Phosphor-Theater: Im Kerker aus Ohnmacht und Illusionen

Von: Julia Kessen
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Schauspielerische Herausforderung: Stefan Peters spielt den „Trader“ in Raphael Fachners Inszenierung. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Eine kleine Bühne, ein Mann und nur schwaches Licht. Er steht alleine da und durchdringt das Publikum mit seiner Stimme. Es geht um einen Börsenhändler, einen Trader, der plötzlich völlig isoliert in Quarantäne kommt.

„Etwas Schreckliches geschieht in mir“, so beginnt der Monolog eines Mannes, der nun völlig auf sich allein gestellt ist. Man sagt ihm nicht, wieso er in Quarantäne bleiben muss. „Erreger“ heißt das Ein-Personen-Stück von Albert Ostermaier, das das Phosphor-Theater unter der Regie von Raphael Fachner ab Freitag, 20. Mai, im Theater 99, Gasborn 9-11, spielt.

Stefan Peters zeigt erstaunliche Leistungen, fast anderthalb Stunden nimmt er das Publikum mit in die innere Gefühlswelt eines Traders, der nie krank wird, der skrupellos ist und immer funktioniert. Bis jetzt zumindest. Die neue Situation, diese Machtlosigkeit und die Isolation lassen ihn seine Kindheit Revue passieren. Er erzählt uns, dass er immer der Beste war – was ihn zu dem gemacht hat, was er jetzt ist. Ein Mann, der gewinnt und Gewinne macht: „Emotionale Reaktionen sind Luxus, den man sich nicht leisten kann.“

Es ist ein Stück, das den Zuschauer herausfordert, durchdringt und, wie der Titel schon verrät, erregt. Es ist sehr intim und trotzdem fremd. Fachner will mit seiner Inszenierung auch darauf hinweisen, wie sehr die Börse das Weltgeschehen kontrolliert. Es ist selbstverständlich auch eine Kritik am Kapitalismus und dem Wirtschaftssystem.

„Das Stück hat auch eine visionäre Kraft“, so Fachner „es zeigt einen modernen Trader, der kein aalglatter Anzugträger ist“. Für Stefan Peters wird es das erste Mal sein, in dieser Intensität Theater zu spielen. „Als Schauspieler geht das natürlich an die Substanz.“ Die Zuschauer sind sehr schnell mitten im Geschehen. Man fragt sich: Was fehlt diesem einsamen Mann auf der Bühne?

Und jeder Zuschauer wird sich am Ende fragen: „Will ich immer, um jeden Preis, das meiste Geld verdienen?“

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