Aachen - Photovoltaik auf der Solarfirma verboten

Photovoltaik auf der Solarfirma verboten

Von: Robert Esser
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Etwa 120 Jahre alt: Peter Herd
Etwa 120 Jahre alt: Peter Herdlitschke veredelt die historische Scheune des Hochgrundhauses an der Lütticher Straße. Foto: Robert Esser

Aachen. Steinaltes frisst Schotter - vor allem wenn die Obere Denkmalbehörde mauert. Dieses grausige Bild malt gerade Peter Herdlitschke. Es passt.

Der Unternehmer saniert, rekonstruiert und erbaut seit einem Jahr in einer denkmalgeschützten, völlig maroden Scheune des Hochgrundhauses an der Lütticher Straße eine Privatwohnung und Geschäftsräume für seine Firma „Remember Solartechnik”. 400.000 Euro hat er bereits in das clevere „Haus-im-Haus-Projekt” gesteckt - und noch mehr Nerven.

Denn Ingenieur Herdlitschke, der zur Freude des Aachener Denkmalschutzes und der hiesigen Baubehörden aus der 120 Jahre alten Baracke ein schmuckes Domizil für seine Solarfirma macht, darf weder Photovoltaik- noch Solarthermik-Anlagen auf sein brandneues Dach pflanzen. Dabei würde man die Öko-Technik auf der Ostseite von der Straße aus gar nicht sehen. Und der Aachener Denkmalschutz unter der Leitung von Monika Krücken hätte laut Herdlitschke wohl auch gar nichts dagegen gehabt. „Darum kann ich die kategorische Ablehnung der Oberen Denkmalbehörde in Düsseldorf überhaupt nicht nachvollziehen - doch die haben wohl das letzte Wort”, ärgert sich der Experte. Entgegen stünden gesetzliche Vorschriften, hieß es.

Solche Paragrafen-Reiterei ist wohl mitverantwortlich dafür, dass sich private Bauherren kaum an Denkmalgeschütztes herantrauen. Die Vorgaben sind streng, die Kosten schwer kalkulierbar. So verrotten etwa die Ruine des Herrenhauses Gut Kaisersruh aus dem frühen 19. Jahrhundert an der Krefelder Straße und das fast 260 Jahre alte Gutshaus Aachen-Bildchen an der Lütticher Straße 599 weiterhin trostlos am Stadtrand.

Anderswo tut sich was: Dank des erfahrenen Architekten Hans Lennartz scheint der Wiederaufbau der Niersteiner Burg in Laurensberg nach langem Stillstand Fahrt aufzunehmen. Vor elf Jahren hatte der Eigentümer nach heftigen Auseinandersetzungen mit dem Denkmalschutz große Teile des Hofs aus dem 16. Jahrhundert mit einem Bagger eingerissen - was ihn 90.000 Euro Bußgeld kostete. Jetzt glückt der Schulterschluss mit den Denkmalwächtern, die in Aachen 3570 Einzeldenkmäler im Visier haben.

Damit liegt man etwas über dem bundesweiten Durchschnitt von zwei Prozent des gesamten Gebäudebestands. Und der Niersteiner Hof gilt als besonders wertvoll. „Er ist von immenser Bedeutung für die Stadtgeschichte, sein Vorgänger diente an gleicher Stelle schon vor mehr als 1000 Jahren zur Versorgung der Kaiserpfalz”, erläutert Denkmalschützerin Krücken. Stein für Stein soll die Anlage rekonstruiert werden - dabei sei es gar nicht tragisch, dass man an der Beschaffenheit der Grauwacke Alt und Neu im Mauerwerk unterscheiden könne, sagt Krücken.

Neue Bauanträge sind gerade unterwegs. „Die Kooperation mit den städtischen Behörden läuft vorzüglich”, lobt Architekt Lennartz. Reibungslos gelingt offenbar auch die Restaurierung des barocken Geschäftshauses an der Pontstraße 5, das kurz nach dem Stadtbrand 1656 errichtet wurde und als „Lennet Kann” bekannt wird. Der Privateigentümer darf sich über Fördermittel der Bezirksregierung freuen. Auf derlei Zuwendungen wartet Herdlitschke noch. Auch wenn für den Denkmalschutz die Sonne aufgeht: „Der architektonische Wurf verbindet die historische Front perfekt mit modernen Fensterschlitzen”, lobt Krücken Herdlitschkes Arbeit. Heute verglasen die Handwerker das alte Scheunentor. Steinalt, für viel Schotter. Mauern lässt er lieber seine eigenen Handwerker.
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