Aachen - Philips: Gigantische Giftsanierung im Industriepark Rothe Erde

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Philips: Gigantische Giftsanierung im Industriepark Rothe Erde

Von: stm
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Aachen. Der Philips GmbH sei ein langes Leben und guter Umsatz gewünscht. Und das nicht nur wegen der vielen Arbeitsplätze auch in Aachen. Ginge die Firma pleite und müsste die Stadt die Sanierung des Industrieparks Rothe Erde stemmen, dann wäre das wohl die Apokalypse für den städtischen Etat.

Am Dienstag wurde im Umweltausschuss noch einmal ganz deutlich, welch gigantische Maßnahme bevorsteht. Sie wird vermutlich in diesem Jahrzehnt nicht beendet sein, und sie wird wohl Kosten weit im zweistelligen Millionenbereich verschlingen. Teile des 310.000 Quadratmeter großen Geländes sind in Boden und/oder Grundwasser mit „Leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen” vergiftet. Spitzenwerte liegen beim 35.000-fachen des unbedenklichen Schwellenwerts fürs Grundwasser.

Ursache sind die Jahrzehnte verwendeten Chemikalien zur Glasentfettung die wahlweise hochgiftig (Trichlorethen) oder krebserzeugend (Tetra-chlorethen) sind. Im Frühjahr soll wie berichtet der erste Sanierungsabschnitt angegangen werden. Er liegt nur wenige Meter von der Kita Weißwasserstraße und den Häusern an der Hüttenstraße entfernt.

Genau deswegen wird dort angefangen, wie Experte Heinz Peter Thelen vom Gutachter „Tauw” erläuterte. Zwar sind die Werte dort längst nicht so extrem. Aber die Gifte können sich weiter auf die Nachbargrundstücke ausbreiten. 9000 Kubikmeter Erde werden ausgebaggert, dieselbe Menge später wieder aufgefüllt. Um die Nachbarn - darunter die Kita - zu schützen, gibt es ein umfangreiches Schutzkonzept in Sachen Lärm, Gase, Verkehr. Ein Lärmgutachten steht noch aus. Herbert Hilgersvom Fachbereich Umwelt, betonte, dass zweifelsfrei keine Gefahr für die Umgebung bestehe. Genau wird das den Anwohnern am 14. Dezember bei einer Bürgerinformation in der Grundschule Barbarastraße erläutert.

Alleine diese Sanierung wird insgesamt zwei Jahre plus fünf Jahre „Nachsorge” dauern und zwei Millionen Euro verschlingen. Zwei Millionen haben auch die bisherigen Untersuchungen gekostet. Die weiteren drei Sanierungsabschnitte werden aber noch viel länger und teurer werden. Über dem am stärksten kontaminierten Bereich werden schließlich täglich Lampen produziert.

Schätzen mag den Aufwand noch niemand, die Planungen laufen derzeit. Herbert Hilgers erzählte, dass es bisher 28 „Sanierungsgespräche” mit Philips und dem heutigen Grundstückseigentümer „Patron Capital” gab. Sie seien sachlich, aber auch schwierig. Das ganze Verfahren habe auch einiges an Nerven gekostet, schließlich habe man im Laufe der Zeit einige Überraschungen erlebt. Unliebsame, denn die Vergiftung ist weitaus größer als einst angenommen.

Und eine Illusion zerstreute Herbert Hilgers auch noch: Dass es einen schadstofffreien Industrieparkt dort geben könnte. Dann müsste man wohl alles abreißen und den Boden 20 Meter tief ausbaggern.
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