Aachen - Phosphor-Theater: Jens Eisenbeiser überzeugt bei Ein-Personen-Stück

Phosphor-Theater: Jens Eisenbeiser überzeugt bei Ein-Personen-Stück

Von: Julia Gröbbels
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Aachen. „Ich eröffne diesen Abend. Ich eröffne Ihnen mein Leben. Ich bin für die Bühne geboren, und ich werde auf der Bühne sterben.“ Ein Mann auf einer völlig schwarzen Bühne. Ein Stein, ein Stuhl und ein Bettlaken voller Erde sind seine einzigen Requisiten.

Im Theater 99, Spielort der vorerst letzten Aufführung der in diesem Jahr gegründeten freien Theatergruppe „Phosphor-Theater“, wurden die Zuschauer Zeugen eines ganz besonderen „Ein-Personen-Stücks“.

„Die Eröffnung“ von Peter Turrini wirft einen tiefen Blick hinter die Kulissen des Schauspielerdaseins. Mit poetischer und zynischer Sprache referiert ein Theaterschauspieler, gespielt von Jens Eisenbeiser – der vielen Aachenern noch aus seiner Zeit am Das Da Theater bekannt ist – schonungslos über klägliche Berufsanfänge, große Erfolge, seelische Abgründe und die Tragödien und Komödien seines Privatlebens.

In „Die Eröffnung“ träumt der namenlose Schauspieler von einer Theaterkarriere. Abseits des Rampenlichts jedoch erlebt er eine „Enttäuschung“ nach der anderen. Seine Tätigkeit als Vertreter für Freisprecheinrichtungen macht ihn nicht glücklich. Seine große Liebe, eine Ausdruckstänzerin, verlässt er, nachdem sich ihre Figur minimal verändert hat („ein Arschzuwachs von einem Zentimeter“) und seine Tochter nimmt sich das Leben, weil ihm seine Karriere wichtiger war als sie. Er entscheidet sich, sein Herz zu vergraben und mit ihm seine Liebe, die er nur noch im Theater spielen und spüren kann. Irgendwann verschwimmen für ihn die Grenzen zwischen Schein und Sein und er findet sich in einer psychiatrischen Einrichtung wieder.

„Die Eröffnung“ (Regie Raphael Fachner) beeindruckte das Publikum mit einem minimalistischen Bühnenbild und einer starken Leistung von Jens Eisenbeiser. Er schaffte es, das Publikum auf die Gefühlsachterbahn mitzunehmen, die das „wahre Leben“ ist. Er lachte, weinte, war mal deprimiert mal wütend, benutzte eine teils theatralische teils poetische, dann wiederum unheimlich derbe Sprache und verkörperte so den Facettenreichtum aber auch das Extreme eines Menschen. Ein Stück, das jeden betrifft und keinen Zuschauer unberührt lässt.

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