Photovoltaik kostet Bauern sehr viel Energie - und Geld

Von: Thorsten Karbach
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Steht endlich in der Sonne: Die Photovoltaikanlage auf der Scheune des denkmalgeschützten Guts Romerich in Nütheim. Foto: Andreas Steindl

Nütheim. Der Weg zu den Photovoltaikanlage auf den Dächern von Stall und Wohnhaus hat Landwirt Josef Kratzenberg viel Energie gekostet. Und viel Geld. Fast 68.000 Euro hat er in die 210 Quadratmeter umfassende „Sotech”-Anlage investiert.

Seit Februar läuft sie. Doch wurde sie bereits Anfang Oktober 2010 beantragt. Damals rechnete Kratzenberg mit einer Einspeisevergütung von 43 Cent pro Kilowattstunde. Doch anderthalb Jahre später sind die Preise gesunken, und Kratzenberg wird mit 24 Cent pro Kilowattstunde abgespeist. „Da fehlt mir jetzt schon ein ganzer Haufen Geld”, sagt er.

Eigentlich ist es schon der zweite Anlauf für die Solaranlage auf dem historischen Hof. Gut Romerich heißt er, geht auf das Jahr 1250 zurück. 755 Jahre nach Bau des Wohnhauses, also 2005, stellte Kratzenberg den ersten Antrag auf eine Photovoltaikanlage. Der wurde von der Unteren Denkmalschutzbehörde abgelehnt. 2010 sieht das anders aus, doch ist weit mehr nötig als das Wohlwollen dieser Behörde, um auf das Dach eines denkmalgeschützten Gutshofs solch eine umweltfreundliche Technologie zu montieren. „Plötzlich ging es nur noch um Paragrafen”, sagt er verärgert.

In einem dicken Aktenordner hat er den Schriftverkehr festgehalten, der ihn immer wieder aufhielt, bremste und blockierte. „Bei Neubetrieben gibt es keine Bedenken für solche Anlagen. Aber bei mir? Das kann doch nicht richtig sein”, erklärt Kratzenberg. „Das stinkt mir gewaltig.”

Am 1. Oktober 2010 beginnt Kratzenbergs Reise durch die Instanzen. Untere Denkmalschutzbehörde, Obere Denkmalschutzbehörde, Landschaftsverband, Bezirksregierung, Landwirtschaftskammer, Ämter, sogar Ministerien müssen dem Plan Kratzenbergs letztlich zustimmen. Immer wieder muss er Nachfragen beantworten, Zahlen vorlegen, Berechnungen aufweisen. Tage, Wochen, Monate gingen so verloren. Im Juni 2011 wurde ihm schriftlich eine zeitnahe Entscheidung versprochen. Und er wartete und wartete weiter. Köln, Düsseldorf, Berlin - irgendwo gab es einen Schreibtisch, auf dem über den 31-Hektar-Hof mit den 45 Milchkühen plus Jungvieh im beschaulichen Nütheim geurteilt wurde. Und er musste zusehen, wie die Einspeisevergütung immer weiter abnahm: 38 Cent, 32 Cent, 28 Cent. „Ich sah meine Felle davon schwimmen”, sagt er. „Das kann doch nicht gerecht sein.”

Das Problem ist bekannt, die Situation aber unverändert. In einem Brief des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes heißt es: „Die Bestimmungen des Denkmalschutz-Gesetzes NRW stellen für viele Landwirte im Rheinland, die Eigentümer einer historischen Hofstelle sind, eine sehr starke Belastung dar.” Mitte September 2011 bekam Kratzenberg dann seine „Erlaubnis zur Veränderung”, die Anlage konnte aufgebaut werden. „Ich habe immer gewusst, dass dies das Richtige für meinen Hof ist. Ich hatte mir den Weg dorthin aber leichter vorgestellt”, erklärt er und beobachtet den Zähler, der dokumentiert, wie viel Strom er an die Stawag abgibt, während über seinem Hof die Sonne scheint. „Jeder will regenerative Energien. Warum wird mir dies so schwer gemacht?”

Ende Februar bekam Josef Kratzenberg dann noch ein Schreiben - von der Unteren Denkmalschutzbehörde. „Wir freuen uns nach diesem langen Verfahren aufrichtig mit Ihnen, nun durch die Einpeisevergütung einen finanziellen Beitrag zum Erhalt Ihrer Landwirtschaft und damit zum Erhalt des Baudenkmals erzielt zu haben”, steht darin. Und: „Dieser langwierige und von verschiedenen Auffassungen geprägte Entscheidungsprozess war für keinen der Beteiligten erfreulich und hat Kraft gekostet.” Und Geld. Und Energie.
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