Aachen - Phosphor-Theater präsentiert Grumbergs „Entweder...oder“

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Phosphor-Theater präsentiert Grumbergs „Entweder...oder“

Von: Jessica Jumpertz
Letzte Aktualisierung:
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„Entweder...oder?“: Dieser Frage gehen die Darsteller des Phosphor-Theaters im Theater 99 nach. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Zwei Nachbarn treffen sich im Eingangsflur ihres Hauses. Der eine fragt den anderen, ob er einen Moment Zeit habe. Obwohl der eigentlich in Eile ist, bleibt er für einen Moment stehen. Diesen nutzt der erste, um seinem Nachbarn folgende Frage zu stellen: „Sind Sie Jude?“

Mit dieser Frage beginnt eine turbulente Diskussion um Klischees und Verallgemeinerungen, aber auch Verständnis und Annäherung. Das Phosphor-Theater bringt das Stück „Entweder…oder?!“ des französischen Autors Jean-Claude Grumberg am Samstag, 12. August, in der Klangbrücke erstmals auf die Bretter.

Das Stück wird an diesem Abend in deutscher Erstaufführung gezeigt. Vor einem minimalistischen Bühnenbild, bestehend aus Wohnungstüren mit abstrakter Bemalung und mehreren Briefkästen, gibt ein Wort das andere. Das Problem wird von Anfang an deutlich: Person A hat nur Halbwissen aus dem Internet über das Judentum, die jüdische Kultur und Geschichte. Damit treibt er Person B zur Weißglut.

Letztere versucht, ihm zu erklären, dass seine Vorstellungen zuweilen allenfalls Klischees entsprechen. Die Diskussion der beiden Nachbarn verkompliziert sich noch dadurch, dass A nicht einleuchten will, wie B gleichzeitig jüdisch und französisch sein könne. Ist B nun ein französischer Jude oder ein jüdischer Franzose – und A ein katholischer Franzose oder ein französischer Katholik? Während beide diskutieren, erklärt B, dass er eigentlich sogar Atheist sei...

Das Stück ist temporeich und turbulent, konfrontiert den Zuschauer mit Klischees zu Religion und Kultur und zeigt, wie schnell komplizierte Dinge vereinfacht werden. So wird beispielsweise auch der Nahostkonflikt thematisiert, in dem der eine Nachbar den anderen mit dafür verantwortlich macht.

Durch die Klischees, die in den Diskussionen der beiden Nachbarn aufgezeigt werden und die Person B versucht, durch eine breitere Sicht durch Geschichte, Politik und persönliche Informationen zu widerlegen, ist der Zuschauer aufgefordert, darüber nachzudenken und Dinge zu hinterfragen. „Dieses Stück bietet keine Antworten, sondern wirft einem die ganzen Pauschalisierungen entgegen und sagt: Bilde dir deine eigene Meinung“, erklärt Raphael Fachner, Regisseur und Darsteller der Person B. Das Stück ist auch ein Appell zum Dialog und zur interkulturellen Verständigung, denn im Endeffekt lernen die beiden Charaktere sich durch ihre Diskussionen besser kennen und verstehen.

Wegen gesundheitlich bedingter Gründe müssen die Septembertermine des Stücks leider ausfallen. Person A wird für die beiden Augusttermine von Hans-Jürgen Helsig gespielt, der als Gast beim Phosphor-Theater mitwirkt. „Was mich immer sehr anspricht, sind die zwischenmenschlichen Dimensionen“, sagt er zu seinem Eindruck von dem Stück. Ihn interessierte vor allem die Entwicklung und Interaktion der Charaktere.

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