem der erste 2010 im letzten Moment an der Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull, die den Flugverkehr in ganz Europa lahmgelegt hatte, gescheitert war.

Immerhin hatte Ashkar damals einen Ersatz stellen können. Diesmal war er leibhaftig da und sorgte mit einem reinen Beethoven-Programm für einen gut gefüllten Krönungssaal. Der Erlös des Konzertes kommt, wie der Präsident des Lions Clubs Peter Behrens erläuterte, dem Baby-Hospital in Bethlehem zugute.

Brigitta Hagel von der Caritas-Zentrale in Freiburg und Vorstandsmitglied des Baby-Hospitals, schilderte dem Publikum Ziele und Arbeitsweise der Kinderhilfe Bethlehem, die zu 85 Prozent mit Spendengeldern finanziert wird.

Saleem Abboud Ashkar mutete dem Publikum mit zwei Sonaten aus der mittleren und der großen „Hammerklavier-Sonate“ aus der späten Schaffensperiode Beethovens vor allem im zweiten Konzertteil einiges zu.

Die Sonaten Nr. 24 Fis-Dur und 25 G-Dur, eher entspannte, stilistisch und formal weniger ambitionierte Werke des immer auf dem Wege zu Neuem wandelnden Komponisten, stehen in schroffem Gegensatz zu der gewaltigen, sämtliche Dimensionen einer Klaviersonate sprengenden Hammerklavier-Sonate B-Dur, die Pianisten wie Hörer bis heute bis auf das Äußerste fordert.

Ashkar bewies bereits im ersten Teil, dass er ein Beethoven-Interpret von höchster Kompetenz ist, spieltechnisch souverän, mit einem differenzierten Anschlag versehen, mit leuchtkräftigem Diskant und robustem Zugriff, aber ebenso feinsten Zwischentönen und kantabler Melodiegestaltung.

Welch großer Künstler er ist, das zeigte seine Wiedergabe der Hammerklavier-Sonate, deren technische Ansprüche immens sind. Aber nicht nur dies: Wer über die ungeheuren Ausmaße des wie improvisiert wirkenden Adagios einen solchen Spannungsbogen wölben kann, wer die geradezu utopisch anmutende Schlussfuge mit einer solchen, immer kontrollierten Verve, meistert, der ist weit mehr als ein Tastenlöwe: Der ist ein großer Musiker.

Seine beiden Zugaben, Chopins Nocturne H-Dur und Schumanns „Träumerei“ spielte er schon am Schluss des ersten Teils. Nach der Hammerklavier-Sonate kann es keine Zugebe mehr geben, wie Ashkar in seinen bewegenden Schlussworten erklärte. Stehende Ovationen des Publikums gab es am Ende des Konzertes für einen außergewöhnlichen Künstler.

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