Phospor-Theater: Der Wahnsinn auf der Bühne

Von: Kristina Toussaint
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„Lenz“ im Theater 99: Darsteller und Regisseur Raphael Fachner hat Büchners Novelle fürs Phosphor-Theater inszeniert. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Heute attestieren Psychologen dem Sturm-und-Drang-Autoren Jakob Michael Reinhold Lenz eine paranoide Schizophrenie. Eine solch konkrete Diagnose konnte Georg Büchner seinerzeit nicht stellen – dennoch gibt seine Novelle „Lenz“ einen anschaulichen Einblick in die gespaltene Gefühlswelt des Schriftstellers.

Das Phosphor-Theater bringt diesen im Januar eindrucksvoll auf die Bühne.

Der 26-jährige Lenz wird 1777 zum evangelischen Pfarrer Oberlin geschickt, um seine zerrissene Psyche heilen zu lassen. Doch statt in der Religion Halt zu finden, wird sein geistiger Zustand immer schlimmer. Die Berichte des Pfarrers finden zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen neuen Leser: Der naturwissenschaftlich interessierte Büchner ist fasziniert vom Wahnsinn des Autors und veröffentlicht 1835 die Erzählung „Lenz“.

Die Novelle, im Deutschunterricht häufig von Schülern ab der zehnten Klasse gelesen, gilt heute als ein Schlüsseltext der Moderne. Büchner wendete sich gegen die seinerzeit in der Literatur vorherrschende Romantik und nutzte erste expressionistische Elemente, weiß Katja Kuhlmann vom Phosphor-Theater. „Büchner zeigt naturalistisch das Schöne und das Hässliche, das beides dazu gehört und dass es gut so ist.“ J.M.R. Lenz als Antiheld, der nicht gesund ist. „Heute würde man schizophren sagen, doch Lenz ist auch ein sehr sensitiver Mensch, der die Natur um sich herum genau wahr nimmt“, so Kuhlmann.

Das Phosphor-Theater ist eine freie, professionelle Theatergruppe, die sich 2013 in Aachen gegründet hat. Unter der Regie Raphael Fachners wurde Büchners Novelle in Szenen gegliedert und in einen mitreißenden Monolog transformiert. Die szenische Lesung ermöglicht einen direkten Zugang zu Büchners Text. Dabei bleibt offen, ob die Handlung real ist oder im Kopf des Protagonisten stattfindet.

Fachner, der sich selbst als „Bücher-Fan“ bezeichnet, agiert in der Rolle des Lenz. Lenz‘ Monolog wird unterbrochen, befeuert, gebremst von einem Erzähler und vom Auftauchen einzelner Figuren wie dem Therapeuten Oberlin. Alle diese Rollen werden hervorragend verkörpert von Andreas von Zedlitz.

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