Philips: „Das erinnert fatal an das Bildröhren-Aus“

Von: Stephan Mohne
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Was wird aus Philips in Aachen? Die Ankündigung des Konzerns, die Bereiche LED und Autolampen in eine neue Firma zu überführen und Investoren zu suchen, sorgt für schlimme Befürchtungen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Bei Franz-Peter Beckers kamen sie unwillkürlich wieder hoch, die Erinnerungen an schlimme Tage in Rothe Erde – damals, als das Aus für die LG.Philips-Bildröhrenfabrik vor genau zehn Jahren und 2006 auch das Ende für die Glasfabrik mit insgesamt weit über 1000 betroffenen Mitarbeitern verkündet wurden.

Vor diesem Hintergrund traf den Aachener IG-Metall-Chef am Montag eine Mitteilung des Philips-Konzerns aus Amsterdam wie ein Schlag. Darin stand nämlich, dass Philips seine Sparten „Lumiled LED“ und „Automotive“ – also die Produktion von Lampen für Autoscheinwerfer – auslagern und in eine neue, selbstständige Gesellschaft überführen will. Für diesen Schritt sucht man zudem Investoren. Schon im Frühjahr 2015 soll das alles über die Bühne gegangen sein. „Das hat enorme Auswirkungen auf den Standort Aachen“, sagt Beckers.

Denn in der Mitteilung heißt es auch, dass sich Philips verstärkt auf die Produktion von LED-Komponenten fokussieren will. Die aber werden in Aachen nicht hergestellt. In Aachen laufen Halogen- und Xenon-Lampen für die Automobilindustrie vom Band. Doch diese seien Auslaufmodelle, so der Gewerkschafter. Die Automobilhersteller hätten genau das auf den jüngsten Fachmessen immer wieder verkündet.

„Es gibt aber in Aachen bisher kein Zukunftsprojekt in Sachen LED-Produktion“, hegt Beckers schlimmste Befürchtungen. In letzter Konsequenz könnte dies das Aus für den Aachener Standort bedeuten. Und da wäre man wieder bei der gar nicht so fernen Vergangenheit: „Das erinnert alles fatal an die Vorgänge um die Bildröhrenfabrik“, so Beckers.

Damals gründete Philips mit dem koreanischen Konzern LG ein Jointventure, in das Bildröhren- und Glasfabrik überführt wurden. Während die Gewerkschaft auch damals mehrfach warnte, dass Aachen nicht zukunftsfähig gemacht werde, wiegelte der Konzern stets ab. Der Standort sei sicher, die Bildröhre werde noch lange den Markt beherrschen. Stattdessen setzte sich ruckzuck der Flachbildschirm durch – und der wurde nicht in Aachen, sondern vornehmlich in Asien produziert. Das Aus war besiegelt.

So ähnlich verhalte sich das jetzt im Bereich der Autolampen, meint Beckers. „Wir werden jetzt darauf drängen, dass es LED-Zukunftsprojekte für Aachen gibt“, fügt er hinzu. Aber das sei eben momentan nicht der Fall.

Mit der Auslagerung werden in Aachen rund 1200 Mitarbeiter einen neuen Arbeitgeber – wie auch immer der bald heißen wird – bekommen. Für die Zukunft wird dabei mitentscheidend sein, welcher Investor ins Boot kommt. Philips will zwar Teilhaber bleiben, das Projekt aber auf jeden Fall mit einem Partner angehen. Im Bereich LED gibt es hingegen in Aachen bisher nur rund 40 Mitarbeiter, die in erster Linie im Bereich Entwicklung tätig sind.

Insgesamt hat Philips in Aachen rund 1800 Beschäftigte. Außer „Automotive“ und dem kleinen LED-Bereich werden hier noch Halogen-Lampen für den Haushaltsbereich produziert. Doch just die produzierten Strahler würden 2016 wahrscheinlich verboten, so Beckers. Auch hier müsse es also eine Alternativproduktion geben. Insgesamt, so Beckers, sei das eine „böse Situation für Aachen“.

Montagmorgen wurde die Belegschaft bei einer Betriebsversammlung über die neue Entwicklung informiert. Die Stimmung dort sei gefasst gewesen, sagt der IG-Metall-Chef, was wohl daher rühre, dass den Betroffenen die möglichen Konsequenzen noch nicht klar seien. Beckers selber war bei der Versammlung nicht dabei. Er weilt in Hamburg, wo just heute eine Aufsichtsratssitzung von Philips Deutschland auf dem Programm steht. Dass der zeitliche Zusammenhang mit der weitreichenden Pressemitteilung ein Zufall ist, glaubt Beckers indes nicht.

Informiert worden ist Montagmorgen auch Oberbürgermeister Marcel Philipp. Werkleiter Karl Spekl habe ihn über die Entwicklung unterrichtet. Auf Anfrage unserer Zeitung sagt Philipp, er sei dadurch „ebenfalls leicht alarmiert“. Er tue sich jedoch schwer, aufgrund dessen einen Zusammenhang zu einer Gefahr für das Werk herzustellen. Schließlich seien die in Aachen produzierten Lampen zurzeit starke Wachstumsmärkte. Dennoch habe jedes Produkt seinen Lebenszyklus. Deswegen gelte es, stetig für neue Produktionen in Aachen zu kämpfen. Wichtig sei deswegen auch die Philips-Verbindung zum neuen Campus. „Ich sehe deswegen nicht so schwarz“, so der OB.

Bei Philips selbst hieß es am Montag, es seien weder Änderungen in der Produktion noch bei den Jobs geplant. Allerdings mit der Einschränkung, dass der neue Partner und dessen Vorstellungen ja noch gar nicht bekannt seien. Was die zukünftige Produktion in Aachen betrifft, könne mithin jede Aussage nur Spekulation sein.

Fakt sei aber, dass beide ausgegliederte Bereiche sehr profitabel arbeiten. Man könne das Ganze umgekehrt auch als große Chance sehen. Schließlich werde Aachen in einem Unternehmen mit weltweit 7000 Beschäftigten ein ganz anderes Gewicht haben als derzeit in einem mit 120.000 Mitarbeitern.

Derlei Optimismus sieht die IG Metall jedoch vorsichtig ausgedrückt skeptisch. Denn auch anno 2004 und weit davor gab es in Sachen LG.Philips-Bildröhrenfabrik stets blumige Beteuerungen, dass der Aachener Standort nich t in Gefahr sei. Was daraus wurde, ist bekannt.

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